Ausgabe 16/2016

Zauberwelt Tracht
Kollektionen F/S 2017

Handel: Die Nummer 1 im Premium  

Gerhard Gössl sieht sich mehr als Bewahrer denn als Pionier. Und er sieht sich als Marktführer in der Premium-Tracht. Jetzt sind es 45 Läden, die (fast) ausschließlich Produkte von Gössl verkaufen. Neuerdings in Krems, in Wien, in Nürnberg, in Linz, in Dornbirn. 50 sollen es in absehbarer Zeit werden, sagt der Chef des Traditionshauses. Weil Einzelhandel immer schwieriger wird – Gössl nennt den Trachtenhandel ein »generationsübergreifendes Geschäftsmodell«, bei dem »nur die besten überleben werden«. Der Markt, sagt Gössl auch, habe sich nachhaltig verändert, sei »breiter« geworden. »Mehr Leute empfinden Tracht heute als kaufbar und salonfähig.« Allerdings: »Der Markt ist extrem weit gespreizt.«


Reportage: Jo mei, Minga!

München. Oktoberfest. Tracht. Untrennbar verbunden. Doch was denken Münchner selbst darüber? Und wie ist die Tracht in der bayrischen Landeshauptstadt aufgestellt? Ein bisschen war es wie Detektivarbeit. Da gab es einen Arbeitstitel, der lautete »München als Trachtenhauptstadt«. Und dann ging es los. Knapp ein Monat vor Start der Wiesn 2016. Recherche vor Ort, Gespräche mit Münchnern. Das Ziel war es, jene Stadt unter die Lupe zu nehmen, die für Bier und Brezel berühmt ist. Und auch für Tracht? Um diese Frage zu klären, galt es, München aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten. Auf der Liste der Gesprächspartner fanden sich deshalb nicht nur eine ansässige Dirndl-Designerin und ein traditioneller Trachten–Hersteller, sondern auch ein Hotelier, die Marketingverantwortliche eines bekannten Nachtclubs, der Leiter einer renommierten Trachtenabteilung und ein Mitglied des Vorstandes einer Münchner Handelsinstitution.  


Handwerk: Salon-Gespräche

Tracht? Couture? Oder beides zusammen? Vom Umgang mit einem inflationären, aber ungeliebten Begriff und dem wachsenden Markt dahinter. Ja, sie sind wieder da. Die kleinen Atelier-Schneidereien, liebevoll Salon genannt. Zwischen Mödling (vis-à-vis vom Standesamt mit den meisten Hochzeiten in Österreich) und Dornbirn treten Maßschneider aus dem Schatten der immer gleichen Einzelhandelsszene. Oft verschreiben sie sich der Anlass- und Brautmode, oftmals kombiniert mit dem Anspruch nach echten Dirndl oder Kleidern mit trachtigen Elementen. Klar wurde daraus ein Schlagwort: die Trachten-Couture. Feste: Feiern in Dirndl und Lederhose Einst ländlichen und konservativen Kreisen vorbehalten, sind Wiesnfeste und Kirtage jetzt geradezu cool – und das selbst in der sophisticated Hauptstadt Wien. Wien und Trachtenmode waren in der Vergangenheit schwer vereinbar. So gesehen war der Erfolg der Wiener Wiesn nicht absehbar, kam aber doch nicht unvermittelt. Erste Vorzeichen waren das zunehmend junge Publikum auf dem Jägerball und der Trend zu Trachtenhochzeiten in High-Fashion-Kreisen.


Kindertracht: Mini-Me

Im Fahrwasser des großen Trachtenbooms hat sich in den letzten Jahren auch das Geschäft mit der Tracht für Kinder positiv entwickelt. Denn konsequenterweise greifen Eltern nicht nur für sich selber zu Tracht und Trachtigem, sondern finden auch den eigenen Nachwuchs in Dirndl und Lederhose entzückend. Zwar war in der Kindertracht kein richtiger Hype zu verzeichnen, wie es bei jener für die Erwachsenen der Fall war. Was vielleicht auch daran liegt, dass bei den Kleinen kein Bedarf an allzu auffälligen und lauten Wiesn-Modellen besteht. Doch das Segment der traditionsbewussten Bekleidung für Kinder konnte dennoch zulegen.