Marina Hoermanseder in aller Munde

Nicht erst seit der MQ Vienna Fashion Week vor einer Woche ziert sie so manchen Fashion Blog oder Modemagazinseite: Marina Hoermanseder.

Nein, diese Zeilen sollen kein Loblied auf die mittlerweile in Berlin lebende Wienerin, Marina Hoermanseder und ihre Mode sein. Schließlich haben dies bereits zahlreiche Kollegen vor mir übernommen. Vielmehr soll dieser Artikel ein bisschen zum Grübeln anregen – darüber, was Marina Hoermanseder zum Austro-Erfolgsexport werden ließ, warum das Heimatland immer »ein wenig länger braucht« und was ihre Mode eigentlich ausmacht.

Fetisch trifft Onkel Doktor

Lady Gaga war bereits Kundin von Marina Hoermanseder: ein untrügliches Zeichen dafür, dass ihre Mode »leicht« exzentrische Züge aufweist. Lack, Leder, Riemen und Schnallen sind die hauptsächlichen Stilmittel, mit denen die junge Designerin in ihren Kollektionen arbeitet. Sie lässt sich gerne von medizinischen Apparaten und orthopädischen Korsetts inspirieren, vermischt mit einem Hauch Fetisch. Aber wer nun denkt, die Mode von Marina Hoermanseder sei düster, hart und untragbar, der irrt: Erst kürzlich auf der MQ Vienna Fashion Week sowie im Juli in Berlin zeigte sie ihre Kollektion für F/S 2016, inspiriert von der österreichischen und ungarischen Tracht, verziert mit Lederblüten, Lochstickereien und in zarten Pastelltönen:. Strenge Schnallenröcke in Mint kombiniert sie etwa zu einer zarten, weißen Bluse und das auffällige Fetischkleid aus Hartplastik erinnert mit dem Tulpenrock an eine (leicht anzügliche) Prima Ballerina. So sieht also die Mode einer Marina Hoermanseder aus: exaltierte Couture und doch auch tragbar, stets mit authentischen Elementen, die sie beschäftigen. Modisches Mitlaufen mit der »Designermasse« sucht man bei ihr vergebens.

Steil nach oben

Man muss schon sagen: Nicht viele Designer aus Österreich bekommen international so viel Aufmerksamkeit wie aktuell Marina Hoermanseder – und das so rasch. Sie gründete ihr Label erst 2013, kurz nachdem sie ihr Studium an der Berliner Esmod absolviert hatte. Damals stieß ihre Kollektion auf so viel Gegenliebe, dass sie ihre Teile sogleich auf der Berliner Fashion Week zeigen durfte. Da fällt einem sogleich Designer-Kollegin Lena Hoschek ein. Auch für sie ist die Berliner Fashion Week mittlerweile wie eine Art Heimspiel: Die Deutschen lieben die Retromode der Grazerin. Hoermanseder sieht in Berlin ebenfalls eine (zweite) Heimat, wird hier gern gesehen und auch gefördert, so etwa durch das neu gegründete Fashion Council Germany, das die Wienerin als Nachwuchstalent für sein Mentee-Programm auserkoren hat.

Hoermanseder musste nach Deutschland gehen, um ein paar Jahre später in der eigenen Heimat gefeiert zu werden, den Modepreis der Stadt Wien zu bekommen und die neuen Uniformen der bekanntesten Fluglinie Österreichs designen zu dürfen. Immerhin darf man an dieser Stelle festhalten: Lange musste sie nicht auf den Beifall warten. Es hat sich bezahlt gemacht: Marina Hoermanseder ist in aller Munde!

Weitere Meldungen

Kommentar

In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

Lesen Sie mehr!