Berlin Calling

»Gefühlt weniger Frequenz, trotzdem gute Stimmung auf der Fashion Week Berlin.«

Montagabend in Berlin Charlottenburg. Statt der befürchteten 30 hat es angenehme 20 Grad – die Erleichterung scheint in der ganzen Stadt spürbar. Kein Wunder, schließlich habe man wetter-technisch in Berlin zur Zeit der Modewoche »schon alles erlebt«. Ein neu aufgestellter Schauenkalender und ein abwandernder Hauptsponsor bringen zusätzliche Variablen ins Spiel. Obwohl Berlin ein wichtiges Drehkreuz der internationalen Modeszene bleibt, wird seine Zukunft von nicht ganz unwesentlichen Fragen überschattet. Wird das Programm der Fashion Week heuer ungehindert weiterlaufen? Wie gehen Messebesucher und Aussteller mit den Veränderungen um? Auch wie es im nächsten Jahr weitergehen soll, weiß keiner.

Square One


Als Fashion Week Debütantin bin ich froh, mir am Vorabend des offiziellen Startschusses am Dienstag genug Zeit nehmen zu können, um die Termine der bevorstehenden Tage zu koordinieren. Welche Show wo stattfindet, ist nicht nur ausschlaggebend für die Routenplanung. Große Distanzen zwischen den unterschiedlichen Locations belasten auch den straffen Zeitplan, der von allen Beteiligten eingehalten werden muss um nahtlose Übergänge zu garantieren. Der Tag beginnt zeitig. Erster Halt: Greenshowroom im Berliner Funkhaus am Spreeufer im Osten der Stadt. In der neuen Location werden edle Designs und hochwertige Qualitäten auf nachhaltiger Basis präsentiert – dafür steht der Greenshowroom wie kein anderes Mode-Event in Europa. Der neue Standort kommt bei Besuchern sowie bei den Ausstellern durchwegs gut an. Zudem profitiert die grüne Modemesse von einem informierten Publikum, das sich nicht nur mit den Begrifflichkeiten der Fair Fashion auskennt, sondern auch angepasste Price Ranges akzeptiert. »Hier müssen wir uns nicht für den Preis rechtfertigen«, meint Verena Bellutti, Gründerin und Inhaberin vom nachhaltigen Taschenlabel Verena Bellutti. Die Tirolerin ist mittlerweile zum dritten Mal als Ausstellerin beim Greenshowroom während der Berlin Fashion Week dabei und fühlt sich mit ihrer jungen Brand auf der Spezial-Plattform gut platziert. Ein Rundgang durch die Halle führt mich an etablierten, wie auch an Newcomer Labels der nachhaltigen Modeszene vorbei. Geschäftsführerin Claudia Lanius spricht von der breiteren Aufstellung der gleichnamigen DOB-Marke und von der bevorstehenden Shop-Eröffnung in Zürich. Ein gutes Zeichen.

Art & Commerce

Zwischen der Modenschau von Sportalm und Rebekka Ruétz ist noch Zeit für einen Besuch auf der Premium. Die Modemesse gilt mit über 60.000 Besuchen und mehr als 1.400 Kollektionen auf ca. 23.000qm Fläche als die weltweit einzige Messe, die Fashion und Lifestyle im hochwertigen Segment in dieser Größe und Qualität zusammenstellt. Beim Fair Fashion Label People Tree erfahre ich, dass die nachhaltigen Marken die allgemeine Krise des Einzelhandels relativ gut überstanden haben. Dies mag vielleicht auch daran liegen, dass sich immer mehr faire Labels viel modischer präsentieren, als noch vor ein paar Jahren. Die Warenbilder wirken frisch und jung, sodass auch sie auch potenzielle Kundinnen ansprechen, für die der Modegrad über nachhaltigen Agenden steht. Auffallend ist zudem, dass auch sogenannte Fast Fashion Labels dem Trend zu mehr Umweltbewusstsein folgen. So launcht Selected Femme sein erstes T-Shirt, das in Zusammenarbeit mit der Better Cotton Initiative entstanden ist. Das zur Bestseller Group gehörende Unternehmen tue dies aufgrund von einer steigenden Nachfrage der Endkonsumentin, die Nachhaltigkeit auch zunehmend von Fast Fashion Labels einfordert. Die dänische Unternehmensgruppe Bestseller arbeitet an der Strategie »20 by 20«, die nachhaltige Lösungen für die fünf Fachbereiche Supply Chain Management, Workers, Products, Communities sowie Environment & Chemicals einschließt – Ein nobler Plan, der sich hohe Ziele für die nicht allzu weit entfernte Zukunft gesteckt hat. Dem gegenüber stehen etablierte Hersteller wie der Blusenspezialist Nadine H, der von Beginn an in Europa produziert, dies jedoch bis dato nicht nach außen kommuniziert. Ob der neue Claim NH made in Europe eine Kursänderung hin zum bewussten Konsum bei Endkonsumenten bewirkt, wird sich zeigen.

Fazit


Mittwochabend, eine Stunde vor meinem Abflug zurück nach Wien. Zum Glück kennt der Taxifahrer eine Abkürzung zum Flughafen Tegel. Ich verlasse Berlin vollgepackt mit vielen interessanten Begegnungen, eindrucksvollen Mode-Inszenierungen und der Erkenntnis, dass zweieinhalb Tage einfach viel zu kurz sind, um alle Hotspots Berlins unter einen Hut zu bekommen. Für die kommende Saison hoffe ich auf weiterhin motivierte Aussteller, die dem Wandel der Branche mit all ihren Herausforderungen standhalten und sich nicht von deren Launen beirren lassen. Schließlich lebt Mode von der Veränderung.

Von: Felicitas Call

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