Elektronischer Zahlungsverkehr: Wirecard wird...
Elektronischer Zahlungsverkehr

Wirecard wird zerschlagen

Der Zusammenbruch des Zahlungsdienstleisters schlägt auch im Handel hohe Wellen. Immerhin ist Wirecard in Österreich Marktführer für die Abwicklung des elektronischen Zahlungsverkehrs.

Wirecard wickelt als Zahlungsdienstleister die bargeldlosen Geldflüsse zwischen Endkunden, Händlern, Banken sowie Kreditkartenfirmen ab. Wenn etwas im Internet gekauft wird, bildet das Unternehmen oft die Schnittstelle zum Händler. Die Ticket-Automaten der ÖBB setzen genauso auf die Services des Zahlungsdienstleisters mit Sitz in Aschheim bei München wie viele Handy-Apps. Bei Kreditkartenzahlungen, etwa mit Visa oder Mastercard, läuft die Abwicklung im Hintergrund ebenso über Wirecard wie bei vielen Prepaid-Karten der unterschiedlichsten Anbieter. In Österreich zählen große Namen wie Billa, Bipa, XXXLutz, die Post und A1 zu den Kunden des Bezahlanbieters.

Doch nach dem Bilanzskandal – mutmaßlich sind 1,9 Mrd. € verschwunden oder haben nie existiert – und dem nunmehr eröffneten Insolvenzverfahren wird von dem Weltkonzern, der einst vom Österreicher Markus Braun gegründete worden war, nicht viel übrig bleiben. Laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Jaffe soll der Konzern in Einzelteilen verkauft werden. Markus Braun war am 19. Juni als CEO des Unternehmens zurückgetreten, wurde wenige Tage später festgenommen und befindet sich derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß.

Betrieb wird fortgesetzt

Der Betrieb bei Wirecard soll nach Möglichkeit nicht unterbrochen oder eingestellt werden: »Vordringlichstes Ziel im vorläufigen Insolvenzverfahren ist es, den Geschäftsbetrieb der Konzerngesellschaften zu stabilisieren«, hieß es in der Mitteilung. Einer eigenständigen Abspaltung von Wirecard-Tochterfirmen will Jaffe vorbeugen: »Dazu soll ein von der Muttergesellschaft konzertierter, strukturierter Transaktionsprozess unter Einschaltung auf verschiedene Bereiche spezialisierter Investmentbanken durchgeführt werden«, hieß es in seiner Mitteilung.

Konsequenzen für Händler

Welche Konsequenzen haben die aktuellen Entwicklungen nun für den Handel? Grundsätzlich muss dessen digitale Infrastruktur wegen der Insolvenz nicht sofort umgestellt werden: Mit der Wirecard Bank ist ein eigenständiges Unternehmen für das Payment-Geschäft zuständig. Einzig das Bezahlen mit Kreditkarten könnte zum Problem werden, wenn die Lizenzen von Finanzunternehmen wie Visa oder Mastercard nicht verlängert werden können. In einer offiziellen Aussendung von wirecard heißt es dazu: »Der Zahlungsverkehr der Wirecard Bank ist nicht betroffen. Auszahlungen an Händler der Wirecard Bank werden weiterhin ohne Einschränkungen ausgeführt. Mit den Aufsehern der weiteren lizenzierten Einheiten stehen die entsprechenden Einheiten bzw. die Wirecard AG in engem Kontakt.« Außerdem befinde man sich in »intensiven Gesprächen mit Kunden, Handelspartnern und den Kreditkartenorganisationen«.

Moratorium droht

Nach Angaben vom Montag droht der Wirecard Bank jedoch nach der Insolvenz der Mutter ein Moratorium durch die deutsche Finanzaufsicht BaFin. Dann dürfte das Geldhaus weder Zahlungen leisten, Gelder entgegennehmen oder Vermögensgegenstände veräußern, die Kunden kämen nicht an ihr Geld. Bisher hat die BaFin bei der Wirecard Bank nur einen Sonderbeauftragten eingesetzt, der die Zahlungsströme überwacht und sie zum Teil auch unterbunden hat. Ein Moratorium dürfte Kunden von Wirecard hart treffen. Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter dürfte mehrere Wochen dauern. So lange könnten Kunden beim Händler erst einmal nicht mehr mit Kreditkarte zahlen – außer, der Händler nutzt auch andere Zahlungsdienstleister.

Großkunden springen ab

Erste Großkunden springen indessen schon ab: Die deutsche Allianz-Versicherung etwa stellt ihre Bezahl-App »Pay&Protect« ein, die gemeinsam mit Wirecard entwickelt wurde. Man werde »auf Basis der bisher gesammelten Erfahrungen zu überprüfen, inwieweit und in welcher Form ein ähnliches Angebot für das Produktportfolio weiterhin von Bedeutung ist«, teilte Europas größter Versicherer mit. Für die Kunden soll die App vorerst voll nutzbar bleiben. Wie lange noch, teilte die Allianz nicht mit.

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