»Gemeinsam schaffen wir das«

»Gemeinsam schaffen wir das«

Daddy's Daughters
Meike Schilcher, Inhaberin von Daddy's Daughters und Handelsagentin der Marke Luis Trenker
Meike Schilcher, Inhaberin von Daddy's Daughters und Handelsagentin der Marke Luis Trenker

Meike Schilcher, Inhaberin von Daddy’s Daughters, appelliert in diesen turbulenten Zeiten an einen verstärkten Zusammenhalt entlang der vielen Glieder der textilen Kette.

Das Interview mit Modehandels-Sprecher Günther Rossmanith hat zu einigen Reaktionen gerade von Lieferanten-Seite geführt. Unter anderem hat uns folgender Leserbrief von Meike Schilcher, Designerin, Gründerin und Inhaberin der Marke Daddy‘s Daughters, erreicht.

Liebe Frau Pfeifer-Medlin!
Liebes Team der ÖTZ!

Bei all dem Wahnsinn, der da draußen gerade los ist, hoffe ich, Sie und Ihre Lieben sind gesund.

Ihr letzter Newsletter inklusive des Statements von Herrn Günther Rossmanith als Sprecher des Wiener Modehandels hat mich wirklich wütend gemacht. Wie um Himmels Willen kann man als Sprecher des Modehandels dazu aufrufen, dass man als Einzelhändler auf Rabatte besteht für FS-2020-Waren, die weit vor Corona geliefert wurden?

Wir wissen wohl alle, dass dies eine der größten Krisen des Handels in den letzten 20 Jahren werden könnte. „Könnte“ sage ich aus dem Grund bewusst, denn es muss nicht so sein.

Alle im selben Boot – Zusammenhalten – Zusammenrücken – Rücksicht nehmen – Solidarisch sein – Verständnis zeigen: Das alles soll doch gerade in Zeiten wie diesen auch tatsächlich gelebt werden.

Als Lieferant von hochwertigem Cashmere mit 170 Einzelhändlern sowie als Handelsagentin für die Marke Luis Trenker ist mir durchaus bewusst, dass wir ohne unsere Kunden gar nicht existieren würden. Wir wünschen uns aber auch das umgekehrte Bewusstsein: Der Einzelhandel muss auch in dieser herausfordernden Zeit an seine Lieferanten denken, an die ihn betreuenden Handelsagenturen und Vertreter. Wir sind alle Glieder in einer großen Kette, die auch nach der Bewältigung der Corona-Krise Bestand haben soll.

Ich erkläre gern einmal unsere aktuelle Situation:

  • Wir haben für die vermeintlich umsatzstärksten Monate März, April und Mai ein Lager eingeteilt, das den Einzelhändlern zur Verfügung stehen sollte, um Renner-Modelle nachzubestellen. Dieses steht zur Gänze still.
  • Wir haben in den Monaten Jänner, Februar und März viel geliefert, ergo viel fakturiert. Die Zahlungseingänge auf offene Rechnungen stehen so gut wie still.
  • Wir haben uns vor Jahren auf die Fahnen geschrieben, ganz bewusst keinen eigenen Onlineshop zu starten, und das wurde von den Händlern stets als sehr positiv wahrgenommen und befürwortet. Doch so haben wir aktuell gar keine Vermarktungsplattform für unser Lager.
  • Wir sind unseren Kunden gegenüber verpflichtet, die Produktion für HW 2020/21 weiter laufen zu lassen und müssen diese zu einem gewissen Anteil bereits jetzt vorfinanzieren.
  • Wir arbeiten gleichzeitig bereits unter Hochdruck an einer neuen Kollektion für die Vororder-Runde Sommer 2021.
  • Wir sehen uns als Lieferant verpflichtet, unsere Räder am Laufen zu halten, denn wir möchten auch sichern, dass unser Vertrieb (freie Handelsvertreter) noch irgendwie die ihnen zustehenden Provisionen für erbrachte Arbeit erhalten. Diese können erst ausgeschüttet werden, wenn der Handel seine Rechnungen zur Gänze begleicht.

Es ist nicht die ganze Modewelt nur übersäht von riesig großen sehr finanzstarken oder von Investoren gesteuerten Firmen, die derzeit möglicherweise kein Problem haben, das alles zu überstehen und die gerne mit Rabatten um sich schleudern.

Wir stehen zu 100 % selbst im Risiko in diesen Zeiten, und wir möchten dies als kleinen Aufruf verstehen, damit doch bitte Industrie und Handel wirklich näher zusammenrücken, und die Menschen in der Modewelt – wer auch immer, wo auch immer, an welcher Position auch immer – wirklich auch das GROSSE GANZE im Auge haben, denn sonst wird es nach der Zeit von CoVid 19 einige ihrer geliebten Brands und auch dazugehörende Agenturen möglicherweise nicht mehr geben.

Nur gemeinsam und mit genau dem Zusammenhalt zwischen Handel, Produzenten und Agenturen kann diese Krise bewältigt werden. Egoismus ist kein guter Ratgeber in diesen Zeiten.

Mitdenken und WEITERdenken sind unerlässlich und wichtig, damit auch in der nächsten Saison die heimischen Lieferanten ihre Agenturen zur Sichtung der neuen Sommer-2021-Kollektionen öffnen können und wir hoffentlich alle miteinander sagen können: „Wahnsinn, wir können stolz auf uns sein, wir haben das gemeinsam geschafft.“ Und das schweißt uns zusammen und stärkt uns für die Zukunft.

Denn eines ist klar: Wer diese Zeiten gemeinsam übersteht, dem kann miteinander doch so viel Schlimmeres nicht mehr passieren, oder?

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass kein überstürzter Aktionismus Einzug hält in diese Branche, sondern wohlüberlegtes Handeln. Nur damit können wir es schaffen nach der jetzigen Isolationsphase den Handel wieder hochzufahren und von steigendem Konsum zu profitieren.

Herzliche Grüße aus Salzburg

Meike Schilcher

stats