Kommentar: Shopping statt Schifahren
Kommentar

Shopping statt Schifahren

Sabine Klimpt

Die zweite Welle ist noch nicht abgeklungen, die dritte ist schon im Anmarsch. Dazwischen gönnt die Politik dem Handel ein wenig Freiheit zur allerwichtigsten Zeit. Nützen wir sie!

Im Frühjahr war der Lockdown für viele Österreicher ein halber Urlaub. Die Sonne schien, die Tage waren lang, Corona war zwar als Drohbild vorhanden, aber persönlich noch kaum wer von der gefürchteten Krankheit betroffen. Nun im Winter sieht das anders aus. Obwohl die Toten jetzt real sind – täglich sind es mehr als hundert – ist die Corona-Müdigkeit groß. Die einen zerreißen sich zwischen Home-Schooling und Home-Office, den anderen ist schlicht und einfach fad. Beide haben eines gemeinsam: Sie sehnen sich nach Urlaub, nach Schifahren, nach einem Restaurantbesuch mit Freunden, nach Abwechslung.

Und der Handel? Der will endlich wieder handeln. Der Umsatzersatz von 60 % ist toll – zumindest für jene kleineren Betriebe, die nicht vom 800.000-Euro-Deckel betroffen sind – aber sein Job ist es eigentlich, die Kunden zu bedienen und nicht da zu sitzen und Förderungen entgegenzunehmen.  

Statt Lockdown Hard gilt ab Montag wieder Lockdown Soft. Urlaub, Schifahren und Essen gehen sind nach wie vor kein Thema. Ein wenig Urlaub von Corona kann also nur der Handel anbieten. Eine schwierige Gratwanderung angesichts von Masken und Hygieneregeln. Zumindest im Verkaufsgespräch sollte man das »C-Wort« aber zum Tabu erklären. Ein Plus: Das Geld bei den Kunden sollte mangels anderer Ausgabemöglichkeiten vorhanden sein.

Historiker haben’s leicht: Klüger wäre gewesen, die Politik hätte den Handel gemeinsam mit Gastronomie und Hotellerie gleich am 3. November in den Lockdown geschickt, dafür aber wieder früher aufgesperrt. Die Fallzahlen wären nie so hoch geworden, und der Handel hätte sein Weihnachtsgeschäft gehabt. So konnten die Online-Giganten rund um den Black Friday profitieren wie nie zuvor. Die Österreichische Post meldet für 30. November sowie 1. und 2. Dezember ein Transportvolumen von jeweils mehr als 1 Mio. Paketen täglich. Der Spitzenwert in der Weihnachtssaison 2019 lag bei 765.000 Paketen. Ein großer Teil des Geschäfts ist also verloren. Dafür gab es auch den staatlichen Umsatzersatz (der übrigens bis spätestens 15. Dezember beantragt werden muss!).

Jetzt geht es darum, zu retten, was zu retten ist. Dass die Fallzahlen nach den weihnachtlichen Lockerungen wieder steigen werden, ist auch der Politik bewusst. Wer Bundeskanzler Sebastian Kurz in seinen gestrigen Interviews zugehört hat, weiß, dass ein dritter Lockdown im Februar bereits im Raum steht. Man sollte die Feste also feiern, wie sie fallen!

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