Wiener Handgemachtes im Wier

Der eben erst in Wien eröffnete Laden Wier vereint ein kommunikatives Konzept mit Authentizität, Unternehmergeist und modischer Offenheit.

Wier – das sind Thomas Patz und Catherine Fischer vom Label Nullkommasiebenprozent sowie Jean-Philipp Niedzielski und Linus Merlin Resch von der Rucksack-Marke Franz Textilmanufaktur. Hinter dem Fantasiewort Wier stecken »Wien« und »Vier«, denn es sind genau die vier jungen, kreativen Köpfe, die sich eines Tages auf einem der vielen Designmärkte in Wien kennenlernten (u.a. Edelstoff, Fesch’markt) und bald entschieden, gemeinsam einen Store aufzumachen.

Ohne Fleiß, kein Preis

Wer schon eine Unternehmensgründung hinter sich hat, der weiß genau dass das Wort »selbst-ständig« nicht ohne Grund so heißt: Neben ihren regulären Bürojobs – fast alle der Mitglieder von Wier haben einen graphischen oder textilen Hintergrund und arbeiten oder studieren noch – hieß es Ladenlokal suchen, renovieren, designen, planen und und und. Aber Anfang Juli war es dann soweit: Ihrem Baby »Wier« wurde direkt gegenüber vom Westbahnhof am Neubaugürtel Leben eingehaucht. Keine schlechte Standortwahl, wie mir Catherine erzählt, vor allem Touristen und Wiener auf dem Weg zur Arbeit kommen gerne in das Geschäft, das im Souterrain liegt und schlichte weiße Wände mit einem Hauch »Industrie-Design« mixt. Mit dem frisch eröffneten und komplett »selfmade« Shop ist der Weg für die vier Kreativen hinter Wier aber noch nicht zu Ende. Demnächst soll ein Onlinestore für alle Nicht-Wiener und ausländischen Fans folgen und auch sonst mangelt es ihnen nicht an Ideen.

Von Hand gemacht

»Selfmade« ist im Wier aber nicht nur das Interieur, sondern vor allem die Kollektionen der Marken selbst. Die T-Shirts, Sweater und Jogger von Nullkommasiebenprozent entstehen etwa komplett per Hand mittels Siebdruckverfahren. Benutzt wird zertifizierte Biobaumwolle von Produzenten aus Indien und Afrika. Auch die Rucksäcke von Franz Textilmanufaktur sind komplett von Hand gemacht. Beide Labels setzen auf authentisches Design und qualitatives Material und das kommt an: »Es kommen immer wieder Leute auf uns zu, die wieder Produkte kaufen wollen, weil sie die Qualität beim täglichen Gebrauch merken - etwa beim Waschen - und wieder haben wollen«, so Catherine. Beide Marken haben große Pläne: Im Wier steht die Weiterentwicklung im Vordergrund, seien dies nun neue, innovative Marken für den Store oder ein neues Produktsortiment der eigenen Kollektionen.

»Do kemman d’Leit zam«

Auch das Konzept hinter Wier ist frisch und zeitgemäß: Ganz im Sinne des Trends der Hybrid-Stores, kann man im Wier nicht nur Mode und Accessoires kaufen, sondern in Magazinen blättern, Kunst von Wiener Künstlern begutachten oder einen Cider trinken und einfach nur verweilen. Anonymität und Steifheit ist nichts für die vier jungen Unternehmer hinter Wier. Stattdessen wünschen sie sich einen breiten Kundenstamm und gute Gespräche.

Die Offenheit des Wier zeigt sich auch im Sortiment, denn ausgestellt sind hier nicht nur die eigenen Kollektionen, sondern allerhand Labels, die perfekt zu den beiden Hausmarken passen, etwa auch Bademode aus Australien, Messingschmuck aus Wien oder Strandtücher aus Afrika. Die gelisteten Marken ändern sich ständig – es soll ja schließlich nicht langweilig werden! Wichtig ist dem Wier aber vor allem die Treue zu sich selbst: Der schlichte, unkomplizierte Streetwear-Stil, die Qualität und die Individualität sind für die vier eine echte Herzensangelegenheit!


Von: Christiane Marie Jördens

Kommentar

In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

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