Karriereziel Mode

Welches kleine Mädchen träumt nicht von der eigenen Boutique, vom eigenen Atelier, von der großen glitzernden und schillernden Welt der Mode als Arbeitsplatz?

Von Buntstiften und Kritzeleien

Ja, ich gebe es zu! Auch ich war so ein verträumtes Mädchen; eines, das sich gerne mal in ihr Zimmer verkrochen hat, um – mit Buntstiften und Papierblock bewaffnet – den einen oder anderen wahrgewordenen Mädchentraum zu Papier zu bringen. Ok, ich gebe es zu: Realität und Fantasie waren damals wohl weit voneinander entfernt. Aber die »angehende Designerin in Sachen Mode« war dann doch ganz zufrieden mit ihren glamourösen - so glaubte sie - Kleiderentwürfen, die Namen wie Midnight Dream und Co. trugen. Besonders stolz präsentierte ich meine kreativen Ergüsse folglich meiner leidgeplagten Großmutter, die dank ihrer Karriere als Schneiderin meine Kritzeleien schlussendlich mit Garn und Stoff umsetzen musste und zwar genauso, wie Madame es sich im Kopf ausgemalt hatte. Dank Omas Talent gar nicht mal ein Ding der Unmöglichkeit!

Zurück auf den Boden der Tatsachen

So und nun genug mit dem romantischen Kindheitsgerede! Wie schafft man es nun wirklich als modeverliebter Teenie in den Modehandel oder in die –industrie? Dass Ersteres nicht so einfach ist und sich gerne eine Diskrepanz aus Lehrstellen und Lehrstellensuchenden ergibt, verdeutlicht das aktuelle Thema Ausbildung und Mode – nachzulesen in der aktuellen Ausgabe 17 der Österreichischen Textil Zeitung. Die Vorstellungen der Lehrlinge und die der Unternehmer gehen oftmals weit auseinander, obwohl Nachfrage nach gutem Personal besteht und der Handel als Arbeitgeber weit oben auf der Beliebtheitsskala rangiert. Die Industrie hat wiederum ganz andere Anforderungen: Wer seine Skizzen künftig in einem kleinen Atelier in Paris anfertigen möchte oder Stars und Sternchen einkleiden will, muss auch eine XXL-Portion Talent mitbringen und nicht nur das: Gute Designer und Labels gibt es wie Sand am Meer. In das Erfolgspaket Fashion Industry gehören ebenso Mut, Glück, Biss und eine Prise Verrücktheit oder auch mehr.

Seines eigenen Glückes Schmied

Wenn man nun all diese Dinge mitbringt, es geschafft hat, sich erfolgreich für Lehrstelle oder Studienplatz zu bewerben und seine Ausbildung oder sein Studium beendet hat, wartet die große, weite (harte) Welt der Mode. Empfangen wird man meist nicht mit offenen Armen. Da verhält es sich nicht anders als mit anderen Branchen. Allerdings gilt auch hier: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied: Selbstbewusstsein ist das A und O! Schließlich haben es Alexa Chung, Donna Karan oder Paul Smith nicht ins Business Mode geschafft, weil sie »graue Mäuse« sind. (Ersteres It-Girl gibt jetzt in Kooperation mit der britischen Vogue in einem Vlog auch Antworten auf Fragen zum Thema Mode und Industrie.) Große Persönlichkeiten der Mode stechen heraus -  mit Persönlichkeit, Authentizität und Einzigartigkeit. Die Mode verlangt immer auch ein Stück weit nach Inszenierung. Natürlich bleibt jedem selbst überlassen, in welchem Ausmaß er oder sie das machen will. Schlussendlich geht es beim Jobwunsch Mode wie in jeder kreativen Branche vor allem um Leidenschaft und Persönlichkeit. Alles andere ist harte Arbeit. Eh' scho wissn'!


Von: Christiane Marie Jördens

Kommentar

In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

Lesen Sie mehr!