Corona-Krise: So reagiert die Industrie
HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com
Download von www.picturedesk.com am 20.03.2020 (11:43). ABD0152_20200316 - WIEN - ÖSTERREICH: ++ THEMENBILD ++ Die Bundesregierung hat die Maßnahmen im Kampf gegen das neue Coronavirus noch einmal drastisch verschärft. Für ganz Österreich wurde eine "Ausgangsbeschränkung" ausgesprochen. Im Bild: Leere Sitzmöglichkeiten am Graben in der Wiener Innenstadt aufgenommen am Montag, 16. März 2020. - FOTO: APA/HELMUT FOHRINGER - 20200316_PD3397
Download von www.picturedesk.com am 20.03.2020 (11:43). ABD0152_20200316 - WIEN - ÖSTERREICH: ++ THEMENBILD ++ Die Bundesregierung hat die Maßnahmen im Kampf gegen das neue Coronavirus noch einmal drastisch verschärft. Für ganz Österreich wurde eine "Ausgangsbeschränkung" ausgesprochen. Im Bild: Leere Sitzmöglichkeiten am Graben in der Wiener Innenstadt aufgenommen am Montag, 16. März 2020. - FOTO: APA/HELMUT FOHRINGER - 20200316_PD3397

Die aktuelle Corona-Krise trifft die Branche in voller Härte. Die Industrie reagiert zu einem großen Teil mit Lieferstopps und streicht teilweise ganze Liefertermine bzw. Programme.

Die Bitte vieler Händler und Verbundgruppen wie der Katag, dem Handel ab sofort bis Ende April keine Ware mehr zukommen zu lassen und auch keine Rechnungen zu stellen, brachte die Bekleidungshersteller unter Zugzwang, gegenüber den eigenen Handelspartnern klar Stellung zu beziehen und Lösungen anzubieten. Ein Überblick über aktuelle Krisenstrategien:

»Die aktuellen Entwicklung zur COVID-19 Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen im Einzelhandel stellen für uns alle eine noch nie dagewesene Situation dar. Um gemeinsam mit unseren Partnern erfolgreich die Krise zu überwinden, haben wir für diese ein umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt. Gleichzeitig braucht es aber jetzt sehr schnelle wirksame Hilfen aus der Politik der jeweiligen Länder, damit der Handel überlebensfähig bleiben kann«, stellt Dieter Holzer, CEO der Marc O’Polo AG, klar. Konkret stoppt das Unternehmen ab sofort die Auslieferung der aktuellen Vororder bis einschließlich 23.04.2020. Dies betrifft primär den April-Liefertermin. Die Auslieferung wird außerdem mit einer verlängerten Valuta versehen. Für bestimmte ausstehenden Verbindlichkeiten stelle man zusätzlich Valuta bereit.

Auch bei Riani will man zum Ausliefern bereite Ware zurückhalten und längere Zahlungsziele gewähren. Ebenfalls arbeite man an einer Umstrukturierung der Liefertermine und reduziere die Kollektionsgröße um den Handel zu entlasten, so Senior Business Development Manager Mona Buckenmaier. Auf den digitalen Kanälen wolle man für die Endkunden jedenfalls erreichbar bleiben und dort bestmöglich für Ablenkung sorgen. Der Betrieb des Online-Shops laufe weiter, B2B-Kunden stelle man aktuelle Marketingmaterialien sowie Produktdaten bereit, damit sie bestmöglich für ihren Online-Auftritt bzw. ihre Kommunikation ausgestattet sind.

Beim Wäscheanbieter Triumph hat man »als Reaktion auf die sich dynamisch entwickelnde Situation am 16.03.2020 eine automatische Liefersperre aller laufenden Aufträge der Marken Triumph und Sloggi veranlasst«, weist allerdings darauf hin, dass »bereits erfolgte Lieferungen nicht retourniert werden können«. Dies würde, so die Geschäftsführung, »erhebliche zusätzliche Kosten für alle Seiten verursachen und könne auch logistisch nicht verarbeitet werden«. Man evaluiere aktuell Valuta-Lösungen für die Herbst-Winter-Ware, um die Liquidität des Handels nicht zusätzlich zu belasten.

Auch bei Street One und Cecil geht man proaktiv auf die eigenen Kunden zu. Die noch nicht ausgelieferte Kollektion 04 (mit Ausnahme der QR/NOS Artikel) wird storniert. Um vor einem zu großen Warenvolumen in den Monaten Juni und Juli zu schützen, werde man von der Vermarktung der Kollektion 07 absehen.

Bei Luisa Cerano wandte man sich mit folgender Mitteilung an die Handelspartner: »Aufgrund der aktuellen Lage möchten wir Sie entlasten und pausieren die Auslieferung der Frühjahr/Sommer 2020 Ware zunächst bis 24. April 2020. Danach bewerten wir die Situation neu. Sollten Sie dennoch für Ihren Onlineshop oder für anderweitigen direkten Kontakt zu Ihren Kunden Ware benötigen, können Sie diese jederzeit bei uns abrufen. Das gilt für die Vororder und für Nachbestellungen. Um Sie auch auf der Liquiditätsseite zu entlasten, bieten wir Ihnen für die ausstehenden Verbindlichkeiten ab Rechnungsdatum 1.März 2020 (Frühjahr/Sommer 2020 Ware) eine zusätzliche Valuta von 60 Tagen an.«

Und auch bei Rich & Royal in Freiberg hat man für seine Handelspartner ein Soforthilfepaket geschnürt. Denis Stupp, Inhaber Rich & Royal: »Partnerschaftlicher Umgang ist die Basis unserer Geschäftsbeziehungen und ein wichtiger Bestandteil unserer Firmenkultur. Wir stoppen ab sofort alle Warenlieferungen der Liefertermine März, April und Mai, sowie der NOS-Artikel. Wir werden die Auslieferung wiederaufnehmen, sobald die Geschäfte wieder öffnen, jedoch verschieben wir aufgrund des Lockdowns unsere Liefertermine nach hinten.« Zur Entlastung habe man darüber hinaus die kostenlose Stornierung der Juni-Kollektion beschlossen. Alle Rechnungen ab 1. März bis Mai 2020 wurden mit einer zusätzlichen 30-Tage-Valuta aufgestockt. Zudem bietet das Unternehmen 10 % zusätzlichen Warentausch.

Bei Bianca werde man vorgeorderte Ware für den Zeitraum der Ladenschließungen zumindest bis 5. April im eigenen Lager belassen. Danach wolle man abhängig von der Situation mit der Auslieferung beginnen. »Zusätzlich gewähren wir auf die entsprechenden Rechnungen dieser Auslieferungen 4 Wochen Valuta. Weiterhin gewähren wir für die ausstehenden Verbindlichkeiten ab Rechnungsdatum 10.03.2020 eine Valuta von 6 Wochen«, so Geschäftsführer Thomas Dankbar. Ziel sei es, eine für beide Seiten angemessene, faire und partnerschaftliche Lösung zu finden. Man bitte deshalb um Verständnis, dass man etwaigen Stornierungswünschen nicht nachkommen könne.

Zu guter Letzt ein Blick nach Wald/Roßbach: Auch der Hosenspezialist Mac stellt seine Lieferungen – sofern vom Handel nicht anders gewünscht – ein. Das NOS-Programm kann weiterhin geordert werden. Zudem prüfe man, inwieweit Teile der bereits platzierten Produktionsaufträge für Frühjahr/Sommer storniert werden können. »Wir werden dann umgehend Stornierungen vornehmen und Sie über weitere Details schnellstmöglich informieren. Im Moment müssen wir jetzt alle zusammenhalten und versuchen, das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen«, so eine Mitteilung des Unternehmens an die Handelspartner.

Beim Modeverband GermanFashion warnt man indes den Handel davor, Stornierungen als die Lösung des Problems anzusehen. »Die Forderungen nach generellen Stornierungen sind nicht realistisch und nutzen mittelfristig niemanden«, sagt Gerd Oliver Seidensticker, Präsident von GermanFashion und Inhaber des gleichnamigen Bekleidungsunternehmens. »So wird das Problem nur ein Glied in der Kette weitgereicht, was im schlimmsten Falle langjährige gute Geschäftsbeziehungen in Gefahr bringen kann.« Das Problem könne nur gemeinsam in Angriff genommen werden: »Es wird ein Ende der Krise geben und wir müssen uns bereits heute Gedanken dazu machen, wie wir dann, vermutlich schon zum Sommer 2020, wieder geordnet starten können.«

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