Den Händlern geht das Geld aus

Den Händlern geht das Geld aus

Stephan Doleschal
Ing. Mag. Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes
Ing. Mag. Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes

Laut einer Umfrage des Handelsverbands könnte bereits im April ein Viertel der KMU im Einzelhandel von Zahlungsunfähigkeit betroffen sein.

Wie es den kleinen und mittelgroßen Unternehmen im Handel derzeit geht und welche Maßnahmen ihnen am meisten helfen würden, hat der Handelsverband in einer Blitzumfrage analysiert.  Die Erhebung fand von 16. bis 20. April statt, 233 KMU-Händler (52 stationäre Händler, 41 Online-Händler und 140 Multichannel-Händler) aus dem Kreis der 3.000 Mitglieder des Handelsverbandes nahmen an der Befragung teil. Drei Viertel der KMU-Unternehmen geben an, dass sich die Corona-Krise negativ auf ihren stationären Umsatz ausgewirkt haben. Fast ein Drittel der Händler hat auch im Onlinehandel mit Umsatzrückgängen zu kämpfen. Fast 60 % rechnen mit einem starken Geschäftsrückgang von mehr als 50 % für April.

Webshop-Offensive

Im Zuge der Corona-Pandemie haben eine erkleckliche Zahl der heimischen KMU-Händler (14 % in der Stichprobe des Handelsverbands) einen Webshop erstellt, weitere 24 % haben ihren bestehenden Onlineshop ausgebaut. Einen Teil der Umsatzverluste könne man damit zwar auffangen, schreibt der Handelsverband. Allerdings reden wir hier von maximal 50 Mio. € – bei einem wöchentlichen Umsatzverlust von bis zu einer Milliarde Euro im österreichischen Handel während des Shutdowns.

Einem Viertel geht das Geld aus

Es ist daher nicht überraschend, dass bereits mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen um finanzielle Hilfen aus dem Corona-Rettungsschirm angesucht haben bzw. planen, dies noch zu tun. Denn den Unternehmen gehen schon jetzt die liquiden Mittel aus. »Ein Viertel unserer KMU-Händler sagt, dass sie innerhalb eines Monats von Zahlungsunfähigkeit betroffen sein könnten. 7 % der Unternehmen mussten bereits schließen oder werden in Kürze den Betrieb einstellen«, erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Empfehlungen der KMU-Händler an die Bundesregierung

Gefragt nach konkreten Forderungen an die Bundesregierung werden am häufigsten genannt: Leichtere, unbürokratischere Beantragung von Hilfen (62 %), umfangreichere Unterstützungsleistungen (57 %) sowie schnellere Auszahlung der beantragten Hilfen (51 %). »Wir wissen, wie schwierig diese Krise für alle ist, vor allem auch für die Politikerinnen und Politiker, die sich unermüdlich einsetzen. Doch nun müssen substanzielle Mittel aus dem Corona-Rettungsschirm bei den betroffenen Unternehmen ankommen, um Arbeitsplätze zu retten und den Wirtschaftsstandort Österreich abzusichern. Der Goldschatz am Meeresboden hilft nichts, wenn der Rettungsring nicht rasch zugeworfen wird«, so Rainer Will.

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