Ausgabe 08/2015

Platz am Fenster:
Tolle Dekos fürs Frühjahr

E-Commerce:
Big Data for Business?

Industrie: Der Preis bleibt heiß

Schwacher Rubel, starker Franken, explodierender Dollar: die Bekleidungsindustrie hängt mittendrin  in schwankenden Währungskursen. Treibt der Dollar nun auch die Preise für Mode nach oben? Oder sind höhere Preise gar nicht drin? Ein Überblick. Noch herrscht Ruhe vor dem Sturm: die Ware für die anstehende Herbst/Winter-Saison ist längst bestellt. »Danach aber dürfte die Abwertung des Euro voll durchschlagen«, sagte Jürgen Dax, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des deutschen Textileinzelhandels (BTE). »Bei der nächsten Frühjahrskollektion wird es daher Preisanhebungen geben.« Eine Meinung, der in der Modewelt derzeit auch lebhaft widersprochen wird: »Der hohe Dollarkurs ist absolut kein Freibrief für Preiserhöhungen der Bekleidungsindustrie. Wir haben ein extremes Überangebot im Markt«, sagt Jörg Weber, Geschäftsführer von Rabe Moden. „Fürs gleiche Produkt mehr Geld zu verlangen, dazu sagt die Kundin: No!“


Kongress: Big Data nur für Big Business?

E-Commerce und Kommunikationskonzerne schaffen Riesenmengen an Daten heran – aber wer kann wie profitieren? Offenbar nur die ganz Großen, denn ihnen gelingt es, das Verhalten ihrer Kunden per Algorithmen zu prognostizieren. So viele Daten – und so wenige Unternehmen, also Menschen, die damit noch etwas anfangen können: So lautete der gedankliche Einstieg des Handelskolloquiums des Handelsverbands unter dem optimistischen Titel »Big Data – Flut und Segen«. »Wir wissen alles über unsere Kunden«, stellte HV-Präsident Stephan Meyer-Heinisch selbstbewusst fest, »aber keiner in den Unternehmen stellt die richtigen Fragen«. Die stellte nun Moderator Daniel Cronin, Vorstandsmitglied von AustrianStartups, Uni-Lektor und PULS-4-Moderator. »Wilder Westen« herrsche gerade im Umgang mit dem Begriff Big Data, was ihn wenig verwundert: »Keiner weiß die Regeln, weil es keine Regeln gibt.« Dabei profitieren große Unternehmen längst von Kundenstrom-Analysen, vom Blick in den elektronischen Einkaufskorb und Bestandsmanagement via »Predictive Analytics«, was so viel heißt wie: Trage genügend Daten zusammen, erstelle einen Algorithmus – und der Computer sagt Dir, wieviel Du von einem bestimmten Produkt verkaufen wirst, wann und zu welchem Preis.


Multi-Channel: Global regional

Wie kann der regionale Handel vom E-Commerce-Boom profitieren? Eine Möglichkeit sind regionale Online-Marktplätze. Die Schwäbische Jungfrau, Lobmeyr, Augarten, Huber & Lerner – allesamt Traditionsbetriebe in der Wiener Innenstadt. Im Internet findet man sie und viele andere mehr auf der gemeinsamen Verkaufsplattform boulesse.com. Die Salzburger Nachrichten und das E-Commerce-Start-up Coolshop basteln derzeit gerade an www.salzburgshop.at. Dort sollen sich ab Juni Salzburger Einzelhändler auf einer virtuellen Einkaufsstraße einmieten können. Und die Kärntner Landeshauptstadt hat klagenfurt.bringts.at. Modehändler wie Ghidini, Schuscha, Puschnig und Oscar W. sind dort genauso zu finden wie Wohnausstatter Slama oder Juwelier Habenicht – allesamt eigentümergeführte, mittelständische Betriebe, die sich an eine eher ältere, aber finanziell gut ausgestattete Kundschaft richten. Und die alleine wohl nie einen Onlineshop gewagt hätten.


Denim: Fit für den nächsten Trend

In den USA fragt man sich, ob Activewear und speziell Leggings die Premium-Jeans verdrängen werden. Kein Grund zur Aufregung, sagt man in Österreich und setzt auf Seventies und Hippie-Chic.   Der Boom zu Premium-Jeans ist auch in Österreich vorbei, aber die Volumen halten sich seit drei Jahren konstant. Der Trend zu Jeggings sei abgeflaut und auch die Nachfrage nach Hosen mit Activewear-Ästhetik verhalten, so Gerhard Knaus, Unifa Austria. Eher rechne er mit steigenden Stückzahlen bei Flare und Bootcut. Die Saisonhat gut begonnen. Modemagazine und Online-Stores sind voll von Hippie-Chic. Modebloggerinnen experimentieren mit Flare-Styles. Susanne Sagmeister beobachtet in ihren Damenboutiquen (Vbg.)tatsächlich einen Trend zu leichtem Bootcut in softem weißem und blauem Denim. Von Flare seien ihre sehr modischen Kundinnen ganz begeistert. Zwar ließ sich die Flare von Gucci schon in den vergangenen Saisonen verkaufen, aber im aktuellen Hippie-Chic sei die Nachfragegestiegen. Von Leggings werden keine großen Mengen verkauft, aber in Lederstretch mit Cashmerepulli seien sie zu Saisonstart ein wichtiges, weil unkompliziertes  Thema gewesen. Im Trend zu Easywear und fließenden, soften Silhouetten seien allerdings auch noch andere Hosenformen im Spiel, so Sagmeister.