Hunderte Verletzte, verwüstete Fabriken und brennende Autos – die Fabrikarbeiter aus Bangladesch meinen es ernst mit ihrem Kampf um höhere Löhne. In tagelangen Demonstrationen forderten mehr als 100.000 Arbeiter eine Verdreifachung des derzeitigen Mindestlohns von umgerechnet 20 € pro Monat.
Die Polizei feuerte nach eigenen Angaben Tränengas und Gummigeschoße in die Menge. Um weitere Verwüstungen zu verhindern, wurden rund 250 Fabriken sogar vorübergehend geschlossen. Der ökonomische Schaden ist laut der Vereinigung der Fabriksbesitzer enorm.
Bangladesch ist eines der billigsten Länder für die Produktion von Bekleidung. 3,5 Mio. Menschen sind direkt in der Textilerzeugung beschäftigt. Damit ist die Branche der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes. Der Export von Kleidungsstücken an Großabnehmer wie H&M, Marks&Spencer, Metro oder Inditex macht vier Fünftel aller Ausfuhren aus.
Nachdem bereits in der Vergangenheit immer wieder Großdemonstrationen gegen niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen stattgefunden hatten – im Vorjahr waren bei den Protesten sechs Menschen ums Leben gekommen – hatte die Regierung im Jänner eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Gewerkschaften, Herstellern und Experten eingesetzt, die sich auf eine Tarifreform einigen sollte. Bisher wurden jedoch keine Fortschritte vermeldet.