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Lenzing tut sich wieder schwerer

2018 war für Lenzing ein herausforderndes Jahr, doch die Ergebnisse können sich mehr als zeigen lassen.

»2017 waren alle Sterne richtig ausgerichtet.« 2018 sei das nicht mehr der Fall gewesen: So fasste Lenzing-Vorstandschef Stefan Doboczky die Rahmenbedingungen am internationalen Fasermarkt zusammen. Umso zufriedener ist er mit der Leistung des Weltkonzerns mit Sitz im oberösterreichischen Lenzing: »Dass wir in diesem herausfordernden Marktumfeld immerhin das viertbeste Jahr unserer Geschichte hatten, war die größere Leistung als die Rekordzahlen aus 2017.«

Die wichtigsten Zahlen: Der Umsatz ging im Vorjahresvergleich um 3,7 % auf 2,18 Mrd. € zurück. Das Betriebsergebnis EBITDA brach um ein Viertel auf 382 Mio. € ein. Der Jahresüberschuss halbierte sich nahezu auf immer noch mehr als solide 148,2 Mio. €.

Herausforderungen am Viskose-Markt

Während sich die Preise für Baumwolle und Polyester in den letzten zwei Jahren halbwegs stabil zeigten, lagen jene für Standardviskose im Jahr 2018 um durchschnittlich 8 % tiefer als im Jahr davor. »Zu Jahresbeginn 2019 gab es noch einmal ein Minus von 10 %«, weist Doboczky darauf hin, dass sich die Bedingungen für Lenzing heuer keineswegs verbessern. Grund für den Preisverfall sind vor allem große zusätzliche Kapazitäten, die neu auf den Weltmarkt kommen und ein bereits bestehendes Überangebot noch einmal verstärken. Dazu kam noch ein Preisanstieg beim wichtigen Rohstoff Natronlauge, den Energiepreisen und natürlich stiegen auch die Personalkosten.

»Das Spezialfasergeschäft verläuft dagegen sehr zufriedenstellend«, sagt Doboczky. Um weniger anfällig für die beschriebenen starken Preisschwankungen am Markt für Standardviskose zu sein, ist es ja seit Jahren Konzernstrategie, den Anteil von Fasern unter Marken wie Tencel und Veocel am Konzernumsatz zu steigern. Mit Erfolg: Auch innerhalb des letzten Jahres wurde der Anteil der Spezialfasern am Produktmix von 41,8 auf 45,5 % deutlich gesteigert. Kunden sind u. a. H&M, Inditex, Esprit, Bestseller, Mango und Joop!. Mit zur Steigerung beigetragen hat auch die neue Markenarchitektur, die im Vorjahr präsentiert wurde und laut Doboczky »sehr, sehr erfolgreich« angelaufen ist. Mit dieser neuen Markenwelt will sich Lenzing auch gegenüber den Endkunden verstärkt als Innovationsführer für nachhaltige Textilfasern positionieren und so die Nachfrage durch die Industrie erhöhen.

Themen für 2019

Beherrschendes strategisches Thema ist derzeit die zukünftige Ausbaustrategie des Konzerns. Aufgrund der politischen Unwägbarkeiten und Zolldebatten wurde im Vorjahr der bereits begonnene Ausbau des US-Werks in Mobile (Alabama) gestoppt. Aktuell werden nun Bauvorhaben für ein Lyocellwerk in Thailand sowie ein Faserzellstoffwerk in Brasilien geprüft. Entschieden soll in beiden Fällen heuer im zweiten Halbjahr werden. Spektakulär sind vor allem die Pläne in Brasilien. Mit einer Kapazität von 450.0000 Tonnen und einer Investition von 1 Mrd. US-Dollar (gemeinsam mit Joint-Venture-Partner Duratex) wäre es die größte jemals getätigte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. Bereits beschlossen ist die Erweiterung der Produktion der Ecovero-Fasern in China und die Fertigstellung einer zweiten Anlage für Tencel-Luxe-Filamente.

Für 2019 rechnet der Vorstand mit Ergebnissen auf dem Niveau von 2018, trotz nochmals verschärfter Marktbedingungen.

Von: Manuel Friedl