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Wolford geht in Offensive

In den letzten Jahren war man bei Wolford ganz darauf konzentriert, die Verluste einzudämmen und die Eigentümerfrage zu klären. Nun will man gestärkt neu durchstarten.

So entspannt wie bei der Bilanzpressekonferenz hat man das Vorstandsduo bestehend aus Axel Dreher, CEO, und Brigitte Kurz, CFO, schon lange nicht gesehen. Dabei waren es keineswegs so glänzende Zahlen, die dort präsentiert wurden. Aber Bilanzen bilden eben die Vergangenheit ab und nicht die Zukunft. Und seit dem Bilanzstichtag, dem 30. April, ist bei Wolford schon wieder vieles passiert. Allem voran: Durch eine Kapitalerhöhung flossen ganze 22 Mio. Euro auf die Konten des Vorarlberger – wie es neuerdings heißt – »Skinwear«-Konzerns. Der neue chinesische Hauptaktionär Fosun hält nun 58 % der Wolford-Aktien, der deutsche Dotcom-Millionär Ralph Bartel hat seine Anteile auf 30 % erhöht. »Wir haben jetzt zwei starke, langfristig orientierte Kernaktionäre, die an die Marke und an unsere Strategie glauben«, berichtet Axel Dreher sichtlich erleichtert. »Jetzt haben wir die finanziellen Mittel, jetzt werden wir durchstarten. Wir sind bereit!«

Bilanz 2017/18

Die Bilanz 2017/18 ist noch ganz von den Restrukturierungsbemühungen geprägt. Der Umsatz ging abermals um 3,4 % auf 149,1 Mio. Euro zurück (währungsbereinigt: -1,4 %). Positive Zahlen gab es u. a. in Österreich (+2,7 %) sowie in Osteuropa (+32,3 %). Trotz Verbesserungen im Ergebnis blieb der Konzern aber klar in der Verlustzone. Das negative operative Ergebnis EBITDA verbesserte sich um gut ein Viertel auf - 2,47 Mio. Euro. Das Ergebnis nach Steuern kam bei - 11,5 Mio. Euro zu liegen (2016/17: -17,88 Mio. Euro). Erfreulich: Der Cash Flow ist erstmals seit fünf Jahren wieder positiv (+ 3,2 Mio. Euro). »Wir haben die Ärmel ordentlich hochgekrempelt und alle Prozesse durchleuchtet«, berichtet Finanzvorständin Kurz. In Verwaltung und Logistik wurde der Personalstand durch die Straffung von Prozessen teilweise um bis zu 50 % gesenkt – und der Output trotzdem verbessert, so Kurz. Auch durch bessere Einsatzplanung in den Boutiquen wurden die Personalkosten so in Summe um mehr als 6 Mio. Euro gesenkt. Die Vorratsbestände wurden um über 20 % reduziert – »und das ohne große Abverkäufe, sondern durch bessere Bedarfsplanung«. Die Restrukturierung sei nun »in den Kernbereichen abgeschlossen«.

Zukunftschance Asien

Die Zukunft sieht Wolford dank des neuen Haupteigentümers klar in Asien: Derzeit stehen Asien und Ozeanien gemeinsam für lediglich 5 % des Konzernumsatzes. Mit Fosun im Rücken soll dieser Anteil in drei bis vier Jahren auf 25 bis 30 % wachsen. »Dieser Markt hat viel mehr Potenzial, den können wir künftig ganz anders adressieren«, sagt Dreher. Mit einem Assetvolumen von 80 Mrd. US-Dollar ist Fosun die größte in Privatbesitz befindliche Unternehmensgruppe in China. Der Mischkonzern investiert gezielt weltweit in hochwertige Marken, die die wachsende chinesische Mittelschicht ansprechen. Laut Studien könnten bis 2025 rund 44 % aller Ausgaben für Luxusgüter von Chinesen getätigt werden – und genau hier sieht Wolford seine Stunde gekommen. »Für uns eröffnet sich durch Fosun eine ganz neue, hochinteressante Welt. Wir bekommen Zugang zu einem exzellenten Netzwerk aus Agenturen, Influencern, Schauspielern in ganz Asien.« Nicht nur in China, auch in Märkte wie Japan und Thailand setzt man große Hoffnungen: »Japan ist einer der größten Strumpfmärkte der Welt«, berichtet Dreher. Der Produktionsstandort Vorarlberg werde von den neuen Eigentümern klar als Asset gesehen: »Vorarlberg ist ein Silicon Valley der Textilindustrie«, so der Vorstand. »Fosun ist überzeugt von unserer Produktionsqualität und schätzt unser Know-How.«

Zielgruppe Millennials

Strategisch zumindest ebenso wichtig ist die Verjüngung der Marke. In Marktkommunikation und Bildsprache fokussiert man nun klar auf Millennials. »Früher war Wolford Grace Jones auf der Spanischen Treppe, Crazy Horse, Helmut Newton«, erinnert sich Dreher. »Wolford hat sich etwas getraut, Geschichten erzählt. Da wollen wir wieder hin!« Auch die Shops werden modernisiert und digitalisiert: »Wir werden uns ab September sukzessive von den Mannequins verabschieden«, kündigt der CEO an. »Wir setzen stattdessen auf Screens«. Gezeigt werden dort u. a. aktuelle Kampagnen-Videos und Eindrücke aus Produktion und Kreation. In der Produktwelt will der Traditionsbetrieb wieder für kontinuierliche Innovation stehen. »Wolford hat eine Innovationsgeschichte. Da kommen wir her«, sagt Vorständin Kurz. Dazu gehört der Ausbau der umweltfreundlichen Produktpalette. So wird mit September die nach eigenen Angaben weltweit erste biologisch abbaubare Kollektion mit Cradle-To-Cradle-Zertifikat in Gold gelauncht. Sie besteht aus Leggings und Pullover, Anfang nächsten Jahres kommen Shirts und Tops hinzu.

Ein weiteres Beispiel für Innovation und gleichzeitiger Markenverjüngung: die Tattoo Tights. Diese mit Tattoo-Designs versehenen Strumpfhosen sollen im Herbst mit Pop-Up-Flächen in Top-Käufhäusern (u. a. Galeries Lafayette, KaDeWe, Steffl) europaweit gelauncht werden. Bei aller Wichtigkeit von Innnovationen: Heute ist Wolford klar ein Basic-Anbieter. 70 % des Umsatzes stammen aus dem NOS-Programm. Gut die Hälfte entfällt auf Legwear, fast ein Drittel auf Ready-to-wear, 15 % auf Lingerie. Ein weiterer Schwerpunkt der Wachstumsstrategie liegt wenig überraschend im Online-Business. Dort ist man schon in den letzten beiden Jahren kumuliert um mehr als 70 % gewachsen. Der E-Commerce ist heute für einen Umsatzanteil von 11 % verantwortlich. In drei bis vier Jahren sieht Dreher die entsprechende Kennzahl bei 20 bis 25 % liegen. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Wolford mit einem positiven operativen Ergebnis. Auf einen Zeitpunkt, wann auch unterm Strich wieder ein Gewinn stehen soll, will sich der Vorstand noch nicht festlegen.

Von: Manuel Friedl