Business

Gerry Weber ist insolvent

Der deutsche Modekonzern Gerry Weber durchläuft nun ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Es soll potenzielle Investoren geben.

Die Gerry Weber International AG hat beim zuständigen Amtsgericht Bielefeld die Anordnung eines vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens mit dem Ziel beantragt, das Unternehmen im Zuge der laufenden Restrukturierung zu sanieren. Das Gericht hat diesem Antrag stattgegeben. Das Verfahren bezieht sich ausschließlich auf die Muttergesellschaft Gerry Weber International AG mit rund 580 Mitarbeitern und nicht auf die operativen Tochtergesellschaften, wird betont. »Nach derzeitigem Stand ist die Finanzierung des Geschäftsbetriebs bis ins Jahr 2020 gesichert«, schreibt das Unternehmen. Der Geschäftsbetrieb werde in vollem Umfang fortgeführt. Auch der derzeitige Vorstand bleibt mit sämtlichen Befugnissen im Amt. Zur Unterstützung wurde der sowohl insolvenzrechtlich als auch in der Modebranche sehr versierte Eigenverwalter und Sanierungsexperte Rechtsanwalt Dr. Christian Gerloff hinzugezogen.

Nachhaltiges Finanzierungskonzept gescheitert

Ausgelöst wurde die Insolvenz durch das Scheitern der Gespräche mit den Finanzierungspartnern. Ende Jänner wären Rückzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe fällig geworden, die Schuldschein-Gläubiger bereits im November gestundet hatten. »Es hat bis zuletzt große Anstrengungen gegeben, das Verfahren abzuwenden«, sagt Vorstandssprecher Johannes Ehling. »Ich bin fest davon überzeugt, dass wir nach erfolgreicher Sanierung aus dem Verfahren wieder in die Erfolgsspur zurückkehren werden. Dafür sind wir mit unserem Kerngeschäftsmodell, unseren starken Marken und vor allem mit unserer hervorragenden Mannschaft bestens positioniert.« Durch das Eigenverwaltungsverfahrens gewinne Gerry Weber »die Freiräume, um die eingeleiteten Maßnahmen der Sanierung mit aller Konsequenz voranzutreiben«, glaubt Chief Restructuring Officer Florian Frank.

Potenzielle Investoren

Am Rande des Düsseldorfer Messegeschehens berichtete Ehling laut der TextilWirtschaft (TW) auch von »ersten Avancen von Investoren«. Mit Wochenbeginn würden konkrete Verhandlungen beginnen, verlautbarte Ehling in einer kurzfristig angesetzten Gesprächsrunde mit wichtigen Wholesale-Partnern. Man werde die Distribution auf ein vernünftiges Maß zurückbringen, undisziplinierten Warendruck von den Partnern nehmen, die Einsteuerungspolitik sehr viel konsequenter auf Ready-to-wear umstellen, beträchtliche Mittel in Kommunikation stecken, um die Marke wieder begehrlich zu machen, und vor allem in die Kollektionen und Produkte investieren, berichtet die TW. »Wir wollen Modern Classic Mainstream sexy mache«, kündigte Ehling an.

Sanierungsmaßnahmen

Im laufenden Eigenverwaltungsverfahren bleiben alle bestehenden Kunden- und Lieferantenbeziehungen sowie die gegenseitigen Verpflichtungen unter Beachtung des Insolvenzrechts bestehen. Parallel dazu wird die Sanierung vorangetrieben. So sollen u. a. rund 230 Verkaufsflächen geschlossen und bis zu 900 Arbeitsplätze abgebaut werden. »Der Vorstand hat ein klares Konzept erarbeitet und verfügt über eine Vision für die Zukunft des Unternehmens. Darüber hinaus verfügen wir nach derzeitigem Stand über hinreichend Liquidität bis in das Jahr 2020, um den laufenden Geschäftsbetrieb voranzutreiben«, sagt Dr. Christian Gerloff, neuer Generalbevollmächtigter der Gerry Weber International AG. Auch Rechtsanwalt Stefan Meyer, vom Gericht als vorläufiger Sachwalter bestellt, äußert sich zuversichtlich: »Anders als in vielen anderen Fällen ist hier schon sehr viel wertvolle Vorarbeit geleistet worden. Es muss nicht erst ein Restrukturierungsprogramm unter zeitlichem Druck erarbeitet werden. Wir können vielmehr sofort weitermachen, die Maßnahmen des Sanierungsgutachtens umzusetzen, so dass ich sehr optimistisch bin, dass wir schnell zu einer guten und belastbaren Lösung kommen werden.«

Aktien abgestürzt

Nicht alle teilen die Zuversicht des Managements. Weitaus vorsichtiger äußern sich etwa Finanzanalysten. Independent Research weist darauf hin, dass die Marken des Unternehmens »nur bedingt wettbewerbsfähig« seien und die Begehrlichkeit unter der Insolvenz noch weiter leiden würde. Ob Ladenschließungen und Entlassungen dem Unternehmen wieder zu einem profitablen Wachstum verhelfen könnten, sei fraglich, schreibt die Privatbank Hauck & Aufhäuser.

Die Anleger haben zuletzt jedenfalls reihenweise ihre Papiere verkauft. Zur Hoch-Zeit im Frühjahr 2014 notierte die Gerry-Weber-Aktie bei fast 40 Euro, am Freitag wurde ein Allzeit-Tief von 43 Cent erreicht. Stand Montag Nachmittag waren es wieder 75 Cent. Die Großaktionärsfamilien Weber und Hardieck haben in den vergangenen zwölf Monaten rechnerisch gemeinsam mehr als 200 Mio. Euro an Vermögen verloren. Das Unternehmen ist derzeit nur noch rund 35 Mio. Euro wert.

Von: Manuel Friedl

Dateien: