Der ganz normale Wahnsinn: H&M x Lanvin
23.11.2010
Schlange vor einer H&M Filiale in London (c) vogue.com UKPräsentation der Kollektion in New York (c) H&M

Der Verkauf der alljährlichen Designer-Kollektion von H&M startete heute in Österreich. Mit bunten Bändchen, einem Gong und glückseligen Frauen.

Wien, Innere Stadt, 9 Uhr. Normalerweise tummeln sich um diese Zeit auf Kärntnerstraße und Graben vorwiegend Menschen, die zur Arbeit unterwegs sind, denn viele Geschäfte öffnen erst um zehn. Heute ist alles ein wenig anders, denn heute fiel der Startschuss für den Verkauf der H&M-Kollektion, die in Zusammenarbeit mit Lanvin entstanden ist. Die beiden Wiener Filialen im ersten Bezirk waren der Schauplatz. Der PR-Wirbel im Vorfeld gigantisch. Der eigentliche Shoppingzirkus vergleichsweise harmlos.

Um neun Uhr öffneten heute die beiden Stores ihre Pforten. Doch hinein kam nur, wer ein buntes Bändchen um die Hand hatte. Alles andere als bunt war der fest vorgeschriebene Ablauf: 16 Farben, 16 Zeit-Slots mit jeweils zehn Minuten Zeit, um die Teile seiner Träume an sich zu raffen. Pro Slot maximal 20 Leute, die in den eigens abgesperrten Bereich innerhalb des Shops durften. Apropos: Startschuss war das falsche Wort für den heutigen Tag, vielmehr fiel ein Startgong! Jawohl! H&M-Mitarbeiterinnen, die nebst zahlreichen Securities und Sanitätern die Chose beaufsichtigten, waren mit Mini-Gongs ausgestattet, um die ominösen zehn Minuten einzuläuten. Kein Scherz!

Die TZ-Redaktion wollte das Spektakel beobachten. War gemütlich um 08:45 Uhr vor Ort. Eigentlich in der Annahme sowieso kein Bändchen mehr ergattern zu können, aber siehe da: Ohne Probleme gab es ein orangefarbiges Armband, das zu einem Eintritt von 11:00 bis 11:10 berechtigte. Nun gut, wenn schon, denn schon.

Während man nun also zwei Stunden abwarten musste, um ins Allerheiligste zu gelangen, kamen die ersten Damen aus der Filiale am Graben schon wieder heraus. Männer hatten zwar freien Zugang, fühlten sich von Lanvin aber offensichtlich nicht so angesprochen wie die Damen. Eine strahlende junge Frau war selig: »Ich bin einfach nur glücklich!« Verrückt, wie einfach man Leute glücklich machen kann. H&M schafft es offenbar. Seit viertel sechs hatte sie vor dem Geschäft gewartet, war mit der ersten Gruppe um neun Uhr ins Geschäft gekommen und hat nun endlich das heiß ersehnte Kleid und ein T-Shirt ergattert. »Bei der Kooperation mit Jimmy Choo ist es wesentlich schlimmer zugegangen! Damals haben sich die Leute fast die Köpfe eingeschlagen. Heute waren es weniger und ältere Leute, die nicht so gedrängelt haben«, erzählt die Frau. Und schwebt glücklich davon. 

Um 11:00 geht es los. Securitys kontrollieren die Bänder. Eine Lautsprecherstimme im Store gibt bekannt: »Die zehn Minuten für die orange Gruppe beginnen jetzt!« Gong! Der erste Weg der meisten Damen führt zu den T-Shirts. Die weißen Leiberln sind mit Pailletten, Mascherln und Tüll dekoriert. Typisch Lanvin. Um 29,90 €. Das tut nicht weh. Also mitnehmen. Ausverkauft sind bereits eine Perlenkette mit Stoffblumen und eine transparente, schwarze Tülljacke. Auch bei den Taschen und Schuhen ist die Ware um 11 Uhr bereits ausgesucht. Kleider, Blazer und Mäntel sind noch zu haben. Nicht immer in der richtigen Größe, aber was soll's. Ist ja Lanvin. Dieser Gedanke scheint sich in vielen Shopaholic-Gehirnen verankert zu haben. Da spielt es dann auch weniger eine Rolle, dass ein Kleid immerhin 150 € kostet. Ein Kleid von H&M wohlgemerkt. Aber die Illusion, man habe sich ein Teil von Lanvin gekauft, siegt. Bis 13:10 Uhr konnten die auserwählten Gruppen noch exklusives Shopping betreiben. Danach öffneten sich die Absperrungen für die Allgemeinheit. Restlverwertung. 

Im Online-Shop gibt es um 14 Uhr kaum noch Reste. Beinahe alle Produkte der Damenkollektion sind ausverkauft. Wer bereits in der Früh sein Glück online versuchen wollte, hatte bald Pech. Der Shop war immer wieder inaktiv auf Grund von »Aktualisierungsarbeiten«.

Das Fazit: die H&M x Lanvin Kooperation ist schön bunt, feminin und sexy. Offene Saumkanten an Seidenkleidern sind laut H&M-Mitarbeitern »Haute Couture«. Das versteht leider nicht jeder und meckert über die schlechte Verarbeitung. Qualität hin oder her. H&M ist wieder eine großartige Inszenierung gelungen. Mit extrem hohem Unterhaltungswert. Gong!