Great Viu

Fabrice Aeberhard, Creative Director beim Schweizer Brillenlabel Viu, erzählt im Interview von Expansion, 3-D-Druck und den Parallelen zur Modewelt.

Viu steckt derzeit viel Energie in die Expansion. Wie ist der Status quo derzeit? Wie viele Läden gibt es bereits?

Fabrice Aeberhard: Viu setzt auf ein Omnichannel-Vertriebskonzept und dazu gehören neben Onlineshop und Partnerstores auch eigene Läden – aktuell 25 Stück international. Wir haben in der Schweiz mit den ersten Flagshipstores gestartet, hier gibt es mittlerweile neun Stück. Als zweiter Markt kam 2015 Deutschland hinzu, wo wir mittlerweile mit eigenen Stores in mehr oder weniger jeder größeren Stadt vertreten sind, darunter München, Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart und Köln. Mit unserem Store in Berlin Mitte – bereits der zweite in der Hauptstadt – haben wir im Juli unseren zwölften deutschen Flagshipstore eröffnet. Im Juli 2016 erfolgte mit der Eröffnung des Wiener Flagshipstores die Expansion nach Österreich. In 2017 folgten Graz und Salzburg. Im Juni haben wir außerdem unseren ersten Store in Kopenhagen, Dänemark eröffnet. Skandinavien, insbesondere Dänemark und Schweden, sind sehr interessante Märkte für uns, in denen durchaus weitere Läden geplant sind. Dabei sind die Läden die lokalen Erlebniswelten der Marke – dennoch ist der Online Shop keineswegs unwichtig. Fast jeder zweite Kunde beginnt seine Reise bei Viu über den Online Kanal – Webseite, Facebook, Instagram et cetera. Zudem bieten wir mit unserem Try-at-Home (vier Brillen vier Tage kostenlos testen) ein attraktives Konzept, insbesondere in Regionen und Märkten, in denen wir keine physischen Standorte haben.

Was ist Ihnen beim Design von Brillen und Sonnenbrillen wichtig?

Transparenz und Qualität sind zentrale Werte bei Viu: Wir wollen weder große Labels imitieren noch Massenware herstellen. Die oberste Priorität ist es, ein unvergleichbares, einzigartiges Produkt zu schaffen. Das Design erfolgt durch unser Designteam in der Schweiz, anschließend wird jede einzelne Brille in über 80 manuellen Schritten in einem italienischen Traditionsbetrieb in den Dolomiten und auf der japanischen Insel Honshu handgefertigt. VIU Brillen sind mondän, aber dennoch zeitlos – hochwertige Designklassiker, die man über Jahre hinweg tragen kann. Neben dem Design legen wir auch großen Wert auf eine hervorragende Verarbeitung. Bei den Materialien setzen wir auf hochwertiges Baumwollacetat aus Italien sowie 100% »Titanium Pure« aus Japan. Baumwollacetat ist leicht, langlebig, gleichzeitig aber auch flexibel und in vielfältigen Farben verfügbar. Titan hingegen ist eines der exklusivsten Rahmenmaterialien – praktisch unzerstörbar und unvergleichlich leicht. Japanische Titanbrillen sind in ihrer Qualität und Liebe zum Detail unschlagbar.

Wie haben sich die Ansprüche der Brillenkunden in den letzten Jahren verändert?

Die Ansprüche wachsen natürlich mit dem Alter einer Marke. Zu Beginn gab es mit Sicherheit einen kleinen »Start-up Bonus«, aber heute ist das Mantra bei Viu Perfektion auf ganzer Linie. Dies beginnt beim Produkt, aber beinhaltet natürlich auch das Erlebnis im Store, Customer Service et cetera – der Kunde sollte bei jedem Kontaktpunkt mit Viu positiv überrascht sein. Keine leichte Aufgabe, aber wir hoffen, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Wie wichtig ist der technologische Aspekt in Ihrer Arbeit? Stichwort: Archetype Collection, die mit 3-D-Druck arbeitet…

Da sprechen Sie ein interessantes Thema an: Die Idee, eine 3-D-gedruckte Viu Brille anzubieten, bestand schon seit Längerem. Der 3-D-Druck ist ein hoch innovatives und technologisches Produktionsverfahren und birgt zwei sehr entscheidende Vorteile: Die Individualisierung, das heißt der Kunde erhält eine für ihn angepasste und individuell gedruckte Brille, sowie die Zero Waste-Produktion – denn es wird bei der Herstellung immer nur so viel Material verwendet, wie benötigt – der Rest des Polyamidstaubs wird wiederverwertet im Druck der nächsten Brille. Der Prozess war dann aber keineswegs einfach – wir haben insgesamt mehr als zwei Jahre in die Forschung und Entwicklung der Viu Archetypes Collection investiert. Aus Entwicklungssicht eröffnet der 3-D-Druck eine endlose Design-Freiheit im Vergleich zu traditionellen Herstellungsmethoden. Das heißt, wir können sehr viel experimentieren und ausprobieren, was für ein designgetriebenes Unternehmen wie Viu sehr wichtig ist. Auch ist es als Brillenhersteller unser Bestreben, im Bereich Technologien stets State-of-the-Art zu sein.

Erleben wir gerade ein »goldenes Zeitalter« für Brillen?

Definitiv! Die Zeiten, in denen man sich für das Tragen einer Brille schämen musste, sind vorbei – Korrekturbrillen sind zu Statement Accessoires avanciert. Da muss man nur mal auf die Laufstege schauen – Brillen sind überall und wir gehen natürlich davon aus, dass sich die Brille als stilvolles und hochwertiges Accessoire auch langfristig etablieren wird. Die Brille als Fashion Accessoire ist auch einer der impliziten Grundgedanken von Viu. Wir bieten eine große Auswahl an zeitlosen und einfach schönen Brillengestellen und das zu einem sehr fairen Preis. So können sich Brillenträger auch mehrere Modelle auf einmal leisten und je nach Outfit und Lust und Laune kombinieren.

Wie wichtig sind Ihnen Kapsel-Kollektionen und Kooperationen?

Wir verstehen Kollaborationen und Limited Editions als Erweiterung unseres Sortiments. Als Ergänzung zur regulären Kollektion ist die Zusammenarbeit mit ausgewählten Kooperationspartnern fester Bestandteil der Viu DNA. Sie fördert den kreativen Austausch und natürlich können wir hier auch nochmal wesentlich experimentierfreudiger sein, Neues ausprobieren und ausgefallenere Frames und Farben anbieten. Bei Kooperationen geht es uns primär darum, gemeinsam mit einem Partner etwas Neues und Besonderes zu schaffen, insofern ist die primäre unternehmerische Zielsetzung vor allem das Brand Building. Aber auch einen Mehrwert für beide Marken zu schaffen, zum Beispiel durch die Ansprache neuer Zielgruppen, ist spannend. Auch aus PR- und Marketingsicht sind Markenkooperationen sehr attraktiv, da sie einen hohen Newswert bieten.

Sie sind auch für das Store-Design verantwortlich. Was muss man bei der Präsentation von Brillen beachten?

Wir versuchen bei Viu den Designansatz konsequent auf allen Ebenen durchzudeklinieren. Von den Brillen bis zu den Stores sollte dabei alles aus einer Hand kommen und die Swissness, das Reduzierte, findet man sowohl beim Produkt als auch in den Stores wieder. Die Stores sind an einen sehr cleanen Fashionstore angelehnt, das heißt der Kunde soll nicht wie bei einem klassischen Optiker in eine 1x1-Beratung geführt werden, sondern das Produkt selbst entdecken, ausprobieren und erleben können. Dabei ist die Brille gar nicht so anders als ein Kleidungsstück – für eine optimale Wirkung bedarf es Platz, das heißt jede einzelne Brille hat ihr eigenes Mini-Podest, dazu eine gute Beleuchtung.

Wie lassen sich Brillen in einen Modeladen integrieren? Welche Möglichkeiten gibt es neben dem klassischen Drehständer?

Von Drehständern nehmen wir bewusst Abstand. Die raumübergreifenden Systemwände sind fester Bestandteil unseres POS-Konzepts und werden für jeden Store individuell entwickelt, um sich den lokalen Gegebenheiten anzupassen. Für unsere Partnerstores bieten wir hochwertige und moderne Präsentationsmöglichkeiten. Zum einen Wanddisplays, die unser Konzept der Brillenwand inklusive Tablaren 1:1 widerspiegeln. B2B Kunden können das Material der Wand sowie die Größe frei wählen. Es gibt sie freistehend, auf Wunsch werden die Wände aber auch eingebaut. Eine andere Präsentationsmöglichkeit sind auf Tischen platzierte weiße Holzfliesen. Die Brillen werden einfach dekorativ darauf arrangiert. Auch verschieden große Blockdisplays aus z.B. Holz oder Marmor sehen hochwertig und interessant aus.

Sie sind auch Mitbegründer des Labes Qwstion. Erst Taschen, nun Brillen: Was finden Sie am Accessoires-Markt spannend?

Eigene Marken aufzubauen und dies in verschiedenen Gebieten hat mich schon immer gereizt. Den Beginn machte hierbei Qwstion, allerdings folgte 2010 bereits »The Sire« – eine exklusive Hornbrillenmarke, die vor allem in ausgewählten Optiker-Boutiquen vertrieben wurde. Insofern hatte ich schon vor Viu Erfahrung mit dem Design von Brillen. Da wir uns bei Viu als Fashionunternehmen verstehen, sind der Vielfalt der Produkte kaum Grenzen gesetzt. Allerdings haben wir im Moment noch so viele Ideen im Bereich der Brillen und mein Credo war schon immer: Wenn du etwas tust, dann tu es richtig. Insofern machen wir nichts, von dem wir nicht auch 100% überzeugt sind.

 

Einen ausführlichen Trendreport zum spannenden Thema Brillen finden Sie in der aktuellen Printausgabe der Österreichischen Textilzeitung vom 3. August 2017.

Von: Birgit Nemec

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