Der Schweizer Textilfilialist Charles Vögele ist offenbar tiefer in die Krise gerutscht als zuerst vermutet. Laut einer von Konzernseite veröffentlichten Gewinnwarnung werde das operative Ergebnis im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres 2011 »deutlich schlechter ausfallen« als im ersten Halbjahr.
Dabei wurde schon für die ersten sechs Monate 2011 überraschend ein Verlust von 62 Mio. Franken (50,2 Mio. €) ausgewiesen, CEO André Maeder hatte daraufhin den Hut genommen.
Die personelle Neuaufstellung ist noch im Laufen. Laut Pressemitteilung sollen Maeders Nachfolger Frank Beeck (vormals Verkaufsleiter) und Finanzchef (CFO) Markus Voegeli noch einen COO (Chief Operating Officer, zuständig für Planung, Beschaffung und Logistik) und einen CCO (Chief Commercial Officer, zuständig für Produktentwicklung, Verkauf und Marketing) zur Seite gestellt bekommen. Die entsprechenden Personen werden derzeit gesucht.
In den Sortimenten setzt man auf Vereinfachung: Die bisherigen Eigenmarken Casa Blanca, Biaggini und Kingfield, die für viel Geld positioniert wurden, werden nun wieder eingestampft, die Kollektionen werden künftig einfach unter dem Label Charles Vögele verkauft. »Wir werden auch in Zukunft unterschiedliche Bekleidungsstile in unseren Filialen haben, dies aber unter dem gleichen Markennamen«, erklärt Frank Beeck. »Die Präsentation der Waren und die entsprechende Kommunikation werden zielgruppenspezifischer sein, so dass die unterschiedlichen Bekleidungsstile für die Kundinnen und Kunden klar erkennbar werden.« Dabei war erst im Vormonat die neue, gemeinsam mit Schauspiel-Star Til Schweiger designte Kollektion »Biaggini Violett« präsentiert worden. Schweiger sollte ebenso wie sein weiblicher Counterpart Penélope Cruz dafür sorgen, den Schweizer Filialisten vom Staub vergangener Jahrzehnte zu befreien. Der Hollywood-Star Cruz war gemeinsam mit Schwester Monica für die Damen-Kollektion von »Biaggini Violett« Pate gestanden.
Für den weitern Einbruch im Geschäftsergebnis werden nun »das wirtschaftlich anspruchsvolle Umfeld, der starke Schweizer Franken sowie der unüblich warme Herbst« verantwortlich gemacht. Hinzu kamen Logistikprobleme in Zusammenhang mit der Inbetriebnahme des neuen Verteilzentrums Süd bei Graz.
Damit nicht genug: Das Unternehmen mit 815 Läden in zehn Ländern und rund 8.000 Angestellten braucht auch neue Kredite. Mit Blick auf einen im Juni 2012 auslaufenden Kredit führt die Unternehmensleitung derzeit Gespräche darüber, wie die finanzielle Flexibilität des Konzerns gesichert werden kann, teilt Vögele mit. Die Aktie ist inzwischen von einem Stand von 60 CHF im Juni auf nur noch 20 CHF abgestürzt.