Fasermarkt: Lenzing sieht Talsohle durchschri...
Fasermarkt

Lenzing sieht Talsohle durchschritten

Die Coronakrise hat dem heimischen Faserhersteller Lenzing im ersten Halbjahr einen Verlust beschert. Der Umsatz brach um ein Viertel auf 810 Mio. € ein.

Das Periodenergebnis belief sich auf - 14,4 Mio. € nach einem Plus von 76,8 Mio. im Vorjahreshalbjahr. Die Talsohle dürfte für heuer aber bereits durchschritten sein, gab sich CEO Stefan Doboczky bei der Halbjahres-Pressekonferenz verhalten optimistisch. Mit »Marktentwicklungen, wie wir sie noch nie gesehen haben« sei das zweite Vierteljahr »das schwierigste Quartal« gewesen, so der Lenzing-Chef. »Die COVID-19-Krise beeinflusst die gesamte Textil- und Bekleidungsindustrie und erhöhte den Preis- und Mengendruck auf den Weltfasermarkt weiter«, so Doboczky. Strategisch sei man aber »weiter voll auf Kurs«.
Vor allem bei Standardfasern habe man einen Preis- sowie einen Mengenrückgang verzeichnet, während Spezialfasern trotz eines Preisrückgangs ihren relativen Aufschlag gegenüber Standardfasern weitgehend beibehalten hätten können, so der Finanzchef Thomas Obendrauf.

Boom bei Vliesfasern

Erstmals übertraf der Umsatz im Hygienebereich den Umsatz im Textilbereich. »Das haben wir vorher noch nicht gesehen«, sagte der Lenzing-CEO. Vliesfasern hätten im zweiten Quartal im Zuge der Coronakrise mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes ausgemacht. Die Fasern werden hauptsächlich für Hygieneartikel wie Gesichtsmasken, Wischtücher, feuchtes Toilettenpapier oder Tücher für Babypflege verwendet. Nach den Panikkäufen von Hygieneprodukten zu Beginn der Coronakrise normalisiere sich die Nachfrage mittlerweile wieder. Im Zuge der Coronakrise hat Lenzing auch mit dem Wäschekonzern Palmers das Joint Venture Hygiene Austria gegründet. Dieses kann aktuell 12 Millionen Masken pro Monat produzieren.
Für die kommenden beiden Quartale sollte es beim Umsatz und auch auf operativer Seite aber wieder etwas bergauf gehen, zeigte sich der Lenzing-CEO vorsichtig zuversichtlich. Mit einer »dramatischen Verbesserung« rechnet er aber nicht. »Die Krise wird uns noch länger weiter verfolgen«, so Doboczky. Die Sicht für die weiteren Monate sei weiterhin sehr eingeschränkt. Um die Kosten weiter zu senken, seien neben der Kurzarbeit auch Initiativen und Projekte, die konzernexterne Berater benötigen, hintangestellt worden, um Beraterkosten zu sparen. Darüber hinaus sei man bei der Lieferung von Rohmaterialien »höchst erfolgreich« und wolle Lieferverträge neu verhandeln.

Bauprojekte im Plan

Gut laufe es indessen bei den beiden Großprojekten in Thailand und Brasilien. Sowohl bei dem Bau des Zellstoffwerks in Brasilien als auch bei der Lyocellfaseranlage in Thailand gebe es keine Verzögerungen. »Beide Projekte gehen trotz der Herausforderungen rund um Covid-19 gut voran« und seien auch im Rahmen des dafür geplanten Budgets, so der Lenzing-Chef. Als Produktionsstart für die Lyocell-Anlage in Thailand wird das zweite Halbjahr 2021 anvisiert, das Zellstoffwerk in Brasilien soll in der ersten Jahreshälfte 2022 in Betrieb genommen werden.

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