Ausblick 2021: RegioPlan sieht 700 Modegeschä...
Ausblick 2021

RegioPlan sieht 700 Modegeschäfte von Schließung bedroht

RegioPlan
Romina Jenei, Head of Consulting bei RegioPlan
Romina Jenei, Head of Consulting bei RegioPlan

Der Standortberater sieht Kaufkraft und Handelsumsatz in diesem Jahr weiter im Sinkflug. In der Folge könnte in den nächsten Jahren bis zu einem Viertel der Verkaufsfläche im Bereich Bekleidung verschwinden.

Für kaum eine Branche war das Jahr 2020 eine größere Herausforderung als für den Handel. Lockdowns und eine gebremste Konsumlaune haben zu starken Umsatzrückgängen vor allem in den Branchen für den mittelfristigen Bedarf geführt. Der Wiener Standortberater RegioPlan gibt in seinem Ausblick für das Handelsjahr 2021 jedoch keine Entwarnung: War die Kaufkraft der Wohnbevölkerung schon 2020 um rund 5 % gegenüber 2019 gesunken (real), prognostiziert das Institut für das heurige Jahr einen weiteren Rückgang um 2 %. »Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Lockdown wirken sich in der Statistik aus«, sagt Romina Jenei, Head of Consulting bei RegioPlan. »Außerdem wollen viele Kundengruppen nicht mehr einkaufen bis zum Umfallen. Werte verändern sich in Richtung Nachhaltigkeit, Second Hand, Nutzen statt Kaufen etc.« Auch die Sparquote habe sich annähernd verdoppelt.

Umsatz soll 2021 weiter sinken

Während jene Branchen, die Lebensnotwendiges verkaufen und von den Lockdowns ausgenommen waren (Lebensmittel, Drogeriewaren, Medikamente), ziemlich gut durch das Jahr 2020 kamen, sieht es für große Teile des übrigen Einzelhandels schlecht aus. Für den Bekleidungshandel erwartet RegioPlan für 2020 ein Umsatzminus von 22 % –  und da ist der Onlinehandel bereits inkludiert. Der Schuhhandel verliert stationär und online etwa 20 %. Bei etwa minus 10 % sieht RegioPlan die Branchen Spielwaren, Elektro und Sportartikel liegen. Und auch bei den Umsätzen ist der Tiefpunkt für Jenei noch nicht erreicht: Für den gesamten Einzelhandel (stationär plus online) erwartet sie für 2021 einen Rückgang von »vielleicht 4 bis 6 %, alleine schon wegen der durchschnittlich geringeren Kaufkraft großer Bevölkerungsschichten«.

Bis zu 25 % der Bekleidungs-Fläche könnte wegfallen

Die ohnehin schon zu hohe Verkaufsflächendichte würden in Verbindung mit sinkenden Umsatzerwartungen nun viele Retailer dazu bewegen, Standorte aufzugeben. »Bereits 2020 sind viele, auch größere Filialisten, in Schwierigkeiten geraten, sodass in diesem Jahr etwa 500 bis 550 Standorte aufgegeben wurden«, weiß Jenei. »Für 2021 ist mit Ähnlichem zu rechnen.« Hauptbetroffen davon ist ganz klar der Fashion-Sektor: »In den Bereichen Bekleidung, Schuhe und Accessoires rechnen wir in den nächsten drei Jahren mit einem Flächenrückgang von 15 bis 20 %.« Alleine in der Bekleidungsbranche seien bereits aktuell rund 700 Standorte bzw. 10 % der Verkaufsfläche akut gefährdet. Diese Händler befänden sich in Insolvenz- oder Schutzschirmverfahren oder »freiwilligen« Restrukturierungsprozessen, viele davon seien schon vor der Corona-Krise instabil gewesen. »Im schlimmsten Fall könnten in den nächsten Jahren bis zu 25 % der Verkaufsfläche bei Bekleidung wegfallen«, meint Jenei.

Herausforderung »Online«

2019 betrug der Onlineanteil laut RegioPlan 12 % der Konsumausgaben privater Haushalte. 2020 wird ein Sprung auf 14 % erwartet und für 2021 können mindestens 15 % angenommen werden. »Das klingt nicht nach viel, doch wenn man den Lebensmittelhandel, der mit knapp 2 % einen besonders geringen Onlineanteil aufweist, herausrechnet, kommt man in einzelnen Branchen heuer schon an die 30 bis 40 % Onlineumsätze, etwa im Bekleidungshandel, Schuhhandel, Elektrohandel, Spielwarenhandel oder Buchhandel«, so die RegioPlan-Consulterin.

Chance »Emotion«

Wirklich revolutionäre Entwicklungen sieht man bei RegioPlan jedoch durch Corona keine. »Sobald die Normalität einkehrt und die Wirtschaft sich erholt, werden Menschen nach wie vor Gastronomie, Freizeit und Dienstleistung nachfragen«, glaubt Jenei. Die Veränderungen im stationären Handel würden nur beschleunigt, die Ursachen lägen tiefer. Weiterhin würden sich Produkte, die wir nicht »brauchen«, also etwa Mode, besser über Emotionen verkaufen lassen – die wiederum der Onlinehandel weniger leicht erzeugen könne. Dafür brauche es eine »Funktionsanreicherung», meint die Consulterin.
Nicht nur auf der Ebene der einzelnen Geschäfte, sondern insbesondere auch in den Innenstädten und Einkaufszentren seien Anpassungen nötig. »Es geht darum, den Kunden, die ja nicht mehr kommen müssen, genug Gründe zu geben, dass sie kommen wollen.« Möglichkeiten seien verstärkte Integration von Dienstleistungen, Events und Gastronomie zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität und der Schaffung von Frequenzen, aber auch die Nutzung von Internet und Social Media (von click & collect bis hin zu Influencern und Communities), sowie die (oft nur vermeintliche) Stärke des stationären Handels: echte Beratung anbieten.

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