Düsseldorf Fashion Days: Heiß, reduziert und ...
Düsseldorf Fashion Days

Heiß, reduziert und ohne Export

Gallery Fashion

In Düsseldorf findet der Handel wieder zur Normalität. Aber nur verhalten, denn viele Export-Kunden fehlen.

Am 5. August startete die erste Ausgabe der Düsseldorf Fashion Days (DFD). Eine Woche lang konnte der Handel in den über 600 angeschlossenen Showrooms ordern und die neuen Kollektionen sichten. Abstand halten war kein Problem, die Frequenz gering.

Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt am Rhein gab sich vergangenes Wochenende sommerlich heiß: Bei 38 Grad empfing sie nationales Einkäufer-Publikum zur ersten Orderrunde der von Fashion Net initiierten Düsseldorf Fashion Days. Unter dem neuen Namen unterlag die ehemalige CPD einigen Einschränkungen, die der aktuellen Krisensituation geschuldet waren: Showroom-Besuche nach Termin, besondere Sicherheitsmaßnahmen, eingeschränktes Catering und keine groß angelegten Netzwerk-Events. Dass die Gesundheitsbehörde zwei Showrooms wegen Verstöße gegen die Corona-Vorschriften geschlossen hatte, machte wie ein Lauffeuer die Runde. Die Weigerung des zentralen Hotels  Innside by Melia, ein weiches Frühstücksei zu kochen, war wohl eher der Kurzarbeit als der Infektionsgefahr geschuldet.   

Es fehlte das internationale Publikum. Der Taxifahrer konnte gar nicht glauben, dass Fashion Days sind (»davon merken wir wirklich nichts«). Wichtige Exportpartner aus Osteuropa und Übersee blieben aus. Die Menswear in Halle 29 war gähnend leer, klimatisierte Showrooms warteten vergeblich auf Laufkundschaft. »Die Einkäufer aus dem Export sind wegen der Reisebeschränkungen weggefallen und das spürt man deutlich«, fasst Stefan Plattfaut, Vertriebsleiter national bei Benvenuto, zusammen. »Insbesondere die russischen Kunden sind weggebrochen, das müssen wir digital auffangen«, berichtet Robert Dinslaken, Export Manager Club of Comfort. Aber auch die Händler aus D-A-CH machten sich rar. Diejenigen, die kamen, waren in der DOB aber von der Kreativität und der Innovationskraft beeindruckt, wunderten sich allerdings über die Absenz mancher Eigentümer großer Marken, die erst gar nicht nach Düsseldorf gereist waren.

 Digitale Plattformen bieten eigentlich alle großen Marken an und hoffen, so doch noch die eine oder andere Order einfahren zu können. Wie Stephan Horst von Bugatti, dessen hoher Exportanteil jetzt eine große Belastung ist. Marken wie Frankwalder leiden darunter, dass ihre Kundinnen nicht shoppen gehen und es keine Anlässe gibt. Es gab auch Lichtblicke: Jene Marken, die in der Vergangenheit gut verkauft haben, werden vom Handel bevorzugt. Britt Burmann (Bianca) und Margitte Schweden (Margittes) sind vorsichtig optimistisch, Norbert Lock freut sich bei Sportalm über die gute Resonanz auf die Ulli-Ehrlich-Kollektion. Richtig gute Stimmung ist bei Riani, wo die Buckenmaiers sogar Models engagiert haben, um die besonders schöne Kollektion zu präsentieren. Verglichen mit der HAKA herrschte bei den Hosen geradezu Feierstimmung. Markus Schreiber (Cambio) hat gerade verganes Leder ausgeliefert, das trotz Hitze abhebt und pusht mit einer schönen Kampagne in der Instyle das Black Denim-Programm für den Oktober. »Die meisten Händler liegen bei uns über ihren Erwartungen«, sagt Schreiber. Enrico Tomassini (Angels) liefert die Erklärung: »Corona hat bei den Konsumenten die Hosengröße verändert. Die einen sind dicker, die anderen erheblich dünner geworden.« Auch bei Toni, Relaxed und Rosner läuft es im D-A-CH Raum gut, wie Oliver Keeb und Barbara Holzer bestätigen. Marc Freyberg (Brax) bestätigt, dass Österreich sehr gut läuft, ist sonst aber sehr vorsichtig. »Wir rechnen mit dramatischen Einschnitten und durchforsten gerade sämtliche Prozesse auf die Möglichkeit der Effizienzsteigerung«, kommentiert Freyberg.

Wie die Orderrunde tatsächlich gelaufen ist, »können wir alle erst Anfang September beurteilen«, meint Wolfgang Binder (Schneiders). Die Hoffnung lebt. Zufrieden zeigt sich hingegen der Veranstalter: Die Orderwoche inklusive der Ausweitung auf eine Woche sei durchweg positiv ausgefallen und angenommen worden.

stats