RegioPlan-Prognose: Pandemie als Schocktherap...
RegioPlan-Prognose

Pandemie als Schocktherapie für den Handel

RegioPlan
Romina Jenei, Geschäftsführerin von RegioPlan
Romina Jenei, Geschäftsführerin von RegioPlan

RegioPlan erwartet für die nächsten zwei Jahre 5.000 Geschäftsschließungen. Das entspricht einer Reduktion der Handelsfläche um etwa 6 bis 7 %. Vor allem aus Randzonen wird der Handel verschwinden.

Seit sechs Jahren gehen die Verkaufsflächen in Österreich – bedingt durch den Onlinehandel – leicht zurück. In einem »normalen« Jahr gehen deswegen etwa 2 % der Verkaufsfläche verloren, 2020 hat sich allerdings – bedingt durch staatliche Förderungen – dieser Prozess eingebremst: In Summe ist die Verkaufsfläche fast gleich geblieben, berichtet RegioPlan. Und das obwohl vor allem im Fashionbereich mit Umsatzrückgängen von 20 % und mehr ein massiver Rückgang der Verkaufsfläche zu erwarten wäre.


Auch die Insolvenzstatistik zeigt deutliche Rückgänge der Insolvenzfälle im Einzelhandel. »So gesehen verhindern die Staatshilfen derzeit den Strukturwandel – jedoch nur kurzfristig. Spätestens im Jahr 2022 ist aus heutiger Sicht mit einem Nachholeffekt zu rechnen, der die Verkaufsflächen in Österreich innerhalb der nächsten zwei Jahre um 6 bis 7 % reduzieren wird«, sagt Romina Jenei, seit April gemeinsam mit Samantha Riepl Geschäftsführerin von RegioPlan Consulting. »Etwa 5.000 Handelsstandorte werden in diesen beiden Jahren für immer verschwunden sein.«

»Handel erfolgreich, wo das Internet versagt«

Ohne Gegenmaßnahmen würden die Leerstände steigen und eine Abwärtsspirale, wie sie schon jetzt in vielen kleineren Innenstädten zu beobachten ist, setze ein, so Jenei: »Wenn die Konsumenten nicht mehr in die Innenstädte oder Einkaufszentren kommen müssen, weil sie ohnehin alles im Internet kaufen können, muss sich der Handel andere Gründe überlegen, weshalb die Kunden trotzdem kommen sollen.« Der stationäre Handel werde langfristig dort erfolgreich bleiben, wo das Internet weitgehend versagt. »Deswegen können wir verstärkt Betriebstypen erwarten, die Entertainment, Service, Kommunikation, Schulungen, Beratung, Problemlösungen, Imagebildung, Innovationen etc. in den Vordergrund stellen.« Auch Showrooms, Pop-up-Stores, Vermischungen mit Gastronomie, Dienstleistungen und Entertainment werden einen massiven Aufschwung erleben, glaubt Jenei. Dadurch würden sich Innenstädte und Shoppingcenter deutlich verändern: Der Einzelhandel, der den Branchenmix derzeit noch zu knapp 70 % dominiert, werde in fünf Jahren nur mehr weniger als 45 % der Fläche einnehmen, erwartet die Expertin. »Aus der Sicht der Konsumenten zu vielen spannenden neuen und unerwarteten Angeboten kommen.« Fest stehe aber auch, dass die Einkaufszonen generell kleiner werden, weil an den Randzonen die notwendige Passantenfrequenz nicht mehr gegeben ist.

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