Ausgabe 02/2015

Feine Gesellschaft
Tracht H/W 2015/16

Kuschelige Klarheit
Womenswear H/W 2015/16

DOB: Wilde Wolle

Mit einem monatelangen Dauerminus im Rücken geht die DOB zum nächsten Winter in die Offensive. Kuschelig und weiblich soll es werden, aber auch pur und reduziert. Und endlich wagt man sich auch an den längst fälligen Wandel der Silhouetten. Oben volumig und unten schmal – oder umgekehrt. Diese monotone Antwort erhielt (allzu) viele Saisonen lang, wer Designer nach ihren Lieblingsoutfits fragte. Da mussten ja stilistische Kleinigkeiten zu Megatrends hochstilisiert werden. Ein simpler Pulli mit eingestricktem Klammeraffen geriet unversehens zum „Statement-Teil“, ein Karo-Pencil-Skirt zum Must-have, auf den großen Entwurf wartete man vergeblich. Die Kundinnen straften so viel modische Kontinuität gnadenlos ab, Frequenz wie Kaufbereitschaft gaben nach. Im Winter 2015/16 soll nun alles anders werden, durch die Womenswear geht ein Riss, wie man in schon seit Jahren nicht mehr feststellen konnte.

 

Tracht: Feine (Jagd-)gesellschaft

Katerstimmung nach der großen Sause? Auch die Tracht spürt die Kaufzurückhaltung der Konsumenten. Und reagiert mit Alltagstauglichkeit, ganz nach dem Motto: Ein bisschen Tracht geht immer. Erst glaubt man an eine optische Täuschung. Aber dann, beim genauen Hinschauen, sieht man: es sind tatsächlich Kinderdirndl, die da an einer Autobahntankstelle in Niederbayern verkauft werden. Gleich neben Bild-Zeitung, Bierkrügen und Bayern-Andenken. 49,90 € mit Bluse und Schürze, alles dran. »Es ist schon ein Graus zu sehen, wo überall Tracht mittlerweile verkauft wird“, sagt Lodenfrey Menswear-Manager Peter Dür, »vom Lagerhaus bis zu den Diskontern, da wird ein an und für sich hochwertiges Produkt komplett abgewertet.« Dür geht gerade den gegenteiligen Weg: Gemeinsam mit Designer Christan Weber schloss er sich zu den „Trachtenmachern“ zusammen und lanciert unter dem Label Weber&Frey eine junge, freche Lodenkollektion für ein kaufkräftiges, urbanes Publikum.

 

Tracht: Mannsbild

Wer hätte das gedacht? Die Männertracht ist seit einigen Saisonen der Treiber des Marktes. Seidengilets, kernige Lodenjanker und bunte Pfoad werden gekonnt und frech zu kurzen Ledernen (und neu: kniekurzen Lodenhosen) kombiniert. Die »Kurze« steht stellvertretend für die Verjüngung der Männertracht, die bis vor ein paar Jahren auf den grauen Trachtenanzug fixiert zu sein schien. Die Männertracht ist jung, experimentierfreudig – und sexy! Kompromisslos bleibt man nur bei den Qualitäten. Neue Färbe- und Drucktechniken überraschen.

Von: Christiane Marie Jördens