Globale Lieferketten in Auflösung begriffen

Globale Lieferketten in Auflösung begriffen

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Download von www.picturedesk.com am 26.03.2020 (11:33). ACT action_20812532 -- Näherinnen in der Produktion einer Firma für Bekleidung in Dhaka / 151115 ***.15-11-2105 DHAKA - clothes factory in bangladesh The daily life in Dhaka Bangladesh - 20151115_PD13025
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Die Folgen des Ausbruchs von Covid-19 treffen Einzelhändler und Hersteller auf der ganzen Welt. In Ländern wie Bangladesch, Vietnam und Myanmar droht deshalb Massenarbeitslosigkeit.

Von anfänglichen Bedenken hinsichtlich möglicher Lieferunterbrechungen von Bekleidung aus China haben sich die Folgen der Corona-Pandemie bereits zu einem Chaos in der gesamten Lieferkette ausgewachsen, berichtet der britische Wirtschafts-Analyst GlobalData. Unter Quarantäne gestellte Arbeitskräfte, Reisebeschränkungen und Unterbrechungen bei der Versorgung mit Rohstoffen wie Garnen, Stoffen, Borten, Verpackungen und Etiketten – von denen viele aus China stammen – betreffen Hersteller auf der ganzen Welt.

Gleichzeitig streichen, kürzen oder verschieben Einzelhändler in Europa und Nordamerika ihre Bestellungen und verschieben Zahlungen, weil ihre Geschäfte geschlossen wurden. Die Bekleidungshändler haben mit nicht verkauften Lagerbeständen zu kämpfen. Die britischen Branchenführer Primark und Marks & Spencer haben ihre Lieferanten in den letzten Tagen über massive Auftragskürzungen und Stornierungen informiert.

Besonders arme Herstellerländer sind betroffen

Leonie Barrie, Bekleidungsanalystin bei GlobalData, sagt: »Die Folgen sind Fabrikschließungen und Arbeitsplatzverluste für Arbeitnehmer, die aufgrund niedriger Löhne und schlechter Arbeitsgesetze und -schutzbestimmungen bereits bisher zu den am stärksten gefährdeten zählten. Besonders betroffen sind Länder wie Vietnam, Kambodscha, Bangladesch und Myanmar.«

»Die Situation ist beispiellos und wird sich wahrscheinlich noch weiter verschlechtern, bevor wieder eine Erholung einsetzen kann. Liquidität und Cashflow zählen derzeit zu den Hauptproblemen in der Bekleidungslieferkette. Wir erwarten noch schwerwiegendere Störungen und Millionen weiterer Arbeitsplatzverluste, wenn die Fabriken nicht über die Mittel verfügen, um bis zum Ende der Krise zu überleben«, so Barrie weiter.

Keine etablierten Best Practices

»Wir befinden uns derzeit auf Neuland. Daher gibt es keine etablierten Best Practices, an denen wir uns orientieren können. Während jede Brand derzeit ihre eigenen Herausforderungen zu meistern hat, muss sie weiterhin verantwortungsbewusste Einkaufspraktiken in ihrer Lieferkette einhalten.«

Zu den erfreulichen Nachrichten gehört für GlobalData, dass sich Marken wie H&M und Zara-Eigentümer Inditex der aktuellen Herausforderung stellen, indem sie ihr Know-how und ihr Produktionsnetzwerk für die Herstellung dringend benötigter medizinischer Gesichtsmasken und Schutzausrüstungen für Krankenhäuser und Beschäftigte im Gesundheitswesen nützen.

Barrie appelliert abschließend: »Während sich viele Bekleidungsmarken und Einzelhändler in diesen schwierigen Zeiten auf ihr eigenes Überleben konzentrieren, müssen sie auch die finanzielle Belastung der Fabriken und Arbeiter berücksichtigen, die ihre Kleidung herstellen. Zusammenarbeit, Kooperation und strategische Partnerschaften sind jetzt mehr denn je gefragt.«

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