Die Millenials kommen!

Eigentlich stimmt der Titel so nicht, denn es ist schon längst da, das Zeitalter der Millenials.

Was das genau für Industrie und das moderne Marketing bedeutet, demonstrierte die Marketingexpertin Shama Hyder kürzlich in einem spannenden Workshop.

Sonntag, 11 Uhr vormittags: Brunch im Schanigarten des »totally bohemian« Cafes Blickweit in Baden nahe Wien. Natürlich muss das erstmal in den eigenen Instastories festgehalten werden, Hashtag-Emoji inklusive – ganz in Millenial-Manier! Ja, ich muss schon zugeben, auch an meinen täglichen Routinen und Eigenheiten wird deutlich: Ich gehöre zur Generation Y, den so genannten Millenials. Millenials sind laut Definition zwischen 1980 und 2000 geboren, sind als »Digital Natives« demnach mehr oder weniger mit den modernen Kommuniaktionsmedien, insbesondere Social Media, aufgewachsen und sind besser vernetzt als jemals eine Generation zuvor. Und das bedeutet vor allem für Unternehmen und Industrie eine enorme Herausforderung in puncto Marketing: Wie kommuniziere ich mit der Generation Y? Wie bekomme ich ihre Aufmerksamkeit und vor allem, was sind die Erwartungen der Millenials an mich als Brand?

Neues Paradigma Ökosystem

All diese Fragen thematisierte die junge erfolgreiche Unternehmerin Shama Hyder, CEO der Marketing Zen Group, vor kurzem in ihrem Workshop » Markt der Millenials erobern«, den sie im Zuge des werbeplanung.at Summits, im Novomatic Forum in Wien hielt. Ihr zufolge lautet das neue Marketing-Paradgima »Ökosystem«: Die Menschen sind heute buchstäblich die Medien. Heute müssen sich die Unternehmen an dem Publikum orientieren anstatt zu überlegen, wie man die eigenen Markenwerte am besten kommuniziert. Die Kunden haben stets die Wahl, wünschen sich vor allem einen »good deal«, der ihnen nachhaltigen Wert beschert.

How to?

Wie man nun am besten die Millenials mit seinen Werbebotschaften erreicht und wie man die Erwartungen der jungen Generation erfüllt, die schon 2020 den Großteil der arbeitenden Bevölkerungsschicht ausmachen wird (in Österreich derzeit bereits 25 %), macht Shama Hyder an fünf wesentlichen Punkten fest:

1. An das auf Identität basierende Ökosystem anpassen

Menschen haben heute das Bedürfnis, sich online zu zeigen, ihre Identität öffentlich zu machen und ihre Individualität zu betonen. Was ermöglicht nun die Marke bzw. mein Unternehmen den Millenials über sich selbst zu denken?

2. ETC (education, transparency, choices) zum Mantra machen

Es gilt, darüber nachzudenken, wie man im Zeitalter der Millenials und der sozialen Medien am besten ausbildet. Zudem ist heutzutage die Transparenz, gerade für die Generation Y, enorm wichtig, wenn es um Glaubwürdigkeit und Sympathie geht. Last but not least: Möglichkeiten, Möglichkeiten. Junge Menschen wollen wählen können, aus dem Vollen schöpfen und sicch stets in der Rolle des Entscheiders wiederfinden.

3. Diversität nicht außer Acht lassen

Die Millenials machen es schon mit ihrer Altersgruppen-Definition vor: Ein Spektrum von 18 bis 35 Jahren und die globale Vernetzung durch die sozialen Medien bringen eine besonders vielschichtige Zielgruppe mit sich. Millenials sind zudem sozial aufmerksamer als ihre Vorgängergenerationen, sie fühlen sich in ihrer Individualität besonders und haben, damit verbunden, auch hohe Ansprüche an die Industrie.

4. Nach dem Prinzip Multichannel denken

Heute gibt es selten nur einen Touchpoint mit den Kunden. Die vielen Kanäle erfordern eine Multichanneling-Herangehensweise. Viele Channels bedeuten aber auch viel »Lärm« und Verwirrung. Wer hier als »Filter« auftritt und damit den Kontext vor den Inhalt reiht, gewinnt den Kampf um die Aufmerksamkeit der anspruchsvollen Millenials.

5. Auf andere Millenials setzen

Was in den USA schon längst Gang und Gebe ist, muss sich in Europa erst entwickeln: Influencer Marketing. Junge Menschen, mit deren Persönlichkeit sich die Millenials identifizieren können, geben in Sachen Marketing heute den Ton an: Keine Instastory, in der die beschriebenen Produkte von den Influencern nicht verlinkt werden. Kein (gesponserter) Blogbeitrag, der nicht auf die neue Beautyserie von XYZ verweist: Allesamt kleine Kooperationen, mit großem Erfolg – in Form von steigenden Click Rates und schlussendlich Sales.

Nach dem professionellen Einblick in die mir doch eigentlich so vertraute Millenials-Welt wird mir eines klar: Industrie und Handel blicken mit unserer Generation Y einer ganz neuen Herausforderung entgegen, so simpel und einleuchtend die fünf »How to’s« von Shama Hyder auch klingen mögen. Im heutigen Marketing lautet die Devise, Grenzen zu überschreiten und eine ordentliche Portion Feldforschung zu betreiben – in Form von viel Zeit mit dem Scrollen durch News Feeds und Instagram Postings zu verbringen. »Think different« lautet das Credo!


Von: Christiane Marie Jördens

Kommentar

In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

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