Black Friday: Schwarzer Freitag für den stati...
Black Friday

Schwarzer Freitag für den stationären Handel

Brandon Bell/AFP Getty /picturedesk.com

Am vergangenen Wochenende war es wieder einmal soweit: Weltweit wurde zur Jagd auf Schnäppchen geblasen. Allerdings formiert sich auch immer mehr Widerstand gegen die konzertierte Rabattschlacht.

In den USA ist der Black Friday traditionell einer der größten Einkaufstage des Jahres. Er findet immer am letzten November-Freitag – unmittelbar nach Thanksgiving, einem der wichtigsten Familienfeste im Kalender – statt und läutet das alljährliche Weihnachtsshopping ein. Corona zum Trotz erlebten aber ausgerechnet die Online-Händler einen Einbruch: So wurde in den USA heuer weniger Umsätze als im Netz gemacht und das stetige Wachstum der vergangenen Jahre gestoppt. Stattdessen kehrten die Amerikaner wieder vermehrt in die Ladengeschäfte zurück.

Auch in Europa hat sich der Schwarze Freitag  zum beliebten Einkaufstag entwickelt. So schätzt der Handelsverband Deutschland, dass unsere Nachbarn hier rund 5 Milliarden Euro ausgeben und den Black Friday zum umsatzstärksten Tag des Jahres machen werden. Die Wermutstropfen mehren sich jedoch: Hierzulande machte der Lockdown vielen Händlern und Schnäppchenjägern einen Strich durch die Rechnung. Dazu kommen die anhaltenden Lieferengpässe. Etliche Wünsche im Bereich Elektronik oder Spielwaren etwa wird das Christkind heuer wohl nicht oder nur auf Gutschein erfüllen können. Das übrige tun Inflation und Beschaffungskosten der Händler. Insgesamt muss wohl mit höheren Kosten gerechnet werden.

Ergänzt wurde der Black Friday vor einiger Zeit durch den Cyber Monday, quasi dem kleinen Online-Bruder des etablierten Shopping-Feiertags. Hier lauern aber noch weitere Gefahren. So warnt Kaspersky, führender Anbieter von Sicherheitssoftware, vor Betrügereien im virtuellen Zahlungsverkehr. Diese seien um 208 Prozent gestiegen. Die Anzahl der als E-Payment-Systeme getarnten Phishing-Angriffe habe sich von September bis Oktober 2021 weltweit mehr als verdoppelt. Die Experten von Kaspersky haben bereits in den ersten zehn Monaten dieses Jahres weltweit mehr als 40 Millionen Phishing-Angriffe auf Nutzer von E-Commerce- und E-Shopping-Plattformen sowie auf Bankinstitute identifiziert. Rund um den Black Friday sind die Angriffe jedoch sprunghaft angestiegen.

Damit jedoch nicht genug. In den vergangenen Jahren ist der Black Friday zunehmend in die Kritik geraten. Er sei wenig nachhaltig, voller fragwürdiger bis unseriöser Angebote und würde die Händler unter starken Druck setzen, so die Vorwürfe. Dass der mittlerweile zweite Corona-Black Friday auch eine veritable Virenschleuder sei, käme da noch hinzu. Eine Umfrage des Amsterdamer Marktforschungsbüros Motivaction ergab, dass 41 Prozent der niederländischen Konsumenten es aufgrund des massiven Andrangs in den Läden vorziehen würden, wenn diese am Black Friday geschlossen blieben.

Mittlerweile tun einige Geschäfte auch genau das, beispielsweise die schwedische Outdoor-Marke Haglöfs und die Schweizer Surfmarke Oy. Von Seiten der Unternehmen heißt es, man wolle so den »ungesunden Massenkonsum« bekämpfen. „Wir schließen unsere Läden, wo wir können, und gehen stattdessen nach draußen«, so Fredrik Ohlsson, Geschäftsführer von Haglöfs. »Wir wollen dem aggressivsten Verkaufstag des Jahres keine Aufmerksamkeit schenken«. Auch der Taschenhersteller Freitag schließt an diesem Tag seinen Online-Store und leitet alle Besucher seiner Seite auf die eigene Taschentauschbörse S.W.A.P. (Shopping Without Any Payment) weiter. Hier können Freitag-Kunden nach dem Tinder-Prinzip ihre langlebigen Unikate untereinander tauschen.

Viele Labels starten stattdessen Spendenaktionen, etwa den Green Friday, die nur für nachhaltige Produkte Rabatte geben und sich stattdessen verpflichten, über Trees for All Bäume zu pflanzen. Hier zeigen sich jedoch gewaltige regionale Unterschiede. Der Sporthändler Decathlon etwa organisiert eine sportliche Challenge in den Niederlanden, um Geld für das Baumprojekt zu sammeln. In Belgien setzt das Unternehmen auf Wiederverwendung und Recycling. Am Wochenende rund um den Black Friday können Kunden bei Decathlon alte Sportartikel abgeben und dafür Treuepunkte erhalten. Das italienische Streetwear Label Anti-Do-To ruft überhaupt zum Boykott auf und kündigte statt eines Sales an, 100 Prozent seines Netto-Gewinns während des schwarzen Wochenendes an den Ha’ramba Skatepark im Gazastreifen zu spenden.

In Deutschland hingegen spricht man mit günstigen Angeboten nach wie vor die klassischen Black Friday-Shopper an. Etwa H&M, die in Deutschland kostenlosen Versand und Rabatte bieten, in den Niederlanden aber komplett auf den umsatzträchtigen Freitag verzichten.

Schwarzer Tag für Nachhaltigkeit

Auch abseits des Handels wird der Black Friday kritisch gesehen: »Wir kaufen mehr, zahlen weniger und nutzen Produkte immer kürzer. Der Black Friday ist zum Symbol dieses Konsumwahnsinns geworden«, analysiert etwa Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Das würde Missstände wie schlechte Arbeitsbedingungen und Löhne entlang der Wertschöpfungskette sowie ein zunehmendes Müllproblem weiter befeuern. »Konsumenten sollten daher bewusst einkaufen und auf Langlebigkeit und faire Produktion setzen, anstatt sich von künstlich erzeugtem Kaufdruck blenden zu lassen«, so Kirner. Besonders die in Hinblick auf die Rabatte kalkulierten Preise seien verantwortlich dafür, dass in den Produktionsländern kaum faire Löhne ausbezahlt würden.

Eine Lösung wäre ein europäisches Lieferkettengesetz: »Es wird wirklich spannend, denn auf EU-Ebene stehen derzeit Entscheidungen an, und bereits in den kommenden Wochen soll ein Entwurf für ein europäisches Lieferkettengesetz veröffentlicht werden.“ Auf Länderebene ist Nachbar Deutschland schon einen Schritt weiter und nimmt Unternehmen durch gesetzliche Regelungen mittlerweile stärker in die Pflicht. »Wir fordern daher auch die Abgeordneten der Österreichischen Regierung auf, in Österreich aber auch in den Verhandlungen auf EU-Ebene für ein klar ausformuliertes und auch sanktionierbares Lieferkettengesetz einzutreten.“

stats