Corona-Krise: Handelsverband warnt vor 6.000 ...
Corona-Krise

Handelsverband warnt vor 6.000 Geschäftsschließungen

Picturedesk

Corona befeuert den Strukturwandel im Einzelhandel. Der Handelsverband befürchtet eine Verödung der Innenstädte und lädt zu einem »Dialog gegen das Händlersterben«. Auch die EU-Fördertöpfe müssten voll ausgeschöpft werden. EU-Beihilfenrahmen ausschöpfen »Einzelhandel ist kein Corona-Hotspot« Dialog gegen das Händlersterben

Bereits vor der jüngsten Verschärfung der Coronakrise in Österreich erwarteten 85 % der heimischen Händler einen massiven Umsatzverlust im heurigen Jahr. Im Schnitt wird von einem 32-prozentigen Minus ausgegangen. »Der Handelsverband befürchtet vor diesem Hintergrund ein Corona-bedingtes Händlersterben historischen Ausmaßes: Bis zu 6.000 Geschäften droht hierzulande die Schließung«, warnt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.
»Corona befeuert den Strukturwandel im Einzelhandel«, ergänzt Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch. Dass stationäre Händler nun verstärkt auf Online-Shops setzen, sei zwar positiv, doch auch dadurch könnten nur Teile der entgangenen Umsätze aufgefangen werden. »Die Digitalisierung verändert das Gefüge der Handelsbranche nachhaltig. Das wird zweifellos zu einer Verödung von Stadt- und Ortskernen führen.«

Jeder Dritte spürt negative finanzielle Auswirkungen

Laut der neuesten Consumer Check-Umfrage von Handelsverband und Mindtake Research erlebt bereits ein Drittel der österreichischen Bevölkerung am eigenen Leib heftige finanzielle Auswirkungen durch Corona im persönlichen Alltag. »Die rapide angestiegene Sparquote von 8,3 % auf 13,4 % alleine im Jahr 2020 ist stiller Zeuge dieser Entwicklung«, so Handelssprecher Rainer Will, der »hunderttausende Arbeitsplätze gefährdet« sieht.»Den von Umsatzeinbrüchen betroffenen Handelsunternehmen muss schnellstmöglich geholfen werden. Die Europäische Kommission hat erst kürzlich einen befristeten Rahmen für staatliche Beihilfen in der Coronakrise veröffentlicht, der jetzt im Sinne der heimischen Wirtschaft bestmöglich ausgenützt werden muss«, fordert der Handelsverband. Notleidenden Unternehmen könnten damit deutlich höhere Summen zur Verfügung gestellt werden als durch den bisher diskutierten Fixkostenzuschuss II. Neben dem Fixkostenzuschuss sind nämlich gemäß der EU-Beihilfenregelungen auch Zuschüssen für Verluste bis zu 3 Mio. Euro (»Verlustausgleich«) möglich. Darüber hinaus könnten zur Kompensation von Schäden in besonders hart betroffenen Sektoren pro Unternehmen 3 Mio. Euro gewährt werden.Der bevorstehende »sanfte Lockdown« in Deutschland sorgt auch in der österreichischen Händlerschaft für zunehmende Verunsicherung. Sollten in Österreich ähnlich weitreichende Maßnahmen kommen, muss auch hierzulande der Handel von den Zutrittsbeschränkungen ausgenommen bleiben. »Der Einzelhandel war und ist kein Corona-Hotspot. Das Einkaufen ist aufgrund der strikten Einhaltung der Hygienemaßnahmen absolut sicher und darf daher keinesfalls erneut von Betretungsverboten erfasst werden. Das würde jeder Logik und Grundlage entbehren«, meint Rainer Will.
Doch selbst wenn die Handelsgeschäfte in Österreich weiterhin offen bleiben dürften, stünden diesen starke Frequenz- und Umsatzrückgänge bevor. Diese Verluste könnten durch das erwähnte Drei-Säulen-Beihilfenmodell zumindest teilweise ausgeglichen werden, betont Will.Um die Perspektive der ländlichen Regionen und insbesondere der angeschlagenen Ortskerne, die von einem Händlersterben akut betroffen sind, aktiv zu gestalten, will der Handelsverband einen runden Tisch ins Leben rufen: Alle Stakeholder – von der Politik über den Handel, vom Stadtmarketing bis zu den Immobilienentwicklern – sollen vernetzt werden, um gemeinsame Lösungen zu diskutieren und an Modellregionen weiterzuarbeiten. Das Konzept dazu befindet sich in Ausarbeitung.
stats