Wiener City : Ringstrassen Galerien sind Gesc...
Wiener City

Ringstrassen Galerien sind Geschichte

BEHF Architects
So in etwa soll der Kärntner-Ring-Hof ab Mitte 2024 aussehen.
So in etwa soll der Kärntner-Ring-Hof ab Mitte 2024 aussehen.

In den letzten Jahren ging es stetig bergab mit dem auf zwei Gebäudekomplexe verteilten Wiener City-Einkaufszentrum Ringstrassen Galerien. Nun zieht einer der beiden Hauseigentümer die Reißleine und steigt aus.

„Der Kärntner-Ring-Hof erhält zukünftig als Solitär neuen Glanz“, teilt die Zürich Versicherung als Eigentümer mit. Der Kärntner-Ring-Hof, das ist die eine Hälfte des zuletzt stark an Mieterflucht leidenden Einkaufszentrums Ringstrassen Galerien in der Wiener City. Die andere Hälfte, das Palais Corso, steht über die Erste Wiener Hotel AG im Eigentum von Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber, der in dem Gebäude auch das Grand Hotel Wien betreibt.

Schon länger stand die Zusammenarbeit zwischen den beiden Immobilieneigentümern unter keinem guten Stern. Mehr noch: Rund um die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse beim Palais Corso wird sogar seit vielen Jahren prozessiert. Relaunch-Pläne für das Einkaufszentrum verliefen im Sand. Auf eine Auszugswelle im Jahr 2019 (u. a. Marc O’Polo, Gloriette) folgte nun, begleitet von der Insolvenz von 4 Jahreszeiten und BR Fashion, eine weitere.

Derzeit packen in dem von der Zürich Versicherung betriebenen Teil des insgesamt 10.000 m2 großen Einkaufszentrums auch die restlichen Mieter ihre Sachen, darunter Interio, Topsy sowie die erwähnten 4 Jahreszeiten und BR Fashion. Ob freiwillig oder nicht, dazu will sich die Versicherung nicht äußern. Giesswein verlegt sein Geschäft in die Brandstätte, ins ehemalige Geschäftslokal des Outdoor-Händlers Northland. Schuhhändler Dominici verweist seine Kunden auf ein kürzlich neu eröffnetes Mini-Geschäft in der Spiegelgasse, die letzte stationäre Niederlassung des längst von der Humanic-Gruppe abgespaltenen Premium-Schuhhändlers.

Details zum Umbau

Beginnend mit Februar soll der Kärntner-Ring-Hof umfassend umgebaut werden. Die Mall wird stillgelegt, „die Ringstrassen Galerien weichen neuen, modernen Retailflächen“, wie es in der Zürich-Mitteilung heißt. „Die Erneuerung umfasst den gesamten Retail-Bereich im Untergeschoß, Erdgeschoß und 1. Stock.“ Die Zugänge zu den einzelnen Geschäftslokalen sind künftig ausschließlich straßenseitig möglich. Im 2. Obergeschoß ist eine Lounge für Büromieter und deren Kundinnen und Kunden geplant. „Gastro- und Retail-Kundinnen und Kunden können sich auf ein neues, zeitgemäßes Einkaufserlebnis in hellen und freundlichen Räumlichkeiten freuen. Sie profitieren künftig von großzügigeren Geschäftsflächen und größeren Schaufenstern zur Ringstraße und Mahlerstraße. Zusammen mit einer neuen Fassadengestaltung ergibt diese bessere Sichtbarkeit nach außen insgesamt ein helleres und freundlicheres Erscheinungsbild“, verspricht Rene Unger, CFO von Zurich.

„Nach 30 Jahren ist es Zeit, den Anforderungen an eine erfolgreiche, moderne City-Immobilie noch besser zu entsprechen. Im Sinne einer behutsamen Modernisierung des Stadtbildes setzen wir mit diesem Projekt im Zentrum Wiens zukunftsorientierte Akzente“, ergänzt Unger. Mitte 2024 sollen die Bauarbeiten beendet sein. Das verantwortliche Planungsbüro ist BEHF Architects.

Zukunft des Palais Corso noch offen

Wie es mit dem im benachbarten Palais Corso beheimateten Teil der Ringstrassen Galerien weitergeht, bleibt offen. Das Mandat des seit 2017 mit dem Centermanagement und den Vermietungsagenden beauftragten Immobiliendienstleisters CBRE ist seit 2022 beendet. Auch die Homepage ringstrassen-galerien.at wurde vom Netz genommen. Weder die Erste Wiener Hotel AG selbst noch die beauftragte Hausverwaltung wollten gegenüber der Textilzeitung eine Stellungnahme abgeben. Fix scheint einstweilen nur, dass der bestehende oberirdische Durchgang mit dem Umbau geschlossen wird.

Hauptmieter im Palais Corso ist Billa. Erst 2021 hatte der Lebensmittelhändler zusätzlich zum bestehenden „Billa Corso“-Markt im Untergeschoß eine Marktküche im Erdgeschoss sowie im 1. Obergeschoß eine Weinbar eröffnet. Entgegen der bisherigen Handschrift als Premium-Mall finden sich seit einiger Zeit auch Geschäfte für den Kurzfristbedarf im Palais Corso, etwa Bipa und Pagro Diskont.
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