Frauen in Wirtschaft & Kommunikation: »Hebt a...
Frauen in Wirtschaft & Kommunikation

»Hebt aktiv die Hand!«

Horizont

Im HORIZONT-Talk sprechen Frauen aus Österreichs Chefetagen über Herausforderungen und Chancen und geben Tipps für den oft steinigen Karriereweg.

»Frauen in Wirtschaft und Kommunikation«, so der Titel des großen HORIZONT-Talks zum Internationalen Frauentag am 8. März. Dabei zeigt sich einmal mehr: Frauen in Wirtschaft und Kommunikation stehen immer noch vor großen Herausforderungen, wenn es um ihre Karriere und Berufslaufbahn geht. Und wie Dagmar Lang, Geschäftsführerin und Herausgeberin des Manstein Verlags, schon in der Anmoderation betont: »Frauen in den Fokus rücken, das kann man nicht oft genug tun.« 

Hier sehen Sie den kompletten Talk:

Im Fokus stehen heißt, sichtbar zu sein – und diese Sichtbarkeit ist auch das »Herzensthema« von Tijen Onaran, wie sie beteuert. Sie ist Unternehmerin und CEO von Global Digital Women und hielt die Keynote zur Diskussion. »Sichtbarkeit heißt Vertrauen schaffen, und in einer komplexen Welt ist Vertrauen die Währung Nummer eins«, erklärt Onaran. »Menschen folgen Menschen.« Nicht nur für Frauen, auch im allgemeinen Businesskontext stelle sie einen Kulturwandel in Sachen Sichtbarkeit in den Chefetagen fest, wobei besonders Social Media »das Kollaborationstool schlechthin« sei – für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie auch für potenzielle Talente. Denn diese beleuchteten heutzutage nicht nur die Website eines Unternehmens, sondern auch die Auftritte der Angestellten, ist Onaran überzeugt. »Es geht darum, eine Haltung und eine Meinung zu haben, Werte zu vertreten«, so Onaran. »Gute Sichtbarkeit bedeutet nicht, dass ich mich inszeniere, sondern positioniere«, und gerade für diejenigen, die für Marken arbeiten, sei Sichtbarkeit heute wichtiger denn je. »Haben Sie den Mut zur digitalen Sichtbarkeit«, plädiert sie.

Sichtbarkeit als Karriereturbo

Um die Sichtbarkeit nicht nur als Führungskraft eines Unternehmens, sondern auch speziell als Frau, diskutieren anschließend mit Onaran unter der Moderation von Lang Gerda Holzinger-Burgstaller, CEO der Erste Bank Österreich, Nicole Berkmann, Leiterin Konzernale PR und Unternehmenssprecherin von Spar Österreich, sowie Martina Salomon, Chefredakteurin des Kurier, Karin Seywald-Czihak, Geschäftsführerin der ÖBB-Werbung, und Maria Zesch, CCO Business und Digitalization bei Magenta Telekom. Diese meint auch, dass die stärkere Verlagerung ins Digitale durch die Corona-Pandemie Frauen mehr Chancen bieten würde, sichtbar zu sein. Und dass Sichtbarkeit wichtig sei, dem stimmt ebenso Seywald-Czihak zu, merkt allerdings an: »Wir Frauen wurden schon in der Kindheit dahingehend sozialisiert, bescheiden zu sein, zurückhaltend zu sein, uns nicht in den Vordergrund zu drängeln«, weswegen Frauen später im Berufsleben gegebenenfalls auch weniger wahrgenommen werden würden. Die amtierende Marketerin des Jahres betont aber, dass „Sichtbarkeit mit Glaubwürdigkeit ein Turbo für die Karriere sein kann.«

Burgstaller, die ihre Position bei der Ersten Bank mit 1. Jänner 2021 antrat, zeigt sich »überrascht« von der Sichtbarkeit, die sie mit ihrer neuen Funktion eingenommen habe – nur galt das Interesse weniger dieser neuen Funktion, vielmehr lag der Neuigkeitswert an ihrer Person als Frau. »Wir haben noch einen weiten Weg vor uns«, resümiert sie.

Mehr junge Frauen drängen nach vorne

Damit mehr Frauen leitende Funktionen einnehmen können, setze Salomon in ihrer Redaktion schon in der mittleren Führungsebene an, wie sie erklärt. Man könne die Frauenquote nicht erhöhen, in dem man einfach eine Frau »oben reinsetzt – man muss es von unten aufbauen“«, ist sie überzeugt. Die Kurier-Chefredakteurin habe allerdings bei Personalgesprächen oft den Eindruck, dass Frauen denken würden, durch ihren Fleiß schon irgendwann aufzufallen, während Männer einfach sage würden, dass sie den Job wollen. Berkmann pflichtet ihr bei: »Ich finde den Aspekt, dass man auch die Ebene unter der Chefetage fördern muss, ganz wichtig.« Sie beobachte in ihrem Unternehmen derzeit aber auch »viele junge, ehrgeizige Frauen, die nach vorne drängen«.

Schließlich spricht die Manstein-Geschäftsführerin und -Herausgeberin Lang noch die »Stolpersteine« an, die Corona und Lockdown für die Sichtbarkeit von Frauen mitgebracht haben. An dieser Stelle betont Onaran die Bedeutung von Netzwerken für Frauen, die auch einen geschützten Raum bieten und die es zu ritualisieren gilt. Ebenso bedeutsam für sie: »Hebt aktiv die Hand. Einfach entdeckt zu werden, das wird nicht klappen.«

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