Ausgabe 05/2016

Heile Welt
Neue Labels pushen die Tracht

Quo vadis DOB?
Eine Marktanalyse

Kongress: Data is the new oil  

Bei der Fachkonferenz »etailment Wien« dreht sich alles um das Big Business mit Daten. Alle reden darüber. Jeder behauptet es zu tun, weil alle anderen es vermeintlich auch tun. Aber keiner weiß genau, was er da macht. Die Rede ist vom E-Commerce, von der online Kommunikation und vom Online-Marketing. »Wir befinden uns am Beginn vom Beginn der digitalen Ära«, sagt Unito-Geschäftsführer Harald Gutschi, der im Rahmen der Fachkonferenz »etailment«, die von 22. bis 24. Februar 2016 in Wien über die Bühne ging, aufzeigte, wie fundamental sich der Handel in den nächsten zehn Jahren verändern wird. »Raus aus dem Gefängnis des Erfolges«, versucht er jene lautstark aus ihrem Dornröschenschlaf aufzuwecken, die den Übergang in das neue Handelszeitalter verschlafen haben, und nennt dabei Unternehmen wie Gerry Weber, Esprit, Tom Tailor oder Sport Direct – Unternehmen und (vertikale) Konzepte, die jahrelang funktioniert haben und sich nun mit massiven Umbrüchen konfrontiert sehen.


Porträt: Generationswechsel

Die Würfel sind gefallen bei den Kutsams: contra Wissenschaft, proEinstieg ins elterliche Modehaus. Ein Jungunternehmerportrait aus Oberösterreich. Wohl obsiegten die Gene, wo doch Johannes Kutsam (30) die 9. Generation einer rechttextilaffinen Familie darstellt. Der Großvater war der erste Einzelhändler –davor lauter Schneider, wie sich mit Urkunden bis ins Jahr 1730 zurückverfolgen lässt. Freilich: Weil die Wohnung über dem Geschäft lag, wuchs er quasi in der Modebranche auf. Da wurde das Änderungsatelier zum Spielplatz und die Firma saß regelmäßig mit am Essenstisch. Später kristallisierte sich ein besonderes Talent heraus: Mit 17 installierte Johannes die EDV im Modehaus. Und als Maturaprojekt programmierte er gemeinsam mit dem Bruder eine Software zur optimierten Personaleinsatzplanung.


Online: Kassen mit Mehrwert  

Das Jahr 2016 brachte neben einer Reihe von Neuerungen für den Handel auch die Registrierkassenpflicht. Besonders die Kosten der neuen Kassensysteme werden von der Branche kritisiert. Alternative Kassenanbieter bieten jedoch neue, günstige Lösungen. Der Handel besteht strukturell aus sehr vielen Klein- und Kleinstbetrieben. Kassensysteme waren bis dato nicht flächendeckend vorhanden, vielerorts war der Kassablock das wichtigste buchhalterische Instrument. Seit der Registrierkassenpflicht, sie seit 1. Jänner 2016 in Kraft ist, müssen jedoch alle Handelsunternehmen bei der Abwicklung von Bargeschäften ab einem Umsatz von 15.000 Euro im Jahr eine Registrierkassa verwenden.  


DOB: Quo vadis, DOB?  

Der Markt der Mitte steht vor enormen Herausforderungen. Die Kundin hat sich verändert und mit ihr das Einkaufsverhalten. Quo vadis, DOB? Wir haben auf Herstellerseite nachgefragt. Der Markt der Mitte. Mainstream. Der größte Teil vom Kuchen. Momentan aber auch die größte Baustelle. Die Kundin wurde vernachlässigt. Viel zu lieblos ging man mit ihr um. Systemlieferanten glaubten, es sei ausreichend, die Konsumentin in immer gleiche Outfits zu stecken. Einmal blau geringelt, einmal rot geringelt. Hier und da ein paar Streublümchen. Sie haben verschlafen, dass sich diese Frau nicht mehr uniformieren lässt. Sie haben verschlafen, dass sie auf Grund ihrer Online-Aktivitäten Zugang auf ein immenses Ausmaß an modischer Information hat. Und sie haben verschlafen, dass sie sich nicht mehr anhand ihres Alters, sondern anhand ihres Stils definiert.