Vom Erzrivalen zur (großen) Schwester: Die Leder & Schuh International AG, schon bisher Marktführer am heimischen Schuhhandelsmarkt, kauft die Stiefelkönig Schuhhandels GesmbH. Damit bekommt der Handelsriese zu den Vertriebslinien Humanic, Dominici, Corti, Jello, Shoe4You und OMG! eine weitere Filialkette hinzu.
Damit schluckt die Nummer eins die jahrzehntelange Nummer zwei am heimischen Markt. Die Stiefelkönig-Gruppe, 2003 von der Hausbank BAWAG vor der Pleite gerettet und seither eine 100-%-Tochter der Bank, war bis zuletzt chronisch defizitär. Nach dem (Not-)Verkauf aller anderen Vertriebslinien (Turbo Schuh, Delka, Geox) betrieb Stiefelkönig zuletzt noch 66 Stores, davon 54 in Österreich. Beschäftigt werden 645 Mitarbeiter, davon 552 in Österreich. Der Verkauf der Stammmarke war jahrelang an überzogenen Preisvorstellungen der BAWAG gescheitert. Wie viel die Bank nun für ihre Beteiligung erhält, bleibt geheim.
Leder & Schuh betrieb bisher österreichweit rund 150 Standorte – die genaue Zahl gibt das Unternehmen nicht bekannt. International führt Leder & Schuh mehr als 350 Geschäfte in elf Ländern, der Umsatz lag zuletzt (2010) bei 542,8 Mio. €. Der Marktanteil in Österreich betrug 21 %. Der nunmehrige Deal kam überraschend, schließlich hatte Leder & Schuh in der Vergangenheit immer wieder betont, am Heimatmarkt sei keine Expansion im größeren Stil mehr geplant. Vermutlich ging es aber wie so oft darum, den Wettbewerb nicht zu groß werden zu lassen. Schließlich waren zuletzt noch die expansionshungrigen deutschen Konkurrenten Reno und Görtz mit im Bieterrennen.
»Stiefelkönig ist eine der bekanntesten Marken am österreichischen Schuhmarkt und verfügt nach wie vor über gute Sympathiewerte«, bezweifelt Gottfried Maresch, Vorstandsvorsitzender von Leder & Schuh, einen nachhaltigen Imageschaden für die Marke Stiefelkönig durch den jahrelang andauernden Verkaufsprozess. »Die Marke hat Potenzial zu einer deutlicheren Positionierung im gehobenen Segment. Unser strategisches Ziel ist es daher, Stiefelkönig wieder stärker in diesem gehobenen Segment anzusiedeln«, sieht der Schuhhandelsprofi weitere Wachstumschancen. Ziel sei vorerst aber einmal, möglichst viele Arbeitsplätze und Geschäfte zu erhalten.
»Standorte, die sich nicht für eine Re-Positionierung eignen, möchten wir an Mitgliedsunternehmen von Ringschuh übergeben, um eine Fortführung der Filialen sicherzustellen«, kündigt Maresch an. Der Händlerverbund Ringschuh, wie Leder & Schuh und Stiefelkönig ebenfalls in der österreichischen Schuhhandels-Hauptstadt Graz ansässig, vereint 170 selbstständige Schuhhändler, die auf 250 Geschäfte und einen Marktanteil von etwa 10 % kommen. Gedacht sei daran, dass »einzelne Schuhfachhändler einzelne Standorte übernehmen«, so Maresch. Vermutlich eignen sich nur die Standorte in den großen Städten zur Positionierung »in Richtung klassische Eleganz« (Maresch), während Geschäfte am Land weitergereicht werden sollen. Diese Vorgehensweise ist wohl auch ein Entgegenkommen gegenüber der Bundeswettbewerbsbehörde, deren Zustimmung für die Übernahme noch erforderlich ist. Schließlich liegt ab einem Marktanteil von 30 % laut Gesetz eine marktbeherrschende Stellung vor, womit ein kartellrechtliches Verfahren wahrscheinlich wäre.
Doch auch wenn Leder & Schuh knapp unter der 30-%-Hürde bleiben sollte, schreitet die Konzentration im Schuhhandel durch die Zerschlagung der Gruppe deutlich voran: Ein Gutteil der Turbo-Schuh-Filialen ging bereits 2009 an Deichmann, die nunmehrige Nummer zwei am österreichischen Schuhmarkt. Die Vertriebsschiene Delka wiederum wurde im heurigen Februar von der deutschen Salamander-Gruppe gekauft, die ihr Filialnetz dadurch mit einem Schlag von 34 auf 69 Standorte verdichtete.