Der Marktführer im österreichischen Modehandel hat zum ersten Mal seit seinem Markteintritt Mitte der 1990er-Jahre in absoluten Zahlen an Umsatz verloren. Laut dem soeben veröffentlichten Geschäftsbericht für das jüngste Geschäftsjahr (Dez. 2010 bis Nov. 2011) ging der Nettoumsatz hierzulande um 2 % auf 432 Mio. € zurück.
In der Konzernwährung (Schwedische Kronen = SEK) sanken die Erlöse sogar um 9 %. Die Zahl der Stores blieb per Saldo stabil bei 66: Während im November ein Store in der Wiener Kärntnerstraße geschlossen wurde, kam im Einkaufszentrum Forum1 am Salzburger Hauptbahnhof eine Filiale dazu.
Österreich war nicht das einzige Land, in dem die Schweden mit Umsatzrückgängen zu kämpfen hatten, gehört aber im Konzernvergleich mit Ländern wie Japan, Slowenien, Norwegen und der Schweiz zu den Schlusslichtern.
Konzernweit konnten die Umsätze von Hennes & Mauritz in lokalen Währungen um 8 % zulegen, flächenbereinigt blieb allerdings auch hier unterm Strich ein Minus von 1 % übrig. Pech für die Schweden: Die Schwankungen der internationalen Wechselkursverhältnisse gingen in diesem Jahr deutlich zu Lasten der starken Krone. Deshalb muss der Modehändler in Konzernwährung mit einem Umsatzplus von nur 1 % auf 110 Mrd. SEK (11,9 Mrd. €) Vorlieb nehmen – und das obwohl die Zahl der Stores um 266 auf 2.472 (+ 12 %) wuchs. H&M weist aber auch auf die hohen Vorlagen aus dem Jahr 2010 hin: Damals waren die Umsätze in vergleichbaren Filialen um gleich 5 % angestiegen.
Der Ertragskraft tat all dies kaum Abbruch: Die Bruttomarge sank zwar von 62,9 auf 60,1 %, der Gewinn nach Steuern blieb mit 19,2 Mrd. SEK (1,7 Mrd. €) im deutlich zweistelligen Prozentbereich. Und während die Einkaufspreise auch für H&M gestiegen sind, hat die Kette ihre laufenden Kosten fest im Griff: In vergleichbaren Stores sind die Kosten für den Betrieb zurückgegangen.
Für CEO Karl-Johan Persson war es »in vielen Ländern eines der härtesten Jahre für den Modehandel seit langem«. Ganz gemäß der allgemeinen Branchensituation hat auch H&M versucht, Kunden mit höheren Abschriften in seine Shops zu locken, besonders in der zweiten Jahreshälfte. Ganz geklappt hat diese Strategie nicht: Per 30. November hatte H&M um 20 % mehr Ware auf Lager als ein Jahr davor. Gemessen am Umsatz stieg der Inventurwert von 10,6 auf 12,6 %, gemessen an der Bilanzsumme von 19,4 auf 23 %.
Sehr erfreulich lief für die Schweden der Beginn des neuen Geschäftsjahres: Im Dezember 2011 konnten die Umsätze in lokalen Währungen um 13 % gesteigert werden, in vergleichbaren Filialen stiegen die Erträge um 4 %. Und in den ersten drei Jänner-Wochen wurde ein Plus von 12 % erzielt.
Die Pläne für heuer sind ambitioniert: Die Zahl der Stores soll noch einmal um 275 steigen, u. a. durch Expansion in neue Übersee-Märkte wie Malaysien, Thailand und Mexiko. Auch mit anderen Konzernmarken wie COS (dzt. 45 Filialen) und Monki (52) will H&M weiter wachsen. Besonders für COS sei bereits 2011 ein hervorragendes Jahr gewesen, heißt es im Jahresbericht. Sowohl der Umsatz als auch der Ergebnis habe »die hohen Erwartungen übertroffen«. Österreich steht aber nach wie vor nicht auf der Expansionsliste der Marke. Immerhin: Seit dem Vorjahr können Österreicher COS zumindest Online kaufen.