Borckenstein vor dem Aus

Borckenstein vor dem Aus

Der oststeirische Garnhersteller Borckenstein ist nach 2016 nun abermals insolvent. Kreditschützer sehen wenig Chance für eine Fortführung.

Der traditionsreichste Spinnereibetrieb Österreichs steht vor dem Aus. Über das Vermögen der Borckenstein GmbH, 1789 gegründet und seit 2013 in Besitz der italienischen Textilunternehmerfamilie Parodi, wurde am 10. Jänner abermals ein Konkursverfahren eröffnet. Borckenstein war bereits im Jahr 2016 insolvent. Damals wurde ein Sanierungsplan mit einer Gesamtquote von 20 % vereinbart. Doch die am 20. Juni 2018 fällige letzte Teilzahlung konnte nicht ordnungsgemäß erfüllt werden. Die Gläubiger stimmten einer Stundung zu, doch auch die vereinbarte Ratenvereinbarung konnte nicht eingehalten werden, berichtet der Gläubigerschutzverband AKV. Damit leben auch die Altforderungen in Höhe von 7,8 Mio. Euro wieder auf.

13 Mio. Euro Überschuldung

Borckenstein geht derzeit insgesamt von Passiva in Höhe von 21,4 Mio. Euro aus, denen Aktiva (zu Liquidationswerten) in Höhe von 8,5 Mio. Euro gegenüberstehen. Letztere sind laut AKV weitgehend mit Pfandrechten belastet. Im Geschäftsjahr 2017 setzte die Garnfabrik fast 24 Mio. Euro um, erwirtschaftete aber einen operativen Jahresverlust in Höhe von 711.500 Euro, berichtet der Kurier. Der kumulierte Bilanzverlust betrug rund 11,6 Mio. Euro. Das negative Eigenkapital wurde mit 10,34 Mio. Euro beziffert und die Verbindlichkeiten mit 13,475 Mio. Euro.

Personalstand halbiert

Im Zuge des Insolvenzverfahrens 2016 wurden umfassende Umstrukturierungen vorgenommen. Die Produktpalette wurde auf Spezialprodukte konzentriert, der Personalstand von 286 Dienstnehmern auf 152 fast halbiert. Aktuell gibt es 124 Beschäftigte. »In den letzten Jahren wurde weiter versucht, durch neue Schwerpunkte in der Produktion und durch die Optimierung von Prozessen wettbewerbsfähig zu bleiben. Schlussendlich zeigte sich jedoch, dass die vorgenommenen Umstrukturierungsmaßnahmen nicht ausreichten, um einen langfristigen wirtschaftlichen Aufschwung zu erreichen«, teilt die Anwaltskanzlei Scherbaum Seebacher mit, die Borckenstein vertritt. »Trotz intensiver Bemühungen des Eigentümers und der neuerlichen Anpassung des Geschäftsmodells für 2018/2019 ist uns die langfristige wirtschaftliche Stabilisierung von Borckenstein leider nicht gelungen«, bedauert Geschäftsführer Dr. Andrea Parodi.

Fortführung zweifelhaft

Aufgrund der eingeschränkten Liquidität befand sich das Unternehmen während der Weihnachtszeit auf Betriebsurlaub, welcher anschließend verlängert wurde. Mit Ende 2018 dürfte laut AKV auch der Energieversorgungsvertrag abgelaufen sein, sodass diesbezüglich neue Verhandlungen aufzunehmen sind. Derzeit besteht kein Produktionsbetrieb. Der Insolvenzverwalter Alexander Isola, Rechtsanwalt in Graz, wird daher vorrangig zu klären haben, ob und unter welchen Bedingungen der Produktionsbetrieb wieder aufzunehmen ist. Es sollen erhebliche Kundenbestellungen vorliegen, berichtet der AKV.

»Ob es zu einer neuerlichen Sanierung kommen kann ist derzeit offen und wird von unserer Seite eher skeptisch beurteilt«, schreiben die Kreditschützer. Etwas zuversichtlicher sind da die Firmenanwälte: »Wir schließen nicht aus, dass das Unternehmen bei positiver Fortsetzung des Betriebes eine nochmalige Sanierung schaffen kann. Dies wird sich in den nächsten Tagen zeigen.«

Borckenstein ist einer der größeren Betriebe im strukturschwachen steirisch-burgenländischen Grenzgebiet.
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