Neuer Kollektivvertrag für den Handel

Der neue Kollektivvertrag für den Handel bringt höhere Einstiegsgehälter, Älteren werden weniger Vordienstzeiten angerechnet.

 

Dreieinhalb Jahre und vierzig Verhandlungsrunden hat es gebraucht. Doch nun steht der komplett neue Handels-Kollektivvertrag. Die wichtigsten Eckpunkte: höhere Einstiegsgehälter, Deckelung der Vordienstzeiten, mehr Rechtssicherheit bei den Tätigkeitsgruppen, ältere Arbeitnehmer werden leistbarer.

Neue Beschäftigungsgruppen

Beseitigt wurde auch eines der Hauptprobleme am bisherigen Kollektivvertrag: die Palette an unüberschaubaren Beschäftigungsgruppen, teils für Berufe wie Geldboten oder Datatypist, die es gar nicht mehr gibt, dazu noch mit Sonderregelungen in einigen Bundesländern. Stattdessen gibt es nun bundesweit eine einheitliche Gehaltstafel mit nur noch acht Beschäftigungsgruppen – von der einfachen Hilfstätigkeit über klassische Verkaufstätigkeiten mit oder ohne leitender Funktion bis hin zur Geschäftsführungsebene.

Höheres Einstiegsgehalt

Im Modehandel wird der überwiegende Teil der Mitarbeiter künftig in der Beschäftigungsgruppe C einzuordnen sein. Das Mindestgrundgehalt beträgt hier 1.600 Euro brutto im Monat (statt bisher 1.546 Euro). Damit werde die Branche für Berufseinsteiger interessanter, betonen die Sozialpartner. Anders als bisher sind künftig zwischen dem 4. und dem 13. Berufsjahr insgesamt vier Gehaltsvorrückungen auf maximal 1.960 Euro brutto vorgesehen. Im alten Schema verharrten die Beschäftigten hingegen neun Jahre auf der gleichen Gehaltsstufe, hatten danach aber insgesamt fünf Vorrückungen, die letzte davon im 18. Berufsjahr.

Deckelung der Vordienstzeiten, mehr Karenzzeiten

Neu eintretenden Mitarbeitern werden künftig weniger Vordienstzeiten angerechnet – nämlich maximal sieben statt bisher 18 Jahre. »Dadurch werden erfahrene Mitarbeiter wieder leistbarer«, so Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der WKO. Verbessert wird die Anrechnung der Karenzzeiten: Diese werden künftig mit bis zu 22 Monaten pro Kind berücksichtigt, auch bei Vorrückungen. Damit werde eine der Hauptursachen für den Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern beseitigt, meint Spitzengewerkschafter Wolfgang Katzian.

Übergangsfrist bis 2021

Die neuen Regelungen gelten für 404.000 Angestellte und 80.000 Betriebe im Einzel-, Groß- und KFZ-Handel und treten mit 1. Dezember 2017 in Kraft. Es gilt jedoch eine Übergangsfrist von vier Jahren. Bis spätestens Dezember 2021 muss jeder Betrieb ins neue System umsteigen. Die gesamte Belegschaft muss allerdings auf einmal umgestellt werden. Für den Übertritt vom alten ins neue System gibt es eine Reihe von Sonderregelungen, die die Mehrkosten stark begrenzen. So werden Mitarbeiter beim Übertritt nicht nach ihren tatsächlichen Berufsjahren neu eingestuft, vielmehr erfolgt die Einstufung in der Gehaltsstufe mit dem nächsthöheren Mindestgehalt. Eine Mitarbeiterin, die in Beschäftigungsgruppe 2 im 8. Berufsjahr 1.546 Euro verdient, wird somit im neuen System in Beschäftigungsgruppe C in Stufe 1 (1. bis 3. Jahr) mit 1.600 Euro eingestuft. Eine Mitarbeiterin im 14. Berufsjahr mit bisher 1.808 Euro rutscht künftig in Stufe 4 (10. bis 12. Jahr) und erhält 1.870 Euro. Dabei werden auch Überzahlungen angerechnet. Informationsveranstaltungen zum Thema werden von der Wirtschaftskammer auch in den Bundesländern angeboten. Nicht betroffen von der Reform sind die in der Branche verbreiteten Umsatzprovisionen oder Prämiensysteme, die generell nicht Teil des Kollektivvertrags sind. Bei den Verhandlungen der Sozialpartner ausgeklammert wurde außerdem vorerst das Thema der Öffnungszeitenzuschläge. Diese sollen nun in einem nächsten Schritt gesondert verhandelt werden.

Von: Manuel Friedl

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