Hygienemaßnahmen: 99,9 Prozent sind nicht 99...
Hygienemaßnahmen

99,9 Prozent sind nicht 99,999 Prozent

Hagleitner
Gottfried Fritz Berger, Prokurist und Direktvertriebschef beim Salzburger Hygiene-Spezialisten Hagleitner
Gottfried Fritz Berger, Prokurist und Direktvertriebschef beim Salzburger Hygiene-Spezialisten Hagleitner

Hygienestationen werden zur dauerhaften Einrichtung im Handel, glaubt der Salzburger Hygiene-Spezialist Hagleitner. Händedesinfektion sollte bereits am Eingang gewährleistet werden.

Mundschutz oder Desinfektionsmittel vermutete man bis dato nur im Gesundheitsbereich. Nach fast drei Monaten Corona ist der Virenschutz mittlerweile in allen Lebensbereichen eine Selbstverständlichkeit – auch und gerade im Handel. Die Masken werden wir zwar in wenigen Tagen zumindest beim Einkaufen ablegen dürfen, Desinfektion wird aber wohl noch eine Weile Routine bleiben. Die Experten des Salzburger Hygiene-Spezialisten Hagleitner, Prokurist und Direktvertriebschef Gottfried Fritz Berger sowie Chemikerin und Desinfektionsverantwortliche Kerstin Heine, rechnen damit, dass wir auch im Nicht-Lebensmittelbereich mit einem neuen Standard rechnen dürfen.

Wie groß ist die Steigerung bei der Nachfrage nach Desinfektionsmitteln durch den Handel?

Gottfried Berger: Im Zeitraum von Februar bis April 2020 hat sich die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln durch den Handel bei Hagleitner verachtfacht. Konkret verzeichnet das Unternehmen in diesem Bereich zehn Mal mehr Bedarf nach Händedesinfektion und drei Mal mehr nach Oberflächendesinfektion.

Ist Österreich bereits flächendeckend mit Desinfektionsmitteln versorgt?

Berger: Nein. Zumindest sind nicht alle Produkte auf dem Markt auch hinreichend zertifiziert, als Standard gilt die Biozidverordnung der Europäischen Union. Das Wissen um die Wirksamkeit der Produkte fehlt nämlich weitgehend. 99,9 % Desinfektionswirkung ist nicht gleichbedeutend mit 99,999 %. Von 100.000 Bakterien zum Beispiel darf nach der Desinfektion nur ein einziges übrig bleiben, erst dann ist die Voraussetzung für ein einschlägiges Gutachten erfüllt. 99,9 % dagegen bedeutet: Von 100.000 Bakterien bleiben 100 übrig. Auch hiermit werben Anbieter, obwohl ein solches Produkt nicht den gängigen Qualitätsanforderungen entspricht. Die Desinfektionswirkung muss also 99,999 % ausmachen, nur dann wirkt ein Mittel zuverlässig.

Wie sieht der Bedarf bei vormals eher »unproblematischen« Branchen wie dem Textilhandel aus?

Berger: Auch hier hat sich von Februar bis April 2020 der Bedarf nach Händedesinfektion verzehnfacht, jener nach Oberflächendesinfektion verdreifacht. Zur Händedesinfektion wünschen sich Textilhändler freistehende Spender, im Idealfall geben diese das Mittel auch berührungslos ab. Die Produkte zur Oberflächendesinfektion sollten gebrauchsfertig sein und sich universell einsetzen lassen.

Wie lauten Ihre Empfehlungen für diese Händler?

Kerstin Heine: Händedesinfektion sollte bereits am Eingang gewährleistet werden. Gleiches gilt allgemein vor sensiblen Bereichen, wie vor dem Aufenthaltsraum der Angestellten. So entsteht jeweils eine klare Trennung zwischen Rein und Unrein. Betrachtenswert ist aber nicht nur die Händedesinfektion, denn SARS-CoV-2 überträgt sich beispielsweise auch über Gläser, Besteck und Textilien. Entsprechend schützen können desinfizierende Geschirrspültabs und desinfizierendes Waschpulver. Hagleitner bietet beides für Wassertemperaturen ab 40 Grad Celsius an. Außerdem ist es wichtig, gemeinschaftlich genutzte Oberflächen zu desinfizieren. Idealerweise erledigen das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehrfach täglich zwischendurch selbst. Das Oberflächendesinfektionsmittel sollte sowohl materialschonend als auch dermatologisch geprüft sein. Schaum lässt sich dabei besonders gezielt einsetzen, etwa auf Türklinken. Als sensibel erweist sich auch der WC-Bereich. Bitte achten Sie hier besonders auf die WC-Brille, die Spültaste sowie die WC-Bürste.

Werden Spender mit Desinfektionsmitteln zu Dauereinrichtungen im Handel werden?

Berger: Davon ist aus heutiger Sicht auszugehen. Der Handel befasst sich intensiv mit sogenannten »Hygienestationen« für Konsumentinnen und Konsumenten. Hier können sowohl die Hände als auch Einkaufswägen desinfiziert werden. Einige Geschäfte haben auch bereits entsprechende Maßnahmen umgesetzt und sind bereit, langfristig zu investieren.

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