Fussl, C&A, Kastner & Öhler: Keine Lockdowns ...
Fussl, C&A, Kastner & Öhler

Keine Lockdowns mehr!

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»Wir realisieren aufgrund der 2G-Pflicht jetzt nicht die Umsätze, die wir bei unseren laufenden Kosten benötigen würden«, sagte Fussl-Chef Ernst Mayr.
»Wir realisieren aufgrund der 2G-Pflicht jetzt nicht die Umsätze, die wir bei unseren laufenden Kosten benötigen würden«, sagte Fussl-Chef Ernst Mayr.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz kritisierten zahlreiche große Einzelhändler die Lockdown-Politik scharf und forderten außerdem bessere Entschädigungen. Auch die 2G-Regelung sperre ein Viertel der Kunden aus.

Dem Textilhandel haben die Corona-Lockdowns starke Umsatzeinbußen beschert – im Gegenzug wurden rasche Entschädigungen versprochen. Doch diese kommen nicht an, kritisierten führende Modehändler sowie Vertreter anderer Handelsbranchen bei einer virtuellen Pressekonferenz, die vom Handelsverband organisiert wurde. Für den jüngsten Lockdown im November/Dezember 2021 sei aufgrund der Richtlinien für die meisten betroffenen Unternehmen gar kein Ausgleich zu erwarten, wurde kritisiert.

»Die Entschädigungen kommen sehr spärlich, teilweise gar nicht«, sagte Fussl-Modestraße-Geschäftsführer Ernst Mayr. Im ersten Coronajahr sei dem Unternehmen ein Umsatz von knapp 16 Mio. € entgangen, der Umsatzersatz sei aber mit 800.000 € gedeckelt. Beim Fixkostenersatz habe man 2,7 Mio. € beantragt, geflossen sei unter diesem Titel noch gar nichts. »Wir warten immer noch auf die Zahlungen für März/April 2020 und Dezember/Jänner 2020/21. Bekommen haben wir nur das Kurzarbeitsgeld«, so Mayr. Letzteres ist freilich eins zu eins an die Mitarbeiter weitergeflossen.

Für den jüngsten Lockdown erwartet er keinerlei Entschädigung. »Die Formel des Finanzministeriums ist so angelegt worden, dass wir nichts bekommen werden.« Das Kriterium von 30 % Umsatzverlust sei weder im November noch im Dezember erreicht worden – wenn auch nur knapp. Fussl werde die Situation überleben und sei ein sicherer Arbeitgeber, betonte Mayr mehrmals. Es gehe ihm aber um Fairness und darum, dass die Politik ihre Versprechungen auch einlösen müsse.

Kastner & Öhler: »Im Regen stehen gelassen«

Auch Kastner & Öhler werde wohl »nichts bekommen«, so Geschäftsführer Martin Wäg mit Hinweis auf die »Rechenformeln« des Finanzministeriums. Dabei habe der jüngste Lockdown das Unternehmen 8 % des Jahresumsatzes gekostet. »Wie im Vorjahr waren es die allerbesten, allerwichtigsten Wochen im Jahr, die wir nicht für unsere Kunden da sein konnten. Und jetzt werden wir im Regen stehen gelassen. So kann man ein Wirtschaftsunternehmen nicht erhalten.«

Wäg kritisiert dabei die Corona-Politik der Regierung scharf: »Wir wurden zugesperrt, angeblich zum Allgemeinwohl. Dabei hat sich der Handel in den letzten 22 Monaten als einer der sichersten Aufenthaltsorte herausgestellt. Wir tragen Maske, halten Abstand, es gibt keine lange Aufenthaltsdauer. Auch an den Krankenständen unserer Mitarbeiter ist keinerlei bedeutendes Infektionsgeschehen zu sehen. Dieser letzte Lockdown war also sachlich nicht nicht gerechtfertigt. Die Politik muss die Infektionen endlich dort bekämpfen, wo sie entstehen. Das ist ein unerträglicher Zustand, den wir als Handel nicht mehr akzeptieren wollen.«

C&A: »In anderen Ländern deutlich schneller«

Auch C&A warte immer noch auf das Geld zum Fixkostenzuschuss I für letztes Frühjahr, so Geschäftsführer Norbert Scheele. »In anderen Ländern geht das deutlich schneller, dort fließen die Gelder«, kritisierte Scheele, der neben Österreich auch für weitere neun Länder in Mittel- und Osteuropa zuständig ist. »Was in Österreich schnell kam, war das Geld für die Kurzarbeit. Doch auch das war aufwändiger und bürokratischer als in anderen Ländern.« Als Verlustersatz wurden C&A ebenso die gedeckelten 800.000 € zugesprochen. »Dabei haben wir mehr als 100 Filialen, die jeweils mehr als 100 Tage zu hatten.«

Konkret waren die Läden in Österreich in den letzten zwei Jahren durch Lockdowns je nach Bundesland zwischen 126 und 152 Einkaufstagen geschlossen, im Jahr 2021 waren es sogar 25 % aller möglichen Einkaufstage, rechnete Dorotheum-Chefin Karin Saey vor.

Kritik an neuer Mietregelung

Luft machten sich die Händler auch bezüglich der neuen Vorgehensweise der COFAG beim Thema Mieten. Wie berichtet hat der Verfassungsgerichtshof entschieden, dass für die Zeiträume der Lockdowns keine Mieten zu entrichten sind. Die COFAG fordert nun die Mietbeihilfen, die unter dem Titel »Fixkostenzuschuss« bereits gewährt wurden, zurück. Für Fussl-Chef Ernst Mayr ist es »völlig unverständlich, dass man ein Jahr im Nachhinein die Regelungen für Beihilfen derart drastisch abändert«. Man habe mit insgesamt 170 Vermietern Einigungen gefunden. C&A-Chef Scheele hält es für vielfach unmöglich, die geflossenen Mietzahlungen wieder zurückzuholen. »Wir haben mit unseren Vermietern lange und nicht leichte Verhandlungen geführt und diese abgeschlossen. Diese Deals können wir nachträglich nicht mehr aufmachen. Das bleibt also am Händler hängen.« Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will nennt diese neueste Entwicklung »unfassbar«, man werde das »in keiner Weise so hinnehmen können«.

Handel ist sicherer Ort

Die wichtigste Forderung der Händler lautete klar: Keine Lockdowns mehr. Der Handel sei ein sicherer Ort, das sei inzwischen durch unzählige Studien und eigene Erfahrungen klar belegt. Auch der Lebensmittelhandel, für den nie ein Lockdown gegolten habe, beweise dies täglich aufs Neue. Deshalb hätten auch 60 Händler gegen Ende des Vorjahres einen Individualantrag beim Verfassungsgerichtshof eingebracht, der diese Frage ein für allemal klären soll. Mit dabei u. a. Kastner & Öhler und die Fussl Modestraße. Sie sehen durch die Lockdowns einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Erwerbsfreiheit gegeben. Alleine im ersten Corona-Jahr 2020 hätten laut neuester Strukturerhebung der KMU Forschung Austria 4.040 Handelsunternehmen (inkl. Großhandel) schließen müssen, das sind rund 5 % aller Unternehmen – bereits bereinigt um die Neugründungen. Rainer Will befürchtet ein weiteres Abschmelzen: »Große Traditionshäuser existieren teilweise nur noch am Papier.«

2G-Pflicht kostet viel Umsatz

Auch mit der 2G-Pflicht hadert die Branche, weil dadurch 2,1 Mio. Menschen bereits seit acht Wochen nicht die Geschäfte betreten dürfen. Die Regelung drücke die Umsätze in vielen Handelsbranchen massiv und spalte die Gesellschaft, beklagte der Handelsverbands-Geschäftsführer. »Viele Ungeimpfte schwören dem Handel auf Dauer ab, es passiert ein irreversibler Schaden im Kundenvertrauen.« Von einem Normalbetrieb könne deshalb bei weitem nicht die Rede sein. »Wir realisieren jetzt klar nicht die Umsätze, die wir bei unseren laufenden Kosten benötigen würden«, sagte Fussl-Chef Ernst Mayr. Der seit Dienstag geltenden Pflicht zu 2G-Kontrollen in den Geschäften werde von den Kunden überwiegend geduldig und verständnisvoll begegnet, berichteten die Betriebe. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stelle die Kontrolle aber eine hohe Belastung dar.

Chancen für 2022

Insgesamt sehen die Händler für das neue Jahr aber sehr wohl auch Chancen – zumindest, wenn sich die Corona-Lage beruhigt. »Wir haben im Vorjahr ganz klar mit Sommerbeginn festgestellt, dass sich das Stadtleben wieder normalisiert hat, dass es ein großes Streben in die stationären Handelsbetriebe gab und dass sich auch die Umsätze erfreulich entwickelt haben«, berichtete Martin Wäg von Kastner & Öhler. Und auch bei Fussl war die »Zeit zwischen den Lockdowns sehr gut. Man merkt, wie wichtig der soziale Kontakt für uns alle ist«, sagte Ernst Mayr. »Der Handel ist auch ein Treffpunkt, ein positives Erlebnis. Aber wenn wir unsere Dienstleistung nicht anbieten können, haben wir keine fairen Bedingungen. Ich gehe für 2022 von einem Umsatzplus aus, aber es wird ein spannendes Jahr für alle Händler werden.«

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