Verkaufsflächen für Inspiration und Erlebnisse

Große Aufregung im Salzburger Handel: Die Landesregierung will keine neuen Verkaufsflächen an der Peripherie der großen Städte mehr zulassen.

Seit gut zehn Jahren geistert der Begriff Flächenwahnsinn schon durch die Branche. Waren es anfangs nur Innenstadt-Händler und Vertreter der Wirtschaftskammer, die vor zu viel Verkaufsflächen an den Stadträndern warnten, mischten sich in den letzten Jahren immer mehr Stimmen ins »Flächenwahnsinns«-Konzert. Immer öfter waren es auch Expansionsverantwortliche der großen Ketten, die vor einer Kannibalisierung der bestehenden Standorte durch immer neue Filialen warnten. Zuletzt dämmerte es dann sogar Vertretern der Immobilienbranche selbst, dass die Verkaufsflächen bei stagnierender Kaufkraft und zunehmender Abwanderung der Umsätze ins Internet nicht ewig weiter wachsen werden können. Das sagen schon die Grundrechnungsarten.

Salzburg sagt STOP

Nun hat das Bundesland Salzburg als erstes allen wichtigen Ausbauvorhaben einen Riegel vorgeschoben. Der Europark wollte seine Fläche um 11.000 Quadratmeter vergrößern, das Designer Outlet Salzburg um fast 15.000 Quadratmeter, XXXLutz ein neues Möbelhaus mit 13.000 Quadratmeter am Stadtrand von St. Johann/Pongau errichten. Auch ein neues FMZ in Oberalm hätte gebaut, ein weiteres in Bischofshofen vergrößert werden sollen. Doch all diese Anträge wurden nun von der Salzburger Landesregierung abgelehnt. Schon jetzt sei der Kaufkraftabfluss aus den Ortszentren an die Einkaufszentren zu groß, heißt es vonseiten der Politik. Die Aufregung bei den Betroffenen ist groß. Allen voran hat der Einkaufszentrenbetreiber SES Spar European Shopping Centers eine große Kampagne gestartet, in der vor Arbeitsplatzvernichtung gewarnt wird. Der Ärger ist aus Unternehmenssicht verständlich: Der SES-geführte Europark ist seit Jahren das bestgehende Einkaufszentrum Österreichs, der Quadratmeterumsatz von 9.600 Euro eine Benchmark für die Branche im gesamten deutschen Sprachraum. Eine Erweiterung wäre eine sichere Bank gewesen.

Qualität heißt nicht  Quantität

SES-Chef Marcus Wild hat auch recht, wenn er fordert, der stationäre Handel müsse sich angesichts der zunehmenden Konkurrenz aus dem Internet frei entwickeln dürfen. Es brauche »Flächen für Inspiration und Erlebnisse«, sagt Wild, und auch da ist ihm beizupflichten. Doch – siehe den obigen Hinweis auf die Grundrechnungsarten: Für den Europark mag der Umsatz durch eine abermalige Vergrößerung vielleicht mehr werden. Anderswo wird er schmerzlich fehlen. Klar ist eine Weiterentwicklung des Handels permanent notwendig, um attraktiv zu bleiben. Doch Qualität heißt nicht Quantität. Nicht immer ist größer tatsächlich auch besser. Derzeit gelingt es dem Europark auf den bestehenden 36.000 Quadratmetern jedenfalls hervorragend, Verkaufsflächen für Inspiration und Erlebnisse zu schaffen. »Angesichts der erkennbaren Fehlentwicklungen zu Lasten der regionalen Zentren und kleinstrukturierten Handelsbetriebe werden wir die Entwicklung der vergangenen 15 Jahre nicht weiter fortzusetzen», verkündet die zuständige Salzburger Landesrätin Astrid Rössler. Und weiter: »Neue Verkaufsflächenwidmungen sollen deshalb an regionalen Standorten zur Stärkung der Ortszentren und zentralen Orte in den Bezirken erfolgen.« Den Bau zusätzlicher Verkaufsflächen schließt Rössler damit also dezidiert nicht nur nicht aus – sie fordert ihn geradezu ein – allerdings zur Stärkung der Ortszentren in den Bezirken.

Business-Potenzial?

Tut sich hier nicht ein großes, neues Feld für Entwickler von Handelsimmobilien auf? Verkaufsflächen der Inspiration und der Erlebnisse könnten doch auch Städte wie Zell/See, Hallein, Tamsweg oder St. Johann/Pongau werden. Einige davon könnten den Rat und die guten Kontakte der großen Einkaufszentrenbetreiber vermutlich hervorragend brauchen.


Von: Manuel Friedl

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