Gewerbe und Handwerk : »Positiv ins nächste H...
Gewerbe und Handwerk

»Positiv ins nächste Halbjahr«

Gewerbe und Handwerk erholen sich langsam von der Krise, so die Zahlen der vierteljährlichen Konjunkturumfrage von KMU Austria - die einen Branchen allerdings schneller als andere. Gezielte Hilfsmaßnahmen blieben also weiter notwendig.

Das heimische Gewerbe und Handwerk blickt optimistisch in das anstehende Quartal; rund 27 Prozent der Betriebe erwarten sich in den kommenden drei Monaten mehr Auftragseingänge und Umsätze gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahres, geht aus der aktuellen »Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk 2. Quartal 2021« hervor, erhoben von der KMU Forschung Austria, vorgestellt von Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich, Reinhard Kainz, Geschäftsführer Bundessparte Gewerbe und Handwerk, und  Christina Enichlmair, KMU Forschung Austria. Aber: Das Vorkrisen-Niveau zu erreichen, wird noch dauern, so der Tenor.

Umsatzrückgänge in konsumnahen Branchen

Zumindest beurteilen 34 Prozent der Gewerbe- und Handwerksbetriebe schon die Geschäftslage im zweiten Quartal 2021 als „gut“, nur 27 Prozent als „schlecht“. Per Saldo überwiegen also die Betriebe mit guter Geschäftslage um sieben Prozentpunkte.

Eine gute Geschäftslage lässt sich allerdings vor allem bei den investitionsgüternahen Branchen beobachten, also beispielsweise im Baunebengewerbe, holzgestaltenden Gewerbe, Elektro- und Gebäudetechnik. Hier ist der durchschnittliche Auftragsbestand im Vergleich zum zweiten Quartal des Vorjahres um 25,2 Prozent gestiegen.

In den konsumnahen Branchen mussten allerdings 37 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge hinnehmen und nur 24 Prozent konnten eine Steigerung im Vergleich zum zweiten Quartal 2020 verzeichnen. Im ersten Quartal des Jahres ergab sich für die Mode und Bekleidungstechnik noch ein Minus von -18,6 Prozent. Die Geschäftslage für das zweite Quartal gaben immer noch 72 Prozent der Befragten aus konsumnahen Branchen als „schlecht“ an, so die Studienautorin Enichlmair. Es zeige sich also eine große Schere zwischen den Geschäftslagen der investitionsgüternahen Branchen und der konsumnahen Branchen, die sich aber nach und nach schließe.

Fachkräftemangel in vielen Bereichen

Zu den zukünftigen Herausforderungen für Gewerbe und Handwerk zählen Scheichelbauer-Schuster und Kainz schließlich den Fachkräfte- und Lehrlingsmangel, regional unterschiedlich ausgeprägt, dabei besonders evident in Westösterreich mit zuletzt Anstiegen in Südösterreich (Steiermark, Kärnten). Hiervon besonders betroffen: das Baugewerbe, Personaldienstleiter, Lebensmittelgewerbe, Kfz und Mechatronik.

„Es geht bergauf“, resümiert Scheichelbauer-Schuster, „in einigen Branchen aber mit Verzögerung“, fügt sie hinzu. Insgesamt starte man in der Sparte Handwerk und Gewerbe mit positiven Erwartungen in das nächste Halbjahr. Dennoch: „Unterstützungen sind in einigen Bereichen weiterhin nötig.“ Es sei richtig und wichtig, die Hilfsmaßnahmen zu verlängern. Ein Wachstumsturbo könne dabei auch der Klimaschutz sein, „hier sehen wir großes Potenzial, denn unsere Betriebe sind die Umsetzer der Klimawende“, betont Scheichelbauer-Schuster. „Die Kompetenzen sind im Gewerbe und Handwerk da, ebenso die Erfahrungen mit Umwelttechnologie. Was es jetzt braucht: Planungssicherheit.“

Die Ergebnisse der Konjunkturbeobachtung im zweiten Quartal 2021 basieren auf den Meldungen von 2.285 Betrieben mit 45.469 Beschäftigten.

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