Primark scheidet die Geister

Erst kürzlich sorgte die britische Diskontkette Primark mit ihrem Beitritt zum Textilbündnis sowohl für Frohmut als auch Missmut.

Vor einigen Tagen ist der Fast Fashion Retailer Primark dem deutschen Bündnis für nachhaltige Textilien beigetreten, das vom deutschen Bundesentwicklungsministerium (BMZ) 2014 ins Leben gerufen wurde, um die Modeindustrie dazu zu motivieren, sich hinsichtlich sozialer, ökonomischer und ökologischer Normen der Branche zu verpflichten. In welchem Zeitraum und wie die Schritte hinsichtlich Nachhaltigkeit jedoch genau geprüft werden, ist derzeit nocht nicht festgelegt. Bis 2017 will man mindstens 75 % des deutschen Retails für Textilien und Bekleidung abdecken. Aktuell sind es 175 Mitglieder und damit 55 % des Marktes: u.a. zählen Vaude, Trigema, Seidensticker, Hugo Boss, H&M und die Otto Group zu ihnen.

Good or bad?

Kämpft Primark nun für das Gute oder Böse ist die Frage der Fragen! Manch einer wird diese wohl mit einem klaren Nein beantworten, angesichts von versteckt eingenähten Hilferufen von Arbeitern in Primark-Textilien und »dezenten« Chemie-Duftwolken, die einem am Eingang eines Primark Stores mit Pauken und Granaten um die Nase wehen. Ob Vorfälle wie die Hilferufe nun Fälschungen waren oder nicht: Klar ist, Primark lässt hauptsächlich in Bangladesch, Indien, Pakistan und China produzieren. Und das sind allesamt Länder, die nicht für »Mitarbeiterfreundlichkeit« bekannt sind oder stolz »Fair Trade« auf ihre Fahnen schreiben können. Die Branche zeigt sich daher ob des neuen Mitglieds im Textilbündnis nicht gerade begeistert: So reagierte der Geschäftsführer der MDC Sportswear GmbH (Allgäu) nun mit der sofortigen Kündigung seiner Mitgliedschaft: Mit seiner Wegwerfmode stehe Primark für das genaue Gegenteil dessen, wofür sich das rein in Europa produziernde Sportmodenunternehmen einsetze. Primark, Lidl, Aldi, Kik und Tschibo seien für genau die Missstände verantwortlich, gegen die man im Textilbündnis ankämpfe.

Positives Feedback

Aber neben Social Media Shitstorms und Radau unter den Textilbündnis-Kollegen, erntet Primark für seinen Beitritt auch Schulterklopfer: Hessnatur-Chef Vivek Batra ist etwa davon überzeugt, dass das Konzept hinter dem Bündnis gerade jenes ist, dass die gesamte Branche zu Aktionismus bewegt werden soll. Vaude-Geschäftsführerin Antje Dewitz sieht das ähnlich: Wie sie sagt, sei das Textilbündnis ein Teamsport und die niedrige Eintrittsschwelle sei dafür da, Big Player der Modebranche ins Team zu holen. Die Prüfung der Einhaltung der Richtlinien würde die Wahrheit schon ans Licht bringen.

Genau diese Richtlinien und diese Prüfungen müssen allerdings erst erstellt und eben folglich durchgeführt werden. Es bleibt also abzuwarten, ob Primark in naher Zukunft seine großen Nachhaltigkeitsambitionen auch wirklich Schwarz auf Weiß vorweisen kann. Primark, Big Brother is watching you!


Von: Christiane Marie Jördens

Weitere Meldungen

Kommentar

In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

Lesen Sie mehr!