1. Halbjahr: Modehandel wächst um 1%

Der Einzelhandel darf sich im ersten Halbjahr 2017 über deutliche Zuwächse freuen. Der Modehandel konnte seine Vorjahresverluste hingegen noch nicht wettmachen.

Heiß-Kalt gab es für den Modehandel im ersten Halbjahr 2017. Auf einen guten Frühjahrsstart folgte ein viel zu kaltes und verregnetes Ostergeschäft. Der heiße Mai sorgte dann wieder für erfreuliche Umsätze. Im Juni gab es trotz schlechter Voraussetzungen (zwei Verkaufstage weniger!) immerhin ein Umsatzplus von 1,2 %. All das bedeutet unterm Strich für den stationären Modehandel per Ende Juni immerhin ein Umsatzplus von 1,0 %. Damit war es das beste erste Halbjahr seit immerhin 2011. Soweit das Erfreuliche. Bezieht man jedoch auch die Vorjahre in die Betrachtung mit ein, relativiert sich das Ergebnis etwas. Denn tatsächlich wurden mit dem Umsatzanstieg von 1,0 % nicht einmal die Verluste des 1. Halbjahres 2016 (- 1,3 %) wettgemacht. Und da auch die Jahre davor nur ganz geringe Wachstumsraten und teilweise sogar deutliche Rückgänge brachten, liegen die Umsätze in der Branche 2017 praktisch exakt auf dem Niveau des Jahres 2010. Darüber hinaus hat auch die Inflation wieder angezogen. Unter Berücksichtigung der gestiegenen Preise sank das Absatzvolumen im 1. Halbjahr sogar um 0,2 %.

Wie dem auch sei: Im Vorjahresvergleich schlugen sich v. a. die Modegeschäfte in den östlichen Bundesländern gut (+ 2,2 %), während jene in den südlichen Regionen das Halbjahr tendenziell negativ (- 1,1 %) abschlossen (Westen: + 0,7 %). Überhaupt sind die Ergebnisse sehr uneinheitlich: Immerhin 45 % der Geschäfte melden Umsatzrückgänge, nur ganz knapp mehr (47 %) Zuwächse, der Rest keine Veränderung. Klar besser als der Markt schlugen sich unabhängige Einzelhändler innerhalb und außerhalb von Verbundgruppen (+ 5,6 % bzw. + 2,2 %), während Filialisten eher schwächelten (+ 0,5 %). Auch nach Unternehmensgrößen taten sich Mittelständler (Jahresumsatz zwischen 1 und 4 Mio. €) deutlich leichter (+ 4,2 %) als große Tanker (Jahresumsatz ab 4 Mio. €: + 0,1 %).

Einzelhandel deutlich im Plus

Weit erfreulicher stellt sich die Lage für den stationären Einzelhandel insgesamt dar: »Wir verspüren einen kräftigen Aufwind, der Handelsturbo ist gestartet«¸ berichtet WKO-Spartenobmann Peter Buchmüller. »Das erste Halbjahr 2017 war mit einem Plus von 2,5 % (real: + 1,4 %) das beste erste Halbjahr seit 2010. Wir sprechen dabei immerhin von einem Mehrumsatz von 800 Mio. €.« KMU-Forscher Ernst Gittenberger pflichtet bei: »Der Konjunkturaufschwung hat endlich auch den Einzelhandel erreicht.« Denn auch 2016 hätten die Konsumausgaben bereits deutlich angezogen – nur wäre das Geld eher in langfristige Investitionen (Wohnen, Pkw) geflossen. Auch die Sparquote stieg im Vorjahr deutlich. Nun profitiert also auch der Handel - »jedoch nicht alle Branchen gleichermaßen«, so Gittenberger. An vorderster Stelle rangiert mit + 5,6 % der Lebensmittelhandel. Dass modische Artikel durchaus gefragt sind, zeigt der Schuhhandel, der mit + 3,0 % drei Mal so stark zulegen konnte wie der Bekleidungshandel und mit März und Mai sogar zwei Monate mit zweistelligen Wachstumsraten aufweisen konnte. Und auch der Sportartikelhandel lief mit + 2,7 % überdurchschnittlich gut. Fazit: Während sich einige Handelsbranchen bereits jetzt über eine kräftige Belebung des Geschäfts freuen können, muss sich der Modehandel noch ganz schön anstrengen, um bis zum Jahresende zumindest das Minus von 1,6 % aus dem Jahr 2016 wieder aufzuholen. Der konjunkturelle Rückenwind dafür wäre zumindest da. Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Konsumentenstimmung ist so gut wie seit vielen Jahren nicht.

Von: Manuel Friedl

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