Rückblick auf die Österreichischen Medientage

Am 22. und 23. September fanden die Österreichischen Medientage statt, ausgetragen vom Manstein Verlag, in dem auch die Österreichische Textil Zeitung erscheint.

Die Österreichischen Medientage - ein jährliches Gipfeltreffen der Medienbranche mit Vorträgen auch internationaler Gastredner und Diskussionsrunden führender heimischer Medienschaffender.

Düstere Stimmung

Die Stimmung bei solchen Treffen von Medienleuten ähnelt frappierend jener bei Kongressen der Handelsbranche: dunkle Wolken überall. Die Fronten sind schnell ausgemacht: Die klassischen Mediengattungen haben Probleme, der Feind ist das Internet. Google klaut die Inhalte der Qualitätszeitungen und macht damit Geld. Wollen die Medien hingegen selbst mit ihren Internet-Auftritten Geld verdienen und führen deshalb Bezahlschranken ein, bleiben die Leser fern. Besonders die jungen Konsumenten verbringen ihre Zeit lieber überhaupt auf Facebook oder Youtube als sich vor den Fernseher zu setzen oder ein Magazin zur Hand zu nehmen. Besonders der Autor und Gastvortragende Andrew Keen (»Das digitale Debakel«) zog auf den Medientagen viel Aufmerksamkeit auf sich. Eine seiner Hauptthesen: Durch die Digitalisierung gingen hunderttausende Arbeitsplätze verloren, während kaum neue geschaffen würden. Vieles spricht für Keen: Alleine am Hauptsitz von Kodak waren einst 200.000 Menschen beschäftigt, heute ist das Unternehmen Geschichte, und Fotos werden hauptsächlich mit Handys geschossen. Amazon hat weltweit Millionen Handelsmitarbeiter auf dem Gewissen, während das Unternehmen selbst nur einige zehntausend schlechtbezahlte Logistikjobs anbietet. Zweite These des Autors bei den Österreichischen Medientagen: In jedem Wirtschaftsbereich bleibt nur ein marktbeherrschendes Unternehmen übrig, das alle anderen überstrahlt. Suchmaschine = Google, Lexikon = Wikipedia, soziales Netzwerk = Facebook, Handel = Amazon. Mehr brauche es nicht. »The winner takes it all«, lautet diese These.  

Der Buchhandel lebt!

Am gleichen Tag, als Andrew Keen seinen Vortrag im Zuge der Österreichischen Medientage hielt, erschien in der New York Times ein ausführlicher Artikel über jene Branche, der als erster der Tod vorhergesagt wurde, als die Digitalisierung so richtig zu greifen begann: den Buchhandel. Wie das Karnickel vor der Schlange saßen die Buchhändler in den Jahren 2008, 2009, 2010 und verfielen angesichts der neuen Erfindung des E-Book Readers in Schockstarre. Dreistelligen Zuwachsraten (von welchem Niveau aus?) der E-Book-Verkäufe standen einstellige Umsatzrückgänge bei klassischen Büchern gegenüber. Und jene Kunden, die noch wirkliche Bücher kaufen wollten, taten dies immer öfter bei Amazon. Das Urteil der »Fachleute« war schnell gefällt: Die klassische Buchhandlung ist tot. Heute stagniert der Marktanteil der digitalen Bücher seit mehreren Jahren bei rund 20 %, in den ersten fünf Monaten 2015 waren die Verkäufe der E-Books sogar um 10 % rückläufig. Und Studien zeigen, dass selbst junge Leser, die vielbeschworenen Digital Natives, lieber auf Papier als auf Bildschirmen lesen. Am erfreulichsten ist aber, ebenfalls laut New York Times: Während der Branchenverband American Booksellers Association im Jahr 2010 1.410 Buchhändler mit 1.660 Geschäften zählte, erhöhten sich diese Zahlen bis 2015 auf 1.712 Handelsbetriebe mit 2.227 Niederlassungen. Verantwortlich für diese Entwicklung wird eine Serviceoffensive sowie eine bessere Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel gemacht. Verkürzte Lieferzeiten, verbesserte Verfügbarkeiten, kleinere Bestellmengen, gemeinsame Werbeinitiativen, mehr Datenaustausch.

Übrigens, um diesmal in den USA, in New York, zu bleiben: Auch die Taxler dort geben sich gegen den digitalen Wettbewerber Uber längst nicht geschlagen: Sie stellen ihre Flotte um und bieten Services, bei denen die privaten Uber-Fahrzeuge vermutlich nicht so leicht mitkommen: Sie setzen auf Minivans mit mehr Beinfreiheit, integrieren Ladegeräte für Laptop und Handy in ihre Sitze, investieren in ordentliche Klimaanlagen, kurz: Sie bemühen sich um ihre Gäste!


Von: Manuel Friedl

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In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

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