Kahlschlag: Galeria Karstadt Kaufhof schließt...
Kahlschlag

Galeria Karstadt Kaufhof schließt 80 Häuser

Galeria Kaufhof
Galeria Kaufhof in Köln
Galeria Kaufhof in Köln

Der deutsche Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) schließt 62 seiner 172 Filialen. Zusätzlich müssen zwanzig der derzeit dreißig Karstadt-Sports-Häuser zusperren.

Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar bis zu 80 Warenhäuser dichtmachen wollen. Nach Angaben des Gesamtbetriebsrates werden durch die 62 Schließungen insgesamt 5.317 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren. Bei Karstadt Sports fallen nochmals etwa 700 Stellen weg. Der Konzern hat derzeit noch 28.000 Beschäftigte.
„Dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden. Letztlich geht es darum, das Unternehmen und damit viele tausend Arbeitsplätze zu sichern.“
Arndt Geiwitz, Generalbevollmächtigter
Die Geschäftsführung von Galeria Karstadt Kaufhof bezeichnete die Maßnahmen am Freitag als unvermeidlich: »Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden«, sagte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz. »Für sie besteht keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive.« Letztlich gehe es darum, das Unternehmen und damit die vielen tausend anderen Arbeitsplätze zu sichern.

Vollmundige Ankündigungen

Die Handelsgruppe gehört zur österreichischen Signa Holding rund um den Tiroler Immobilieninvestor Rene Benko. Dieser hat bei dem Konzern seit Juni 2019 das alleinige Sagen. In der Vergangenheit sparte Signa nicht mit vollmundigen Ankündigungen: Die Fusion von Karstadt und Kaufhof ermögliche »die Umsetzung der Vision vom Marktplatz der Zukunft«, erklärte die Retail-Sparte von Signa etwa. Arbeitnehmer kritisierten dagegen, im Betrieb werde nur gespart, Benkos Interesse gelte lediglich den Immobilien. Letztlich kam der »Marktplatz der Zukunft« bisher nicht in Schwung.

Corona-Krise

Existenzbedrohend wurde die Krise durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen deutschlandweit. Anfang April hatte Galeria Karstadt Kaufhof Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Das Unternehmen rechnet aufgrund der Pandemie und den dadurch ausgelösten Konjunkturabschwung bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Mrd. Euro. Sachwalter Frank Kebekus und das Karstadt-Management müssen bis Ende Juni dem Amtsgericht Essen ihren Sanierungsplan vorlegen.

Innenstädte vor dem Aus?

Galeria Karstadt Kaufhof steht in Deutschland stellvertretend für die Krise vieler stationärer Händler, die durch die Corona-Pandemie deutlich verschärft wurde. Angesichts der angekündigten Filialschließungen warnen Kommunen und Verbände vor einem Aussterben der Innenstädte. »Stirbt der Handel, stirbt die Stadt«, heißt es etwa vom Einzelhandelsverband HDE. Er hält es für möglich, dass durch die aktuelle Krise rund 50.000 Handelsstandorte in Deutschland verloren gehen.
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