Fashion Week Berlin: Highlights

Bei der Fashion Week Berlin dreht sich nicht alles nur um die großen, etablierten Labels, auch immer mehr Newcomer bekommen Starthilfe ins Modebusiness.

Die Fashion Week Berlin spielt sich längst nicht mehr ausschließlich im Zelt am Brandenburger Tor ab. Sondern zum Beispiel auch im Kronprinzenpalais, wo zum zweiten Mal der von Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp und Marcus Kurz initiierte Berliner Mode Salon mit Fokus auf deutschem Design stattfand. Der eigene Vogue Salon bot außerdem talentierten Nachwuchsdesignern die Möglichkeit, sich dem Fachpublikum zu präsentieren. Fixer Bestandteil der Modewoche ist mittlerweile auch die Vergabe des Designer for Tomorrow Awards von Peek & Cloppenburg, über den sich dieses Mal Mareike Massing freuen durfte.  

Spitze und Weiß

Definitiv kein Newcomer auf der Fashion Week Berlin ist Marc Cain. Hier tanzten am ersten Tag zarte Hippiemädchen in flatternd leichten Kreationen über den Laufsteg. Weite, fließende Blusen, Röcke und Hosen, Häkelspitze, Lochmuster und viel Weiß transportieren den neuen Boho-Look. Ein glänzender Tellerrock mit plakativem Printmix aus riesigen Blumen und Schmetterlingen in zarten Farben macht jede Frau zum Blumenmädchen.

Blumen und Pastell

Eine fixe Größe der Fashion Week Berlin ist mittlerweile Lena Hoschek. Dieses Mal zeigte die Grazerin eine romantische Kollektion inspiriert von der Provence. Detailverliebte Blümchendrucke, Nachbildungen provenzalischer Stoffe aus dem Jahr 1850, viele Blau-Weiß-Prints und zarte Paisleys schmückten feminine A-Linien-Kleider und Tellerröcke, wie sie die Hoschek-Fans kennen und lieben. Breite Spitzenborten an Taille und Saum betonten unifarbene Kleider. Blumen in Pastellfarben streute auch Riani – auf fließenden Kleidern und Blusen. Cognacfarbenes Wildleder stand hoch im Kurs und war als Short, Rock, Kleid und Mantel zu sehen. Die 70er-Jahre zitierten weiße Spitzen- und Lochmusterkreationen, Kleid und Hose mit vielen lustig schwingenden Fransen erinnerten ein wenig an die 20er. Zum zweiten Mal »off site« zeigte Kilian Kerner im Ellington Hotel. In einem Spiel mit Kontrasten präsentierte er einerseits fließende, weiche Formen für Kleider und Mäntel in zarten Farben, andererseits Styles mit klaren, fast harten Linien und ebenso starken, geometrischen Prints und Webmustern.    

Print und Farbe

Das erste Mal nicht im Zelt, dafür im Admiralspalast der Fashion Week Berlin zeigte Marcel Ostertag seine neue Kollektion. Die Inspirationsquelle Wüste ist allgegenwärtig und äußert sich unter anderem als realistischer Print von Sanddünen oder vertrocknetem Wüstenboden auf Kleidern, Bomber-Styles und fließenden, bodenlangen Kaftanen. Sehr kurze Oberteile werden sowohl in Neutrals als auch kräftigen Nuancen wie Pink zu hoch sitzenden, gleichfarbigen Röcken kombiniert. Große, aufgesetzte Taschen werden auf kurzen Overalls, sportiver geschnittenen Kleidern und knappen Shirts platziert. Besonders zart wirken Spitze und Tüll für elegante Kleider in Weiß oder ausdrucksstarkem dunklem Blau. Auchohne den Titel »A Touch Of Frida« hätte man die Inspirationsquelle für die Kollektion von Rebekka Ruétz wohl erkannt. Ähnlich wie die mexikanische Malerin griff auch Ruétz kräftig in den Farbtopf. Kräftiges Rot und Orange überraschten das Auge nach so vielen Pastelltönen. Das Highlight war ein farbenfroher, tropisch anmutender Print für Röcke und feminine Kleider mit transparenten, kurzen Ärmeln. Fließende Blusen und Kleider in Weiß erhielten durch bunte Schwalbensilhouetten-Prints kräftige Farbtupfer – die riesigen Gürtel sind dagegen eher weniger alltagstauglich. 

Experimentell und elegant

Ein wenig Heimatgefühl kam bei der Fashion Week Berlin im Garten des Kronprinzenpalais auf, wo die französischösterreichischeDesignerin Marina Hoermanseder ihre vonTrachten und Gewändern der österreichisch-ungarischen Monarchie inspirierte Kollektion vorstellte. Doch weit entferntvon altbacken zeigte sie skulptural anmutende Tulpenröcke, die ihre Lieblichkeit durch die sanften Farben und ein Meer an kleinen aufgenähten Blümchen erhielt. Wesentlich strenger wirkten da Kreationen wie ein optisch komplett aus Gürteln zusammengebundener Pencil Skirt oder ein Korsett aus dem 3D-Drucker. Eine sichere Bank, wenn es um elegante Roben geht, war dieShow des deutschen Lieblings-TV-Designers Guido MariaKretschmer. Pures Weiß und zartes Rosé sowie viele Blautönekamen für fließende, sommerlich leichte Kleider zum Einsatz, Blumenapplikationen brachten Struktur ins Spiel. Eine der erwähnten Newcomerinnen ist Annelie Schubert, die auf Einladung von Mercedes-Benz und Elle auf der Fashion Week zeigte. Die schweren Wollstoffe und ein (Fake?-)Pelz ließen zwar einige Betrachter etwas verwirrt ob der gezeigten Saison zurück. Ihre klare modische Handschrift, der fein ausgearbeitete Lagenlook mit sorgfältigen Drapierungen rechtfertigten den Auftritt aber allemal und lassen auf mehr von der Gewinnerin des »International Festival of Fashion and Photography« in Hyères hoffen.


Von: Birgit Nemec

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