Minderjährige Models en vogue

Eigentlich gibt es minderjährige Models in der Welt der Mode und der Stars nicht erst seit gestern, nun aber häufen sich die kritischen Stimmen.

Modernes Aschenputtel

In der vergangenen Woche tauchten in den Schlagzeilen der Presseagenturen und in internationalen Magazinen wie Spiegel und Co. immer wieder Artikel mit den Wörtern »minderjährige Models« auf: Grund ist der jüngste Fashion-Skandal aus dem Hause Dior. Sofia Mechetner ist gerade einmal 14 Jahre jung, stammt aus Israel und lief kürzlich in einem wortwörtlichen Hauch von Nichts für Dior über den Laufsteg. Wie das Mädchen überhaupt dazu kam? Sie stammt aus sehr ärmlichen Verhältnissen, kümmerte sich rührend um ihre Geschwister, während ihre Mutter mit Müh und Not für Essen am Tisch sorgte und schlief auf einer Matratze am Boden. Die bewegende Geschichte der 14-Jährigen brachte das Mädchen ins Fernsehen. Dort wurde man auf ihr Äußeres aufmerksam, der entscheidende Durchbruch kam jedoch durch Raf Simons persönlich, der das Mädchen unbedingt für seine Dior-Show haben wollte: In einer transparenten, weißen Tunika sah man Sofia nun kürzlich bei den Haute Couture-Shauen und damit folgte auch schon der öffentliche Aufschrei zum Thema minderjährige Models.

Pädophiles Zielobjekt oder Kunst?

Mein Untertitel mag etwas drastisch wirken, doch bedenkt man, dass die Bilder von Sofia Mechetner um die Welt gehen und von enorm vielen Menschen gesehen werden, macht dies schon nachdenklich. Mit 14 Jahren befindet sich ein Mensch in einer sehr schwierigen Phase im Leben: Eigentlich ist man noch Kind, andererseits verändert sich der Körper – der lange Weg des Erwachsenwerdens beginnt. Gerade in diesem Alter wirken Mädchen auf Menschen mit pädophilen Neigungen besonders anziehend, was sicherlich viele Gefahren birgt. Ungeachtet dessen, befinden sich minderjährige Models mit ihrem Körper und ihrer Seele mitten in einem Prozess: Einflüsse von außen – welcher Art auch immer – können hier großen Schaden anrichten. Mechetner ist natürlich nur eine von vielen: Auch die Teenie-Töchter von Cindy Crawford und Vanessa Paradis »sollen« schon so früh wie möglich vor der Kamera stehen. Schließlich hat eine Model-Karriere ein frühes Verfallsdatum. Die Mädchen selbst streben angeblich zur Gänze aus eigener Motivation nach dem Gral der Mode, heißt es in den Medien. Auf kritische Nachfrage sagt die junge Israelin der »Jerusalem Post« etwa, laszive Mode sei eine Art Kunst - völlig unbeeindruckt von kritischen Stimmen.

(Model-)Träume sind Schäume

Ob es nun um minderjährige Models geht oder nicht – erotische Mode wird immer sowohl die richtigen als auch die falschen Leute ansprechen. Das ist Fakt. Allerdings spielt das Alter in der Modewelt eine mehr als bedeutende Rolle: Ich erinnere mich an meinen persönlichen »Ausflug« in die Modewelt: Während meines Studiums jobbte ich nebenbei gerne als Model, lief zu Castings und nahm auch an der international bekannten, nationalen Ausscheidung des Wettbewerbs »Elite Model Look« teil. Natürlich macht es Spaß als 21-Jährige in schöne Kleider zu schlüpfen, Komplimente von der Agenturchefin zu bekommen, am Laufsteg zu posieren und geschminkt zu werden - »Mädchen-Zeugs« eben! Allerdings wurde mir schon damals auf schockierende Art bewusst, wie das Credo der Model-Welt lautet: »Schlanksein ist alles!« Wenn 16-jährige Model-Kolleginnen stolz erzählen, dass sie zum Mittagessen einen Salt ohne Dressing gegessen haben und man dabei ihre markant hervorstehenden Hüftknochen unter dem eng anliegenden Shirt bemerkt, ist der Traum vom glamourösen Model-Leben schnell ausgeträumt und das Magerwahn-Klischee bestätigt. Ja, Manipulation ist im Model Business kein Einzelphänomen. Die Frage ist, was ein 14-jähriges KIND unter den Worten »Du bist zu dick!« versteht...


Von: Christiane Marie Jördens

Kommentar

In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

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