Jahresbilanz 2019/20: Pandemie kostet Primark...
Jahresbilanz 2019/20

Pandemie kostet Primark 2 Mrd. Pfund

Picturedesk
Die Primark-Filiale in Edinburg nach dem Ende des Lockdowns Ende Juni 2020
Die Primark-Filiale in Edinburg nach dem Ende des Lockdowns Ende Juni 2020

Primark hat aufgrund der Covid-19-Pandemie 2 Mrd. Pfund Umsatz und 650 Mio. Pfund Profit verloren. Trotzdem bilanziert der britische Textildiskonter profitabel.

Die Bilanz von Primark für das Geschäftsjahr 2019/20 (per 12. September) steht ganz im Zeichen der Covid-19-Pandemie. Das erste Halbjahr verlief mit einem Plus von 4 % noch sehr erfreulich für den Textildiskonter. Am britischen Heimmarkt wurden weitere Marktanteile hinzugewonnen, während sich die Like-for-Like-Performance am europäischen Festland »deutlich verbessert« habe, wie CEO Paul Marchant berichtet. Besonders hervorgehoben werden die Fortschritte am deutschen Markt.
Doch nach der zwangsweisen Schließung aller Stores im März sah es plötzlich ganz anders aus. Wo möglich wurden staatliche Kurzarbeitsprogramme in Anspruch genommen, wo nicht, wurde mit Mitarbeitern über Lohnverzicht verhandelt. Auch Lieferanten und Vermieter leisteten ihren Beitrag, wodurch letztlich 50 % der Kosten eingespart werden konnten. Alle fertiggestellten Waren seien abgenommen und bezahlt worden, berichtet das Unternehmen. Da Primark über keinen Online-Verkauf verfügt, waren die Einnahmen während dieser Periode gleich null.

Zweites Halbjahr besser als erwartet

Nach der Wiedereröffnung sprang das Geschäft schneller als erwartet wieder an, CEO Marchant berichtet von »Warteschlangen vor den meisten unserer Stores«. Wobei sich die Nachfrage den geänderten Lebensumständen angepasst habe: Besonders stark lief Kinder-, Freizeit- und Nachtbekleidung, schwach entwickelten sich formelle Herrenbekleidung und Reisebedarf. Auch Home-Office und der nahezu zum Erliegen kommende Tourismus wirkten sich aus: »Die Umsätze in unseren Stores in Retail Parks sind höher als vor einem Jahr, in Einkaufszentren und regionalen High-Street-Stores sind wir in etwa auf Vorjahresniveau, während wir in den Großstädten, die stark von Touristen und Berufspendlern leben, wenig überraschend einen deutlichen Frequenzrückgang spüren.« Unterm Strich lagen die Umsätze in Kontinentaleuropa zwischen Wiedereröffnung und Bilanzstichtag auf vergleichbarer Basis um 17 % unter dem Vorjahresniveau (UK: - 12 %; USA: - 10 %).
Der Jahresumsatz brach insgesamt um 24 % auf 5,9 Mrd. Pfund (6,4 Mrd. €) ein. Der operative Gewinn ging um zwei Drittel von 969 im Vorjahr auf nunmehr 362 Mio. Pfund (391 Mio. €) zurück, die operative Spanne halbierte sich damit von 12,4 auf 6,1 %.

Erwartungen für 2020/21

Für das neue Geschäftsjahr war man auch bei Primark positiv gestimmt – doch schon jetzt würden wieder neue Beschränkungen die Umsätze beeinträchtigen. Derzeit ist bereits wieder jeder fünfte Store im Portfolio geschlossen, wenn mit 5. November der Lockdown in Großbritannien in Kraft tritt, ist sogar 57 % der Verkaufsfläche betroffen. In anderen Ländern wurden die Öffnungszeiten reduziert. Trotzdem bleibt man vorerst bei der Prognose, wonach man für das neue Geschäftsjahr sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis bessere Zahlen als 2019/20 erwartet.

Expansion verlangsamt

Auch die Expansion wurde durch die Covid-19-Restriktionen verlangsamt. Insgesamt wurden im Geschäftsjahr 2019/20 zwölf neue Stores eröffnet, u. a. der erste am polnischen Markt. Damit erhöhte sich die Zahl der Filialen auf 384. Ein Store wurde geschlossen, sechs Geschäfte verkleinert. Für das neue Geschäftsjahr sind 14 neue Filialen geplant, darunter die erste in Tschechien. In Österreich sind keine weiteren Geschäfte mehr vorgesehen. Derzeit gibt es fünf Filialen hierzulande.

stats