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»Wiener KaDeWe« wird neu gebaut

René Benkos Signa Holding lässt sich den Neubau eines Kaufhauses nach Vorbild des Berliner KaDeWe bis 2023 an die 400 Mio. € kosten.

Die Signa Holding darf das Wiener Flagship-Haus der Möbelkette Leiner am unteren Ende der Mariahilfer Straße abreißen und an gleicher Stelle ihr lange geplantes Kaufhaus mit spektakulärer Architektur neu errichten. Ursprünglich hatte die Signa den Umbau des bestehenden Möbelhauses angekündigt. Nun konnte man sich doch mit den bestehenden Behörden auf einen Abriss des nach den Vorbildern der großen Pariser Warenhäuser gebauten Bestandsgebäudes einigen. 1895 gegründet, gehörte das Warenhaus Esders zu den größten Kaufhäusern der Welt. Nach dem Verkauf an Leiner 1964 wurde das Gebäude mehrmals umfangreich umgebaut und auf 30.000 m2 Verkaufsfläche erweitert. Ende 2017, als Leiner kurz vor der Insolvenz stand, wurde das Kaufhaus um 60 Mio. € an das Immobilienimperium von René Benko notverkauft. Dass das Möbelhaus in ein Luxuskaufhaus verwandelt werden soll, gilt seither als fix. Nun berichtet die Signa gegenüber der Tageszeitung Standard erstmals offiziell über den aktuellen Stand der Planungen:

Eröffnung 2023

Spätestens Mitte 2021 soll Leiner endgültig ausgezogen sein. Dann starten die Abbrucharbeiten auf dem rund 7.500 m2 großen Grundstück. Entstehen soll in der Folge ein Warenhaus mit 24.000 m2 Nutzfläche, dazu ein Hotel mit 10.000 bis 12.000 m2 sowie Gastronomieflächen im Ausmaß von weiteren 3.000 m2. Die Signa will sich das Projekt 300 bis 400 Mio. € kosten lassen. »In vielen Metropolen auf der ganzen Welt gibt es Luxuskaufhäuser wie das Berliner KaDeWe«, wird Signa-Chef Christoph Stadlhuber im Standard zitiert. »In Wien ist diese Kultur, nachdem sich die meisten dieser Warenhäuser in jüdischer Hand befunden hatten (auch das Warenhaus Esders; Anm. d. Red.), leider auf einen Schlag ausradiert worden. Nun wollen wir auch in Wein ein solches Haus mit internationalem Charakter etablieren.«

Die Signa-Gruppe ist bekanntlich seit Juni Alleineigentümerin der deutschen Warenhausgruppe Galeria Karstadt Kaufhof. An den deutschen Top-Häusern der KaDeWe-Group (KaDeWe in Berlin, Oberpollinger in München und Alsterhaus in Hamburg) ist die Signa mit 49,99 % beteiligt. Die Mehrheit von 50,1 % gehört der thailändischen Central Group, laut eigenen Angaben der größte Premium-Einzelhändler der Welt. Zu den Töchtern der Central Group gehört u. a. auch die italienische Warenhausgruppe La Rinascente oder das Illum in Kopenhagen.

Architekturwettbewerb läuft

Über Architektur und Namen des künftigen Shopping-Tempels ist noch nicht entschieden. Im Mai wurde laut Standard ein mehrstufiges Wettbewerbsverfahren mit vier renommierten europäischen Architekturbüros gestartet. Fix ist laut Stadlhuber nur: »Es wird eine Landmark werden.« Juryvorsitzende ist mit Elke Delugan-Meissl eine der renommiertesten Architektinnen Österreichs. »Wir wollen, dass das neue Kaufhaus das Thema Retail neu denkt, dass es konsumfreie Zonen beinhaltet und nach Möglichkeit eine öffentliche Querverbindung zum Museumsquartier schafft«, wird sie zitiert. Im Oktober soll der Sieger feststehen.

Sortiment: Mainstream bis Luxus?

Über die künftige Sortimentszusammenstellung wurden keine neuen Details bekannt gegeben. In Zusammenhang mit den ursprünglichen Umbauplänen für das Möbelhaus wurde vormals von einem weiterhin starken Möbelsortiment gesprochen, das um andere Bereiche – vor allem Mode – ergänzt werden sollte. Bei einem Neubau sind die Karten wohl neu gemischt. Am realistischsten ist wohl ein hochwertiger Department Store mit einem Markenmix aus Mainstream, Premium und einigen Luxuslabels. Gegenüber dem Standard spricht Stadlhuber davon, dass auch Jungdesigner und Start-Up-Labels vertreten sein sollen. Dem selbst betriebenen Goldenen Quartier, der Heimat der Luxusmode in Wien, wird die Signa wohl keine Konkurrenz machen wollen. »Der Standort ist exzellent, einer der besten in Österreich«, sagt Wolfgang Richter, Geschäftsführer des Standortberaters RegioPlan.

Die Mariahilfer Straße, der seit dem Umbau in eine Fußgänger- bzw. Begegnungszone ein großer Teil der zahlungskräftigen Kunden verloren gegangen ist, kann der neue Impuls nur gut tun.

Von: Manuel Friedl