Vögele wieder in den roten Zahlen
23.08.2011
(C) Vögele

Der schweizerische Textilfilialist Charles Vögele verspürt wie die gesamte Wirtschaft unseres westlichen Nachbarlandes deutlichen Gegenwind durch die starke Landeswährung. Während die Umsätze des Konzerns im ersten Halbjahr 2011 flächen- und währungsbereinigt auf Vorjahresniveau lagen, musste in Konzernwährung ein Umsatzminus von gleich 9 % hingenommen werden.

Statt 690 Mio. CHF wie noch in der ersten Jahreshälfte 2010 wurden heuer brutto nur noch 626 Mio. CHF (umgerechnet 522 Mio. €) umgesetzt. Zum Vergleich: 2008 war der Halbjahresumsatz noch bei 792 Mio. CHF gelegen. Charles Vögele erwirtschaftet 2/3 seiner Erlöse im Euro-Raum.

Zu allem Überdruss hatte die Modekette nicht nur mit sinkenden Umsätzen, sondern auch noch mit gestiegenen Kosten – vor allem in der Beschaffung – zu kämpfen. Bei den Betriebsaufwänden konnten die Schweizer jedoch durch weitere Reorganisation und Prozessoptimierung gegensteuern. Trotzdem steht unterm Strich diesmal bloß ein Konzernverlust von 62 Mio. CHF. Auch im Vergleichszeitraum war Vögele mit – 7 Mio. CHF leicht negativ gewesen. Das Betriebsergebnis EBIT lag diesmal bei – 60 Mio. CHF, nach + 4 Mio. CHF im Jahr davor. Die Zahl der Filialen reduzierte sich im gleichen Zeitraum von 844 auf 819.

In der Region CEE, zu der neben Österreich auch einige Filialen in Slowenien, Polen, Ungarn und Tschechien zählen, sank der Umsatz um 11,2 % auf 143,8 Mio. CHF, das negative EBIT lag bei – 34,9 Mio. CHF. In Österreich alleine habe der Umsatz flächen- und währungsbereinigt um nur 0,5 % abgenommen, teilt Vögele mit.

Das Management rund um CEO André Maeder will trotz des schlechten Halbjahresergebnisses am eingeschlagenen Kurs festhalten, der eine deutliche Imageverjüngung vorsieht und Charles Vögele bei Kollektionsentwicklung und Beschaffung in die Top-Liga der Vertikalisten bringen soll. Der neue Marktauftritt mit Werbeträgern wie Penélope Cruz und Til Schweiger soll außerdem eine erhöhte Modekompetenz signalisieren. »Die vollständige Wirkung der Neuausrichtung benötigt jedoch mehr Zeit als geplant«, heißt es im aktuellen Finanzbericht, »Neue Kunden konnten noch nicht ausreichend gewonnen werden.«  Für das zweite Halbjahr werden deshalb erhöhte Investitionen in den Umbau bestehender Stores, eine Ausweitung des Online-Shops auf  die gesamte Kollektion sowie ein Werbeauftritt mit aggressiveren Preisen angekündigt. Doch trotz dieser Maßnahmen sei im gesamten Geschäftsjahr »ein ausgeglichenes Ergebnis nicht mehr erreichbar.«