»Für den Herbst sehe ich schwarz«

»Für den Herbst sehe ich schwarz«

Robert Newald / picturedesk.com
Download von www.picturedesk.com am 21.04.2020 (10:46). Wien, Petersplatz. Höfer und Kemeny, Spezialhaus für Nouveautes in Woll- und Seidenstoffen, Stoffgeschäft, Sperrt ende Juni 2017 zu. Geschäftslokal, Einzelhandel. - 20170512_PD16048
Download von www.picturedesk.com am 21.04.2020 (10:46). Wien, Petersplatz. Höfer und Kemeny, Spezialhaus für Nouveautes in Woll- und Seidenstoffen, Stoffgeschäft, Sperrt ende Juni 2017 zu. Geschäftslokal, Einzelhandel. - 20170512_PD16048

Herbert Komolka sieht sich als »systemwichtigen Betrieb«. Denn gerade jetzt werde viel Stoff für Masken benötigt. Mit der Öffnungsregelung nach Quadratmetern ist er nicht zufrieden.

Sie hätten letzte Woche gerne aufgesperrt, Ihre Geschäftsfläche ist aber zu groß.

Herbert Komolka: Wir sind ein systemwichtiger Betrieb. Gerade jetzt wird viel Stoff für die Masken benötigt, aber unser Geschäft auf der Mariahilfer Straße ist mit 2000 m² zu groß. Wenn jeder Schutzmasken tragen soll, dann wären auch Ausnahmen für Produkte, die jetzt gebraucht werden, sinnvoll. Ich habe die zuständigen Minister angeschrieben und habe mittlerweile auch eine Antwort bekommen: Ja, das ist eine erfreuliche Sache, dass wir an Kunden versenden. Und ja, wir dürfen gerne Großabnehmer beliefern. Das sollen wir doch bitte weiterhin tun. Ausnahmen gibt es aber nicht. Keine sehr zufriedenstellende Antwort.

Wo ist das Problem?

Für uns bedeutet das: Wir bekommen 80 Bestellungen am Tag, die ich mit vier Mitarbeitern bearbeite. Zusammenstellen, nachtelefonieren, fakturieren, verpacken und zur Post bringen und das alles für ein Zehntel des Umsatzes. Wir verlieren derzeit 50.000 Euro im Monat.

Das Ganze ist auch extrem kundenunfreundlich: 90 % unserer Besteller sind Wiener und würden lieber vor Ort aussuchen, die haben Fragen oder würden gerne zusätzliche Produkte kaufen – im Geschäft wäre das um ein Vielfaches leichter abzuwickeln. Gleichzeitig darf aber die Konkurrenz offen halten. Wir haben zwar unser kleineres Geschäft auf der Laxenburger Straße offen, da haben wir aber nicht die entsprechende Auswahl. Ich habe schon Verständnis dafür, dass die Regierung in der kurzen Zeit nicht jeden Sonderfall bedenken konnte, aber für die paar systemrelevanten Betriebe könnte man doch sagen, ok, ihr dürft aufsperren. Ich wäre ja auch bereit, nur das Erdgeschoß zu öffnen. Überhaupt hätte ich die Öffnungen branchenspezifisch gemacht und nicht nach Quadratmetern – das wäre sinnvoller gewesen.

Wie beurteilen Sie die weitere Entwicklung?

Momentan ist es unmöglich zu sagen, ob wir die Stoffe, die wir jetzt lagernd haben, später noch verkaufen können. Wir sind stark beeinflusst von den Italienern. Die aktuellen Dschungel- und Safari-Muster bei D&G sind das Top-Thema des Sommers, möglicherweise verkaufen wir die noch.

Allerdings sehe ich wirklich schwarz für die weitere Entwicklung: Das ganze Ausmaß wird sich im Herbst zeigen. Die Händler werden jetzt Ware um -70 % verschleudern, dann verdienen sie zu wenig und werden Mitarbeiter entlassen müssen. Auch die Kunden selbst verdienen weniger und haben kein Geld für neue Mode. Zudem sind die Produktionsketten überall unterbrochen. Wenn die Geschäfte wieder aufmachen, werden einige draufkommen, dass sie nur mehr 50 % des Umsatzes machen. Das ganze Ausmaß der Katastrophe werden wir wohl erst im Herbst sehen.

Von: Claudia Stückler

stats